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Ukraine will Kultur aus Russland kontrollieren

Proteste aus Moskau Ukraine will Kultur aus Russland kontrollieren

Kultur aus Russland hat in der Ukraine immer zum Alltag gehört. Doch seit Russland Feindesland ist, macht die Ukraine die Schotten dicht. Eine liberale Tradition droht verloren zu gehen.

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Auf einem Stand des Kiewer Bücherbasars sind die neue Autobiografie des Ex-Präsidenten Viktor Juschtschenko, ein christliches Buch des Übergangspräsidenten Alexander Turtschinow und ein Jugendfoto der früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko ausgestellt.

Quelle: Friedemann Kohler

Kiew. Im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland will Kiew Bücher und Filme aus dem Nachbarland stärker kontrollieren. Russische Filme würden geprüft, „ob sie der nationalen Gesetzgebung entsprechen“, teilte die staatliche Kinoagentur in Kiew mit. In Moskau reagierten Filmproduzenten am Dienstag empört auf zwei Verleihverbote. Auf dem Buchmarkt will die Ukraine eine Quote, um einheimische Bücher gegen die Übermacht ausländischer, vor allem russischer Literatur zu schützen. Das sagte Vizeregierungschef Alexander Sytsch von der Nationalisten-Partei Swoboda.

„Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten, dass alle russischen Bücher schlecht sind“, erklärte Sytsch bei einer Regierungskonferenz. „Gleichzeitig sind wir einfach gezwungen, den ukrainischen Verbraucher vor fremdenfeindlichen Verlagsprodukten zu schützen, die auf eine Destabilisierung der Situation im Land abzielen.“ Russland werfe in der Ukraine oft „drittklassige“ Produktion auf den Markt.

Die Ukraine bemüht sich seit der Unabhängigkeit, die eigene Sprache und Kultur zu fördern, hat dabei aber bislang keinen großen Druck ausgeübt. Weil die meisten Ukrainer Ukrainisch und Russisch sprechen, setzt sich im Alltag oft die russische Kultur durch. Russland druckt in großer Auflage Bücher für den gesamten postsowjetischen Raum. Bei ukrainischen Büchern ist die Auflage klein und teuer. Auch Musik, Filme und Fernsehshows auf Russisch haben eine größere Reichweite.

Die ukrainischen Filmexperten nahmen Anstoß an der russischen TV-Serie „Die weiße Garde“ nach dem Roman von Michail Bulgakow, verfilmt 2012 von Sergej Sneschkin. Die Handlung spielt in Kiew in der Revolutionszeit nach dem Ersten Weltkrieg. Auch ein russischer Film von Gleb Orlow über den ukrainischen Meisterringer Iwan Poddubny (1871-1949) erregte Ärger.

Diese Filme „demonstrieren Herablassung gegenüber der Sprache, dem Volk und der Staatlichkeit der Ukraine“, erklärte die Kinoagentur. Einzelne Fakten der Historiendramen seien verfälscht oder zugunsten Russlands umgeschrieben worden. Beide Produktionen erhielten keine Lizenz für den Verleih in der Ukraine.

„Das ist eine eher politische Entscheidung“, sagte Sergej Melkumow, Produzent von „Die weiße Garde“, am Dienstag in Moskau. Der Film behandele Ukrainer und ihre Sprache nicht herablassend. „Wir haben den Film mit großer Verehrung für Bulgakow, für die Ukraine und für Kiew gemacht.“ Der Produzent von „Poddubny“, Leonid Wereschtschagin, sagte: „Es geht überhaupt nicht um Politik, sondern um einen großen Menschen, der in der Ukraine geboren wurde und ihr und Russland Ehre gemacht hat, weil er ein großer Ringer war.“ Durch das Verleihverbot in der Ukraine verliere der Film etwa ein Zehntel seiner Zuschauer.

Auf dem Buchmarkt der Ukraine stamme nur ein Fünftel der Bücher aus heimischer Produktion, sagte Sytsch. „Wir führen eine Lizensierung russischer Bücher und eine Quote für ausländische Bücher ein abhängig davon, wie viel Prozent der Marktanteil ukrainischer Bücher ausmacht.“ Wie hoch die Quote sein soll, sagte er nicht.

dpa

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