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Lob für den „Kopfabenteurer“

Preis der Literatour Nord an Tilman Rammstedt vergeben Lob für den „Kopfabenteurer“

"Postmoderne in Vollendung", Witz und Tiefe - mit solchen Worten ist Donnerstagabend Tilman Rammstedt bedacht worden. Der Autor hat für seinen jüngsten Roman "Morgen mehr" den mit 15.000 Euro dotierten Preis der Literatour Nord 2017 erhalten. Es ist bereits der neunte Preis für den Schriftsteller.

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Tillman Rammstedt, Preisträger der Literatour Nord 2017.

Quelle: dpa

Hannover. Er ist zweifellos etwas Besonderes. Der bemerkenswerte Sonderfall eines Autors, der schon mehr Preise eingeheimst als Publikationen hervorgebracht hat. Was die Jury des Projekts Literatour Nord nicht davon abgehalten hat, Tilman Rammstedt gestern mit einem weiteren Preis zu ehren, den mit 15.000 Euro dotierten Preis der Literatour Nord 2017, womit der 42-jährige Autor jetzt neunfach preisgekrönt ist.

„Tilman Rammstedt schreibt Kopfabenteuerromane“, konstatierte der Laudator Jörg Magenau am Donnerstag bei der Verleihung des von der VGH-Stiftung ausgelobten Preises. Rammstedts „Weltreisen vom Schreibtisch aus“ fokussierten in intelligenter und oft witziger, auf Pointen zugeschriebener Weise die Inszenierung von literarischen Welten ebenso wie von Erzählerfiguren – und nicht zuletzt seine Selbstinszenierung. Auch durch ein kurzes Filmporträt, das Studierende der Fachhochschule mit Rammstedt gedreht haben, bekamen die Gäste der Preisverleihung davon einen Eindruck.

„Was also ist zu loben an Tilman Rammstedt? In aller Kürze dies: Seine Sätze. Seine Kürze. Seine Prägnanz. Sein Witz. Seine Traurigkeit. Sein Möglichkeitssinn. Seine Unmöglichkeitsüberwindungsfähigkeit. Und seine Sehnsucht, die Geschichten möglichst gut ausgehen zu lassen.“

Aus der Laudatio von Jörg Magenau

„Dies ist ein Jubiläum - denn Rammstedt ist bereits der 25. Preisträger der Literatour Nord“, sagte Sabine Doering danach. Sie ist die Vorsitzende der von Literaturhauschefin Kathrin Dittmer organisatorisch unterstützten Jury, die Rammstedt den Preis für seinen 2016 erschienenen Roman „Morgen mehr“ verliehen hat.

Der Buchtitel ist zugleich (Erscheinungs-)Programm. Denn Rammstedt, der seit 1999 etwa im Dreijahresrhythmus publiziert und von dem als alleinigem Autor bislang zwei Erzählbände und vier Romane stammen, hat dieses Buch über drei Monate hinweg als Fortsetzungsroman publiziert, der seinen Abonnenten per Mail oder Whatsapp-Nachricht zugestellt wurde. Und weil der Roman überdies von einem Ich-Erzähler entfaltet wird, der darin die Geschichte seiner eigenen Zeugung durch die auktoriale Zusammenführung der eigenen späteren Eltern schildert, kann er als ebenso medien- wie selbstreflexiv gelten.

Vielleicht hat es indes gerade die tägliche Publikationsweise mit sich gebracht, dass nicht nur der Literaturkritiker Jörg Magenau in „Morgen mehr“ auch „Verzwirbelungen“ erlebt hat. Er bescheinigte Rammstedt in seiner Laudatio „Postmoderne in Vollendung: das Erzählen des Erzählens“ - anders als die „Zeit“, die das Werk als vordergründig auf Effekt kalkulierte „Stand-up-Literatur“ einstufte: Wenn man merke, dass man auf jeder Seite überrascht werden solle, sei das eben keine Überraschung mehr, ein bloßes „Tischfeuerwerk“ sei das Resultat, ein Werk „aus der Spielecke der Literatur“. Magenau betonte dagegen in seiner Laudatio, dass Rammstedts Erzählen keineswegs vordergründig sei, dass er Witz und Tiefe zu verbinden vermöge. Sicher ist: Rammstedt hat die 13-köpfige Jury mehr überzeugt als die Autoren Olga Martynova, Teresa Präauer, Benedict Wells, Kathrin Röggla und Sabine Gruber, die ebenso wie der Preisträger im Rahmen der Lesereise 2016/2017 in sechs norddeutschen Städten unterwegs waren. „Ihr Erzählen ist zutiefst komisch und bewegend schön", zitierte VGH-Stiftungsvorstand Friedrich von Lenthe am Ende aus der Preisurkunde. "Ich bin sehr beglückt und sehr geehrt", dankte der Preisträger mit charmantem Lächeln.

Von Daniel Alexander Schacht

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