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70. Geburtstag von Udo Lindenberg Udo für alle

Der Mann, der den Deutschrock zum Genre machte, wird heute 70 Jahre alt und ist so erfolgreich wie nie zuvor. Neue CD, Deutschlandtour – Udo Lindenberg startet noch mal richtig durch.

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Fitter - und erfolgreicher - denn je: Udo Lindenberg.

Quelle: dpa

Hannover/Berlin. Udo Lindenberg kehrte 2008 aus dem Nirgendwo zurück und wurde der große alte Mann der deutschen Rockmusik. Man weiß von ihm, dass er früher hemmungslos soff und dass er heute lieber Liegestütze und Langläufe macht.

Er ist dürr wie Mick Jagger, tut aber so, als besitze er die Kraft der zwei Herzen. Er trägt fast immer die Udo-Uniform: Hut, Zigarre, getönte Brille. Manchmal, wenn er die tiefe Verbundenheit zu seinen Fans betonen will, nimmt er sie ab und sagt, dass er den Menschen „durch die Augen in die Seele reinsingen“ will. Man glaubt ihm das.

Beliebt und erfolgreich wie nie zuvor

Lindenberg, der heute 70 Jahre alt wird, ist derzeit allgegenwärtig. Mit dem Sänger kann man glänzen, die Plattenfirma, die Medien, auch die Reederei Tui Cruises, auf deren „Mein Schiff 3“ er gerade mit seinem Panik-Orchester und 2500 Fans unterwegs war. Seit seinem Comeback ist er der Super-Udo – und beliebt und erfolgreich wie nie zuvor. Mit „Stark wie Zwei“ landete er vor acht Jahren seine erste Nummer eins überhaupt. Mit seinem neuen Album „Stärker als die Zeit“ wiederholte er diesen Coup.

In den Charts auf Eins, in Lebensjahren auf 70: Bilder aus der Karriere von Udo Lindenberg.

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Lindenberg bewegt sich in einem eigenen Tempo. Schon immer. Der Sänger wuchs in der kleinen westfälischen Arbeiterstadt Gronau auf. Sein Vater Gustav wäre gern Dirigent gewesen, war aber Klempner. Indem der Sohn sich für ein unkonventionelles „Freistilleben“ entschied, verwirklichte er stellvertretend auch den Traum seines Vaters.

Lindenberg spielte als Drummer bereits mit 16 in Jazzclubs der US-Armee im libyschen Tripolis. Dadurch entkam er nicht nur der Enge Gronaus, sondern auch dem bedrückenden Nachkriegsschweigen seiner Eltern. „Hier krepier’n wir zu früh, wenn wir nicht gehen“, sollte er später singen.

Mit kantigem Deutschrock gegen leeren Schlager

Viele Fans bewundern ihn, weil er sich für Menschlichkeit und Freiheit stark macht, und weil er sagt, was er denkt. Weil er sich etwas traut. Man nimmt ihm die Kunstfigur aus Lässigkeit und Humor, politischer Korrektheit und Optimismus, gesellschaftlichem Engagement und „Panik“-Genuschel ab. Anfang der Siebzigerjahre hat er sie kreiert – und sich in sie hineingesteigert, bis sie wahr wurde.

Er setzte den Schlagern der Caprifischerrepublik, die ihm süß und leer vorkamen, kantigen Deutschrock entgegen. Er entwarf eine Sprache der Straße, die nie stolziert, sondern herumstreunt oder locker angelatscht kommt – so wie er. Er hat die erste deutsche Welle begründet. „Wir haben alle von ihm gelernt“, sagt Nina Hagen. Sein erstes Album erschien, als Willy Brandt Kanzler war und Honecker Generalsekretär. Für seine ostdeutschen Fans hat er eine besondere Bedeutung, weil sie ein Risiko eingingen, wenn sie ihn hörten.

60. Geburtstag in der Klinik

„Wir wollten doch die Welt verändern, irgendwann“, singt Lindenberg nun auf dem neuen Album. Die Zeile stimmt melancholisch, weil sie Resignation transportiert. Lindenberg warnt in diesen Tagen vor giftiger Gleichgültigkeit. Er moniert, dass sich in der Flüchtlingskrise nicht nur manche europäische Staaten wegduckten, sondern auch viele „Kulturjongleure“. Diese sollten doch eigentlich Stimmen der Gegenkultur sein, sagt er, so wie früher, als er Teil der Band für Afrika war oder gegen die Nachrüstung protestierte.

Wer hätte das gedacht? Udo Lindenberg konzertiert in der Stadt, und die größte Halle ist nicht groß genug.

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Im neuen Stück „Der einsamste Moment“ beschreibt er den Augenblick vor dem Auftritt. Während 50.000 Menschen in der Arena auf ihn warten, fühle er sich allein wie sonst nie, offenbart er. Er denke dann an Hermine und Gustav, seine Eltern, als erhalte er dadurch eine Infusion aus Mut und Zuversicht.

Erst dann beginnt die Show, dann ist er der Udo für alle. Ob er ein einsamer Mensch ist? Vielleicht singt er gerade deshalb so viele Lieder über das Niemals-Aufgeben und Noch-einmal-Durchstarten. Seinen 60. Geburtstag verbrachte er in der Entgiftungsstation einer Klinik. Diesmal probt er „auf Schalke“ – für die am Freitag beginnende Stadiontour.

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Lindenberg-Konzert

Udo Lindenberg wird immer lässiger: Mit 10.000 Fans hat er am Dienstagabend die erste von zwei Shows in der Tui-Arena gegeben. Für seine beiden Konzerte in Hannover hat er sich auch Duettpartner organisiert. Am Dienstagabend unterstützten ihn unter anderem Johannes Oerding und Stefanie Heinzmann.

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