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US-Amerikanerin überzeugt Jury im Theater am Aegi

Internationaler Choreografiewettbewerb US-Amerikanerin überzeugt Jury im Theater am Aegi

Sie war die Jüngste und Unerfahrenste, und doch hat sich Nicole Caruana gegen die übrigen 18 Kandidaten des internationalen Choreografiewettbewerbs durchgesetzt. Die US-Amerikanerin überzeugte mit ihrer Produktion „Arba“ die Jury und sicherte sich den mit 6000 Euro dotierten ersten Platz sowie den Produktionspreis des Scapino Balletts Rotterdam.

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Quelle: Choreografiewettbewerb

Hannover. Es war ein Sieg des Unperfekten. Zu einem Soundmix aus Guerilla-Jazz und klassischer Musik toben sich zwei Männer und zwei Frauen, darunter auch Caruana, auf der Bühne aus: In übergroßen Pullovern und Knickerbockern wechseln sie zwischen Ballett und Breakdance, Musical und Modern Dance. Alles fließt. Doch die schier überbordende Lust an raumgreifender Bewegung endet scheinbar mittendrin. „Arba“, hebräisch für die Zahl vier, dauert nur sieben Minuten. Ein Appetithäppchen, das Lust auf mehr macht. Man hätte gerne 70 Minuten von dieser explosiven Tanzsprache gesehen.

Durchweg hohes Niveau

Doch auch wenn „Arba“ etwas zu abrupt und unrund aufhört, deutet alles darauf hin, dass für Caruana eine spannende Choreografen­laufbahn beginnt. Die Fachjury sah in dem Kurzauftritt der New Yorker Studentin jedenfalls „immenses Potenzial“. Bemerkenswert war Caruanas Sieg vor allem vor dem Hintergrund, dass die Konkurrenz fast ausnahmslos mit extrem professionell ausgearbeiteten Stücken antrat. Im Vergleich zu den Vorjahren war das Niveau der Leistungsschau unter der Leitung von Heidelbergs Tanzchefin Nanine Linning diesmal besonders hoch. Die Perfektion auf die Spitze trieben Sufri Juwahir und Sheriden Newman aus Singapur: Mit ihrem punktgenau auf den rasanten Rhythmus indischer Trommeln choreografierten Duett „Decipher“ holten sie den zweiten Platz (3000 Euro) und den Publikumspreis (1000 Euro). Darüber hinaus sind sie von dem Jurymitglied und ehemaligen Tänzer an der hannoverschen Oper Stéphen Delattre eingeladen, in Mainz mit seiner Dance Company ein Stück einzustudieren. 

Nicole Caruana aus den USA siegt beim Internationalen Wettbewerb für Choreografie vor Singapur und Taiwan.

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Ein weiterer Publikumsliebling, der im ausverkauften Theater am Aegi wegen seiner reifen und ausgefeilten Inszenierung mit viel Beifall und Bravorufen bedacht wurde, ging schließlich leer aus: Edan Gorlicki aus Israel wurde bereits 2016 in Hannover für sein Acht-Personen-Stück „Vortex“ im Rahmen des Künstlerresidenzprogramms „Think Big“ beim Festival Tanztheater International gefeiert. Diesmal überzeugten andere mehr. Etwa Hung-Chung Lai aus Taiwan. Sein Stück „Watcher“ kam auf den dritten Platz (2000 Euro) und erhielt den Kritikerpreis (1500 Euro). Die Choreografie für zwei Männer und eine Frau beeindruckte mit kaleidoskopartigen Bewegungsmustern und atmosphärischer Dichte.

Ideenreich und mutig

Den neuen Residenzpreis für eine Solo-Kurzchoreografie beim Europäischen Zentrum für Künste Dresden Hellerau bekamen der Spanier Diego de la Rosa und die Südkoreanerin Young-Won Song für ihr temporeiches Duett „One’s“. Die Briten Rudi Cole und Julia Robert wurden für ihre Arbeit „Zero“ mit dem Produktionspreis der Tanja-Liedtke-Stiftung ausgezeichnet und dürfen für drei Wochen mit dem Australian Dance Theatre im australischen Adelaide ein Stück konzipieren. Für Nanine Linning, die als Nachfolgerin von Ed Wubbe dem Wettbewerb erstmals vorstand, war es ein gelungener Einstieg. Nicht nur wegen des fast ausverkauften Finales. Mit der Erstplatzierung von Nicole Caruana ist für Linning aufgegangen, was sie sich vorgenommen hatte: Nachwuchs zu fördern, der vor allem ideenreich und mutig ist. Perfektion kann warten.     

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