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Kultur Tom Schimmek liest aus „Am besten nichts Neues“
Nachrichten Kultur Tom Schimmek liest aus „Am besten nichts Neues“
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09:53 06.10.2010
Von Ronald Meyer-Arlt
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Wir werden alle immer dümmer. Eine allgemeine Entleerung von Inhalten ist zu beobachten und eine bedenkliche Entpolitisierung der Gesellschaft. Nein, nicht Thilo Sarrazin war zu Gast im Literarischen Salon, sondern Tom Schimmeck. Und er warnt auch nicht davor, dass die Deutschen aussterben, sondern nur davor, dass der gute Journalismus ausstirbt. Aber immerhin! Wie Thilo Sarrazin hat auch Tom Schimmeck seine Warnung in Buchform gegossen. In „Am besten nichts Neues“ beschreibt er die Krise des politischen Journalismus in Deutschland.

Kundig und engagiert (aber nicht sehr kritisch) befragt von Jens Meyer stellte Schimmeck die Thesen seines Buches im Salon vor und las auch einige Auszüge. Er erzählt von seinem Wechsel von der taz, die er mitgegründet hat, zu „Tempo“ (die Älteren erinnern sich vielleicht: das erste Zeitgeist-Magazin der Bundesrepublik nach „stern“, „Quick“ und „Twen“). In „Tempo“ habe Schimmeck zwar „die besten Geschichten“ seiner gesamten journalistischen Karriere geschrieben, aber auch neoliberale Kaltschnäuzer wie Ulf Poschardt kennengelernt: Journalisten, die einen kalten Blick auf die uncoole Welt werfen und das Politische im Grunde verachten. Diese Verachtung des Politischen macht Schimmeck Sorge: Sie bereite den Nährboden für Figuren wie Berlusconi oder Haider.

Nach „Tempo“ zog es ihn zum „Spiegel“. Er liebte dessen „schnoddrige, skeptische Art, die Dinge zu betrachten“, wurde dort aber nicht glücklich. Seine Zeit beim „Spiegel“, sagt er, sei eine Zeit fortwährender Entzauberungen gewesen. Sein Fazit: Das Magazin macht nach außen einen tollen Eindruck, innen aber ist es eine Kadettenanstalt, eine Burschenschaft, nach Regeln des 19. Jahrhunderts organisiert. Lange hielt er es auch da nicht aus. Er wurde freier Journalist und Buchautor. Für eine Reportage über den „Spiegel“ ist er an seine ehemalige Arbeitsstelle zurückgekehrt und hat mit Stefan Aust gesprochen. „Ich habe Frau Merkel gesagt, so geht das nicht ...“, sagt Schimmeck als Aust, die Herrenreiterart des ehemaligen Chefredakteurs stimmlich nachahmend.

Überhaupt die Stimme: Oft senkt Schimmeck sie am Ende seiner Sätze so, dass nur noch ein Flüstern übrig bleibt. Das macht er immer dann, wenn er besonders Schlimmes aus der Welt des Journalismus zu berichten hat: dass es im Hauptstadtjournalismus eine ausgeprägte Rudelbildung gebe, dass alle in etwa das Gleiche schrieben, dass die Boulevardisierung der seriösen Zeitungen voranschreite, dass die Berater von Roland Berger durch viele Verlagshäuser gegangen seien, dass es bei der „Süddeutschen Zeitung“ schon fünf Entlassungswellen gegeben habe. Wenn Schimmeck zu flüstern beginnt – und er beginnt oft zu flüstern – , wirkt es, als berichte er von einer riesigen Verschwörung. Doch so geheim sind die Fakten, die er präsentiert, eigentlich nicht.

Und er hat auch Positives zu berichten: In Frankreich hätten entlassene Journalisten erfolgreich Online-Magazine gestartet, und die „taz“ habe jetzt zum ersten Mal ein Plus gemacht. Auch schön. Der Journalismus ist in einer Umbruchzeit, wortspielt Schimmeck. Aber war er das nicht schon immer?

Am Ende, als die Zuschauer Fragen stellen dürfen, trinkt Schimmeck Beck’s und antwortet. Manchmal unterdrückt er ein Gähnen.

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