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Neu eröffnetes Wagner-Museum in Bayreuth Überall Wahn

Anmutung statt Illusion: Das neu eröffnete Wagner-Museum in Bayreuth zeigt die Lebenswelt des Komponisten Richard Wagner – und seine Rezeption im Nationalsozialismus.

Richard-Wagner-Straße 48, Bayreuth 49.94105 11.58252
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Bibliotheken im Miniformat

Historische Stätte: Richard Wagners Villa Wahnfried wird vom Siegfried-Wagner-Haus (links) und einem Museumsneubau aus Stahl und Glas (rechts) flankiert.

Quelle: RWM

Bayreuth. In diesem Salon entfaltete das 19. Jahrhundert noch einmal seine ganze Kraft und Pracht. Umgeben von einer kostbaren Bibliothek, von Orientteppichen, Ölgemälden, Jugenstilkronleuchtern und Brokatsesseln traf sich die Elite eines Zeitalters, um über Kunst und Politik zu diskutieren oder um dem ebenso berühmten wie umstrittenen Hausherrn zu huldigen: Richard Wagner. In Bayreuth fand der nicht nur den idealen Ort für sein Festspielhaus, sondern auch ein standesgemäßes Wohnhaus. „Hier wo mein Wähnen Frieden stand – Wahnfried sei dieses Haus von mir genannt“ ließ der Komponist in die Mauern der Villa meißeln.

Drei Jahre Bauzeit, 20 Millionen Euro Kosten

Das Gelände am Rand der heutigen Innenstadt war auch nach dem Tod Richards 1883 die Bühne, auf der sich Glanz und Elend des schillernden Wagner-Clans entfaltete. Nach der weitgehenden Zerstörung im Krieg bezog der Komponisten-Enkel Wieland hier Domizil. Erst nach dessen Tod und einer gründlichen Renovierung wurde das Haus 1976 erstmals ein Museum. Die dort gezeigte Schau war aber schon längst in die Jahre gekommen. Nun wurde auf dem Gelände nach dreijähriger Bauzeit ein für 20 Millionen Euro rundumerneuertes Richard-Wagner-Museum eröffnet.

Haus Wahnfried macht dabei vor allem einen aufgeräumten Eindruck. Dort werden jetzt erheblich weniger Möbel, Bilder und Gegenstände gezeigt als zuvor. „Wir wollten den Wunsch nach der Erfahrung der Lebenswelt Wagners verbinden mit dem Auftrag historischer Redlichkeit“, sagt Museumsdirektor Sven Friedrich. Deshalb sind nur noch originale Möbel und Gemälde unverhüllt zu sehen, ansonsten mit Hussen überdeckte Imitate. Damit schaffe man eine „Anmutung, aber keine Illusion der Lebenswelt Wagners“, so Friedrich. Das Wohnhaus versteht der Direktor zwar als „Herzstück“ des neuen Museums, es solle aber keinesfalls als „historisches Disneyland“ verstanden werden.

Von der Vergangenheit in die Gegenwart

Der längst fällige Sprung in die Gegenwart ist aber vor allem geglückt, weil das Museum nun viel mehr Platz hat. Neben dem ursprünglichen Wohnhaus, das einen knappen Überblick über Leben und Werk bietet und neben Partituren auch Kleidungsstücke des Meisters ausstellt, stehen jetzt zwei weitere Gebäude zu Verfügung. Ein schlichter, lichtdurchfluteter Neubau gibt Einblick in die 150-jährige Festspielgeschichte. Dort sind historische Entwürfe zu Bühnenbildern und Kostümen aus allen Jahrzehnten in einer ästhetisch ansprechenden Schau präsentiert. Außerdem ist hier Raum für Wechselausstellungen.

Fatal enge Beziehung zum Nationalsozialismus

Erstmals öffentlich zugänglich ist nun auch das Haus, das Wagners Sohn Siegfried auf dem Gelände errichten ließ. Dessen Frau Winifred, die bis zu ihrem Tod 1980 hier lebte, beherbergte hier des Öfteren ihren Freund Adolf Hitler – und so ist dieser Teil der Ausstellung der Rolle Bayreuths während des Nationalsozialismus gewidmet.

Zu sehen gibt es dort allerdings fast nichts: Die in Eiche getäfelten Räume mit ihrem wuchtigen Kamin und dem schmiedeeisernen Leuchter über der langen Tafel verströmen auch so genug unheilvoll-germanische Atmosphäre. Nur auf schmalen Monitoren sind hier Filmausschnitte zu verfolgen, die die fatal enge Beziehung der Familie Wagner zu Hitler und dem Nationalsozialismus dokumentieren.

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