Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / -2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
"Toni Erdmann" unterwegs zum Oscar

Glosse "Toni Erdmann" unterwegs zum Oscar

Heute hat die deutsche Auswahljury „Toni Erdmann“ offiziell ins Oscar-Rennen geschickt. Der erste nomierte deutsche Film seit "Das Leben der Anderen" im Jahr 2007. Und einer, der völlig ohne Nazis oder Stasi auskommt. Eine Glosse von Stefan Stosch.

Voriger Artikel
"Toni Erdmann" ist deutscher Oscar-Kandidat
Nächster Artikel
„Zu viel Diskurs- und Pipifax-Theater“?

In der engeren Auswahl für einen Auslands-Oscar: "Toni Erdann" von Maren Ade.

Quelle: SWR - Südwestrundfunk/dpa

Deutsche Filme über die NS-Zeit gehen im Oscar-Rennen immer. Ist ausnahmsweise mal keiner zur Hand, tut’s auch die DDR – siehe das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“, das es 2007 als vorerst letzter Beitrag zu Oscar-Ruhm brachte. Nun war wieder eine geballte Ladung NS-Historie unter den acht Titeln auf der deutschen Auswahlliste zu finden, etwa „Der Staat gegen Fritz Bauer“, „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder die Exilantenstory „Vor der Morgenröte“. Und die Nominierung von deutscher Seite geht an ... „Toni Erdmann“, diese kluge, komische, traurige, kurz: grandiose Vater-Tochter-Geschichte.

Überraschende Auswahl

Die Auswahljury hat gestern Maren Ades Überraschungshit der Saison ganz nach oben gesetzt. Selbstverständlich war das keineswegs. Das Gremium soll ja nicht entscheiden, welches der beste Film ist, sondern welcher am meisten Pluspunkte bei der Oscar-Academy sammeln könnte. Es handele sich um „eine ebenso mutige wie stilsichere filmische Seelenschau am Puls der Zeit“, urteilte nun die Jury.

Entgültige Nominierung im Januar

So konkurriert ein 162 Minuten langes, sehr gegenwärtiges Werk über einen Vater mit Zottelperücke und falschem Gebiss (Peter Simonischek) und dessen karrieristische Tochter (Sandra Hüller) um den Auslands-Oscar. Hollywood gibt am 24. Januar bekannt, welche fünf Beiträge es auf die Shortlist geschafft haben – im Vorjahr gelang das mit „Im Labyrinth des Schweigens“ über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse nicht. Das lässt sich als positives Zeichen werten: Vielleicht wollen die Academy-Mitglieder auch endlich wissen, wie es im heutigen Deutschland aussieht.

Stefan Stosch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Gemälde von Philipp Kremer im Kunstverein Langenhagen

Die Gemälde des jungen Künstlers Philipp Kremer setzen sich mit dem Thema Macht und Gewalt sowie den damit einhergehenden Täter-Opfer-Verhältnissen auseinander. Jetzt sind sie im Kunstverein Langenhagen zu sehen.