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Kultur "Der Liebestrank" an der Staatsoper
Nachrichten Kultur "Der Liebestrank" an der Staatsoper
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00:15 07.06.2017
Von Stefan Arndt
Seltsames Spiel: Szene aus "Der Liebestrank" an der Staatsoper Hannover. Quelle: Landsberg
Hannover

Mit Feuer spielt man nicht. Aber was soll man schon machen, wenn die Sehnsucht nach Liebe sogar noch unerbittlicher brennt als die sehrende Sonne des Südens? Diese Klage steht Gaetano Donizettis Oper „Der Liebestrank“ als gesungenes Motto voran. Und Regisseur Tobias Ribitzki, der das Stück nun als letzte Premiere der Saison auf die Bühne der Staatsoper Hannover gebracht hat, nimmt sie zum Anlass für einige zündelnde Kalauer, wenn er etwa die junge Adina auf einem Scheiterhaufen schmoren lässt, nur damit der zufällig vorbeireitende Belcore auch wirklich gleich erkennt, dass er hier eine heiße Braut vor sich hat.

Denn Adina muss sich eines Liebhabers erwehren, der es ernst meint: Nemorino will sich lieber umbringen, als nicht von ihr erhört zu werden. Und das ist Adina, der die Liebe noch leicht und flüchtig erscheint, so lästig, dass sie lieber den ersten Besten heiraten möchte, der des Wegs kommt. Erst kurz vor dem Ja-Wort bedenkt sie ihre Lage noch einmal – und hält Nemorino dann doch für die bessere Wahl.

Die Handlung des „Liebestranks“ ist verwickelt wie die Liebe selbst. Da ist es nur vernünftig, wenn Regisseur Ribitzki, der seine Karriere an der Jungen Oper in Hannover begonnen hat, erst gar keinen Versuch unternimmt, sie ernsthaft zu entwirren. Mit kühlem Kopf spiegelt er sie im Gegenteil zusätzliche in alle möglichen Richtungen, bis die Gefühle der Figuren vieldeutig schillern.

Der Abend beginnt, wie man erst später begreifen wird, mit Theater auf dem Theater: In gemalten Pappkulissen entfalten Ritter in bunten Rüstungen, Knappen, Minnesänger und Burgfräuleins mit Kegelhüten und Schleiern ein comichaft überzeichnetes mittelalterliches Leben (Bühne: Florian Parbs, Kostüme: Rebekka Zimlich). Im Zuschauerraum hält es Nemorino bei diesem Anblick nicht lange auf seinem Platz: Er eilt bald selbst auf die Bühne, wo er in seinem Smoking allerdings ein Fremdkörper bleibt.

Dann wandelt sich der Schauplatz zur Hinterbühne, auf der die Sänger für ihren Auftritt in der billigen Mittelalter-Show proben. Doch auch diese vermeintliche Realität ist offenbar nur ein flüchtiges Zwischenreich. Wie sonst sollte man erklären, dass der Hausmeister, der hier eben noch im grauen Kittel sein Reperaturwägelchen durch die Szene schiebt, im nächsten Moment im Glitzerjackett jenen Liebestrank feilbietet, der die ganze Geschichte antreibt?

Der quacksalbende Hausmeister Dulcamara ist eine Figur, die sich keiner Welt zuordnen lässt. Darum kann er zwischen den Szenen sogar abstrakte Wortspiele betreiben und die vor dem Vorhang gehängten Buchstaben so verdrehen, dass etwa aus „Liebestrank“ „Liebenskrank“ wird, und die einzelnen Kapitel der Geschichte zusätzliche Überschriften erhalten.

Tobias Schabel füllt als Dulcamara eine solche geheimnisvolle Rolle mit Leichtigkeit aus: Der Bariton ist nicht nur ein charismatischer Darsteller, sondern auch einer der besten Sänger dieses Belcanto-Opernabends und wird am Ende lautstark vom Publikum gefeiert. Einzig Athanasia Zöhrer bekommt noch mehr Applaus: Ihre Adina klingt so frisch und natürlich, wie man es sich für diese Partie nur wünschen kann. Selbst die rasanten Koloraturen tönen bei ihr nicht nach Kunststück, sondern wie eine Selbstverständlichkeit. Etwas mehr Mühe hat Tenor Robin Kim, der seinen Nemorino zwar einen schön lyrischen Charakter gibt, der zu dieser romantischen Figur passt.  Manchmal vermisst man aber etwas Kraft und tenorale Strahlkraft. So hat Matthias Winckhler als sein Nebenbuhler Belcore (zu) leichtes Spiel.

Jederzeit souverän tönt der in diesem Stück viel beschäftigte Chor, auch wenn Dirigent Daniel Klein manchmal weit ausholen muss, um alles zusammenzubringen. Das Staatsorchester spielt unter seiner Leitung über weite Strecken leicht und präzise, vor allem die Holzbläser sorgen für feurige Eleganz. Ein raffinierter, sommerleichter Opernabend.

Wieder am 8., 11., 15., 21. und 23. Juni.

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