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„Transformers – Die Rache“: Die Verschrottung der Welt

Kino „Transformers – Die Rache“: Die Verschrottung der Welt

Eine Materialschlacht im Namen des Marketings: Die „Transformers“ sind zurück im Kino – und die US-Armee hilft, wo sie kann.

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Quelle: Paramount

Es ist wieder mal so weit: Amerika wird Opfer des Terrors. Präsident Barack Obama ist aus Sicherheitsgründen in einen unterirdischen Bunker verfrachtet worden. Erst soll New York dem Erdboden gleich gemacht werden und dann die ganze Welt. Einer der Angreifer turnt schon oben auf dem Empire State Building herum, wo früher King Kongs Stammplatz war.

Dass der Terror so unverfroren in einen 200 Millionen Dollar teuren Hollywood-Blockbuster zurückkehren würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Vor Kurzem noch wurden Großprojekte in geradezu grotesker Manier darauf abgeklopft, ob sie der sowieso schon gequälten amerikanischen Seele Schaden zufügen könnten. Mit dieser Rücksicht ist es nun vorbei.

Der Mann, der es zweieinhalb Kinostunden lang scheppern und krachen lässt, heißt Michael Bay. Er hat schon in „Armageddon“ (1998) das jüngste Gericht einberufen und „Pearl Harbor“ (2001) im Feuersturm der Japaner untergehen lassen. Ihm ist es egal, was die Welt kaputt haut. Hauptsache, es ist laut genug. Für ihn ist jede Verschrottungsorgie nur ein Spiel.

In diesem Fall ist das wörtlich zu verstehen. Die „Transformers“ begannen ihre Karriere in den Achtzigern als Spielzeug in amerikanischen Kinderzimmern. Das Grundprinzip: Autos verwandeln sich in stählerne Kolosse beziehungsweise Kolosse in Autos – was möglicherweise auch der Wunschtraum mancher Erwachsener ist, nicht nur auf deutschen Autobahnen. Der erste Teil der Blut-, Schweiß- und Edelmetallserie spielte vor zwei Jahren weltweit mehr als 700 Millionen Dollar ein und war eine der erfolgreichsten Kinoproduktionen des Jahres – und damit nach Hollywoods Kriterien eine Fortsetzung unausweichlich.

Es wäre wohl zu viel der Ehre, den „Transformers“-Machern politisches Bewusstsein zu unterstellen – zumal es sich bei den Terroristen nicht um Al-Qaida-Schurken, sondern um einen Trupp außerirdischer Roboter handelt. Es gibt gute und böse Maschinen, Autobots und Decepticons genannt. Aber das muss man gar nicht wissen. Wenn die riesigen Maschinen aufeinander losschlagen, sich gegenseitig ihre Greifarme ausreißen, Servogelenke zermalmen und irgendwann endlich ächzend zu Boden gehen, kann man sie kaum unterscheiden.

Auf der Erde kämpfen die Roboter ihre finale Schlacht um eine geheime Energiequelle. Collegeboy Sam (Shia LaBeouf) ist wie schon im ersten Teil auserwählt, den Guten zum Sieg zu verhelfen. Auch aus eigenem Interesse: Es geht mal wieder ums Überleben der Menschheit.

Die Dreharbeiten hätten sich wie „fünfmonatiges Fallschirmspringen“ angefühlt, hat LaBeouf bei der Premiere in Berlin gesagt. So sieht der Film auch aus. Hier sind Jungs so sehr in ihr Spiel vertieft, dass sie ihre Umgebung kaum wahrnehmen. Sie lassen Autos und Monster aufeinanderprallen und schleudern alle möglichen Vehikel durch die Gegend. Für Außenstehende sieht das lächerlich aus. Man muss schon bereit sein, mitzuspielen, wenn man sich nicht langweilen will.

Und damit auch Ältere dabei bleiben, wird eine Romanze mit einer scharfen Motorradbraut dazugedichtet, die sich bei der ersten Begegnung wie ein Pin-up-Girl an ihre Maschine schmiegt: Sams Dauerfreundin Mikaela (Megan Fox) ist wieder mit von der Partie, weshalb die Materialschlacht für Momente auf eine Teenie-Liebe heruntergedimmt wird. Da sollen dann kopulierende Miniroboter die Zuschauer zum Lachen bringen.

Warum auch nicht? „Indiana Jones unter Robotern“ könnte eine originelle Variante sein. Problematisch wird es nur, wenn die kindlich-pubertäre Phantasie von der Unterhaltungsindustrie gnadenlos ausgeschlachtet wird. Und das ist hier der Fall. Schon „Transformers 1“ war ein Vermarktungscoup des Spielzeugkonzerns Hasbro. Der oberste Zweck des zweiten ist es, die Gewinne noch einmal zu toppen. Die Infantilisierung Hollywoods im Auftrag einer globalen Spielzeugfirma schreitet voran – demnächst folgt „G. I. Joe – Geheimauftrag Cobra“. Dieser Joe erblickte ebenfalls in diesem Unternehmen das Licht der Welt.

Bei der sechsten „Harry Potter“- oder der dritten „Ice Age“-Fortsetzung geht es zwar auch zuerst ums Geldverdienen, aber da verfügen die Filme noch über künstlerische Eigenständigkeit. Hier verkehren sich die Gewichte: Der Film ist nurmehr Mittel zum Zweck. Man könnte auch sagen: Hollywood prostituiert sich.

Nebenbei kommt „Transformers“ einer Militärparade gleich. Großzügig hat die US-Armee mit neuester Technik ausgeholfen. Wenn schließlich zwischen ägyptischen Pyramiden aus allen Rohren gefeuert wird und die halbe US-Luftwaffe im Anflug ist, gleicht der Film einem Werbeclip. Fehlt nur noch, dass im Kino Rekrutierungsformulare verteilt werden.

Bei so viel Interessen fragt sich, wie viel Richtlinienkompetenz Regisseur Bay geblieben ist. Zumindest Wünsche wurden ihm erfüllt. Es heißt, schon im ersten Teil hätte er gern einen Flugzeugträger zur Verfügung gehabt. Jetzt hat er ihn bekommen – um ihn alsbald computertechnisch auf dem Meeresgrund zu versenken.

Ab 24. Juni im Kino.

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