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Nachrichten Kultur Trauer über den Abzug der Stiftung Ahlers
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00:15 15.04.2016
Von Daniel Alexander Schacht
Wo Kunstgeschichte geschrieben wurde: Noch residiert die Stiftung Ahlers Pro Arte im früheren Gebäude der Kestnergesellschaft. Quelle: Stiftung Ahlers Pro Arte
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Hannover

„Außerordentlich bedauerlich“ nennt Kulturdezernent Harald Härke die Entscheidung. „Das ist ein großer Verlust - für die Stadt, für die Region und in besonderer Weise auch für die Kestnergesellschaft“, sagt Christina Végh, die Direktorin der Kestnergesellschaft. Deren früheres Gebäude in der Warmbüchenstraße wird von der Stiftung Ahlers genutzt - zählt aber schon nicht mehr zum Eigentum der Stiftung.

Wie berichtet, soll die derzeit dort präsentierte Ausstellung von Werken der Zero-Bewegung die letzte Kunstschau in den traditionsreichen Räumen sein. Statt durch eigene Ausstellungsaktivitäten sollen Werke der hochkarätigen Sammlung des Unternehmers und Kunstmäzens Jan Ahlers (1934-2013) künftig durch Leihgaben an andere Ausstellungshäuser öffentlich präsent sein.

„Jan Ahlers hat die Räume zu einer würdigen Erinnerungsstätte an die Leistungen der Kestnergesellschaft gemacht“, sagt Végh unter Hinweis auf die Vielzahl von Künstlern, deren Namen in den Frontscheiben des heutigen Stiftungsgebäudes verewigt sind. Als „außerordentlich traurig“ stuft angesichts dieser Traditionen auch Reinhard Spieler, der Direktor des Sprengel-Museums, die Entscheidung gegen den Standort Hannover ein. „In diesen bedeutenden Räumen ist Nachkriegskunstgeschichte geschrieben worden“, sagt Spieler, „und die kleinen und feinen Akzente, die Jan Ahlers mit seinen stets intim und privat wirkenden Ausstellungen gesetzt hat, sind bisher eine wichtige Stimme im Zusammenspiel der hannoverschen Ausstellungshäuser.“ Spielers Vorgänger Ulrich Krempel hat nach eigenem Bekunden noch die Eröffnungsausstellung mit Werken von Dieter Roth im Jahr 2005 in guter Erinnerung. „Jan Ahlers hat alle verfügbaren früheren Direktoren der Kestnergesellschaft zu Auftritten in seine Stiftungsräume eingeladen - er war ein wirklich großer Gastgeber und ein Sammler, wie er einem nicht alle Tage vor die Füße läuft.“

„Mit dem Aus für die Warmbüchenstraße fallen dort nicht nur hervorragende Ausstellungen weg, auf diese Weise entfällt auch ein wichtiges Forum, das Jan Ahlers für Diskurse über Kunst und Gesellschaft geschaffen hatte“, sagt der Galerist Robert Drees über die nach seinen Worten „hochgradig bedauerliche“ Entscheidung.

Wirksam werden soll die Standortaufgabe im nächsten Jahr. Dann soll die Sammlung zum deutschen Expressionismus auf Grundlage eines Kooperationsvertrages im Franz-Marc-Museum Kochel gezeigt werden. Bis dahin sollen über die sonstigen Sammlungsbestände Vereinbarungen mit anderen Museen gefunden werden. Über den Sammlungsschwerpunkt Expressionismus hinaus umfasst die Sammlung von Jan Ahlers ein breites Spektrum von Werken der klassischen und der zeitgenössischen Moderne - von Gabriele Münter, Man Ray und Kurt Schwitters bis zu Dieter Roth, Daniel Spoerri und Bernhard Luginbühl. Einen Kooperationsvertrag gibt es nach Auskunft der Stiftungschefin und Ahlers-Tochter Stella Ahlers, Jahrgang 1965, auch mit dem Sprengel-Museum. „Über den Kooperationsvertrag mit dem Sprengel-Museum bleibt die Stiftung Hannover weiterhin verbunden“, hatte sie bei Bekanntgabe der Standortschließung erklärt. „Wir fühlen uns mit der Stiftung gerade als Stadt weiterhin besonders verbunden“, hebt auch Kulturdezernent Härke hervor.

Das Eigentum an dem Gebäude in der Warmbüchenstraße ist nach übereinstimmenden Informationen mehrerer Quellen bereits vor einiger Zeit an die aus Ungarn stammende Künstlerin Kata Legrady, Jahrgang 1974, übergegangen. Sie ist die Witwe des 30 Jahre älteren Jan Ahlers.

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