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Fotograf Mikhailov bekommt Kaiserring

Goslarer Kulturpreis Fotograf Mikhailov bekommt Kaiserring

Der ukrainische Fotograf und Künstler Boris Mikhailov erhält den Goslarer Kaiserring 2015. Die Preisjury würdigte den 76-Jährigen am Freitagabend in der Harzstadt als einen der „wichtigsten Chronisten der sowjetischen und postsowjetischen Gesellschaft“.

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Der ukrainische Fotograf und Künstler Boris Mikhailow erhlält den Kaiserring. Der undotierte Kulturpreis gilt als eine der weltweit bedeutendsten Auszeichnungen im Bereich der modernen Kunst.

Quelle: Tobias Kleinschmidt

Goslar. Der aus der Ukraine stammende Fotograf Boris Mikhailov wird mit dem Goslarer Kaiserring des Jahres 2015 ausgezeichnet. Das hat Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk am Freitag beim traditionellen Neujahrsempfang in der Goslarer Kaiserpfalz bekanntgegeben. Die Kaiserring-Jury begründete die Entscheidung damit, dass Mikhailov einer der „wichtigsten Chronisten der sowjetischen und postsowjetischen Gesellschaft“ sei.

Der Fotokünstler, der in Berlin und seiner ukrainischen Geburtsstadt Charkow lebt, gilt heute international als einer der angesehensten Vertreter zeitgenössischer Fotografie. International bekannt geworden ist der 76-Jährige, der im Jahr 2012 bereits durch den Spec-trum-Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen sowie eine große Werkschau im Sprengel Museum Hannover geehrt wurde, durch seine aufwühlenden Bilder von Obdachlosen in Charkow. „Vordergründig bedient er eine regimegetreue Ästhetik“, urteilt die Jury über seine frühen Arbeiten, „gleichzeitig wird sie subversiv unterlaufen und ironisch gebrochen.“

Glück im Sowjetwinkel – eine der Fotografien von Boris Mikhailov.

Glück im Sowjetwinkel – eine der Fotografien von Boris Mikhailov.

Quelle: Boris Mikhailov

Tatsächlich hat Mikhailov damit begonnen, die offizielle Bildwelt der sowjetischen Gesellschaft, die Geschichtsbilder von Helden im Sieg über den Faschismus, von Helden der Arbeit und des Sozialismus durch gänzlich unheroische Bilder des Alltags zu ergänzen. Seine Fotografie lotet die Kluften zwischen fortschrittlichem Pathos und spießiger Enge aus. Gegen Prüderie und Erstarrung setzt er dabei immer wieder seine eigene, tabulose Lebendigkeit.

Der Tabubruch bildet sogar den Anfang seiner professionellen Arbeit mit der Kamera. Denn begonnen hat der wegen seiner jüdischen Wurzeln ohnehin diskriminierte Mikhailov damit, nachdem er in den Sechzigerjahren seinen Job als Ingenieur verloren hat – wegen seiner Aktfotos von seiner Frau Vita. Gerade deshalb spielen Nacktheit und Sexualität in seiner Fotografie oft eine Rolle. Dabei wird der menschliche Körper in seinen Arbeiten weder denunziert noch idealisiert. Es sind Aufnahmen, die nicht unbedingt Schönheit zeigen, stets aber die Sehnsucht danach.
Für seine Arbeit hat Mikhailov bereits viele internationale Fotografiepreise erhalten, und er wurde durch zahlreiche Einzelausstellungen in Europa und den Vereinigten Staaten gewürdigt. Den Kaiserring soll er am 10. Oktober 2015 in Goslar entgegennehmen.

Stichwort Kaiserring

Der Goslarer Kaiserring gilt als einer der weltweit wichtigsten Preise für moderne Kunst. Er zeigt - eingraviert in Aquamarin - das Siegel von Kaiser Heinrich IV., der im Jahr 1050 in Goslar geboren wurde.
Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Max Ernst, Henry Moore, Gerhard Richter, Jenny Holzer, Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Christo, Jörg Immendorff, Rosemarie Trockel und zuletzt die Berliner Bildhauerin und Objektkünstlerin Wiebke Siem.
Der Ring wird als besondere Auszeichnung für zeitgenössische Künstler seit 1975 jährlich in der historischen Goslarer Kaiserpfalz verliehen. Für die Preisträger werden jeweils Unikate anfertigt.

 

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