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Unesco entscheidet über neue Weltkulturerbe-Anträge

Denkmäler Unesco entscheidet über neue Weltkulturerbe-Anträge

In sieben Bundesländern heißt es von Sonntag an Daumen drücken: Über vier Anträge könnten mehr als 30 Orte in Deutschland von der Unesco zum universellen Erbe der Menschheit erklärt werden. Doch die Anträge sind mangelhaft.

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Das Fagus-Werk in Alfeld ist Anwärter für die Weltkulturerbeliste der Unesco.

Quelle: dpa

Paris. Es wäre eine riesige Ehre, aber auch eine gewaltige Verpflichtung: Mehr als 30 Orte in ganz Deutschland hoffen in diesem Jahr auf Glanz durch einen der begehrten Unesco-Welterbetitel. Neben fünf alten Buchenwäldern und dem Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld stehen 24 Pfahlbauten rund um die Alpen auf der Kandidatenliste, über die in der kommenden Woche in Paris abgestimmt wird. Zudem könnten zwei 1927 entstandene Wohnhäuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung den Titel der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur erhalten. Sie gehören zum architektonischen und städtebaulichen Werk des französischen Architekten Le Corbusier.

Sicher hat die Auszeichnung allerdings keiner der Bewerber - im Gegenteil. Die in vier Anträgen zusammengefassten „Kandidaten“ müssen alle auf das Wohlwollen der 21 Unesco-Vertreter hoffen, die am Sonntag zu ihrer elftägigen Jahrestagung (19.-29. Juni) in Paris zusammenkommen. Gutachter haben zum Teil Kritik an den Anträgen geäußert.

„Nichts ist entschieden“, betont der Chef des Welterbezentrums, Kishore Rao, und verweist auch auf politische Überlegungen, die leider eine Rolle spielen könnten. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Kritik an der großen Zahl der Anträge aus Europa gegeben. Eigentlich darf ein Staat pro Jahr nur zwei Kandidaten bestimmen - davon ausgenommen sind allerdings länderübergreifende Bewerbungen wie für das Werk von Le Corbusier (1887-1965) und die Pfahlbauten.

Wenig Zweifel gibt es in Unesco-Kreisen nur am Erfolg der Fagus-Werk-Kandidatur. Die von dem Architekten Walter Gropius gemeinsam mit Adolf Meyer entworfene Schuhleistenfabrik gilt als Schlüsselbau der Moderne. Bis heute wird in dem lichtdurchfluteten Gebäude im südniedersächsischen Alfeld produziert.

Deutlich schwieriger dürfte es für die anderen drei deutschen Anträge werden. Die fünf als Naturerbe vorgeschlagenen Buchenwälder in Brandenburg, Thüringen, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern sollen nach Empfehlung von Unesco-Experten besser gemeinsam mit ähnlichen Wäldern in Bulgarien und Rumänien eingeschrieben werden - diese Länder haben allerdings noch gar keinen Antrag eingereicht. Auch für das Le-Corbusier-Werk und die Pfahlbauten gibt es keine uneingeschränkte Gutachterempfehlungen. „Für Deutschland wird es sehr schwierig. Nicht ist garantiert, aber nichts ist ausgeschlossen“, heißt es aus Unesco-Kreisen.

In den betroffenen Regionen gibt man sich deswegen vorsorglich entspannt. Sollte es nicht klappen mit der Naturerbeliste, wären die ganzen Anstrengungen nicht umsonst gewesen, betont man im Brandenburger Umweltministerium zum Buchenwald Grumsin bei Angermünde. Schon jetzt sei das Interesse bei Besuchern merklich gestiegen. „Wir haben hier eine einmalige Kombination von Gewässern, Wald und Mooren“, sagt Tilo Geisel vom Umweltministerium und verweist auf Stammgäste wie Kraniche und Schrei- und Fischadler.

Die Pfahlbauten in der Alpenregion wären aus Sicht des baden-württembergischen Landesamts für Denkmalpflege das erste archäologische Unterwasser-Denkmal auf der Unesco-Liste. Auch in Stuttgart hat man allerdings Erfahrungen damit, dass die Unesco-Entscheidungen lange auf sich wartenlassen können. Über die Le-Corbusier-Bewerbung beriet das Welterbekomitee bereits auf seiner Sitzung 2009 und wies sie zur Überarbeitung zurück. Ein ähnliches Schicksal könnte auch die Bewerbung mit den Fundstätten mit Siedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit ereilen.

Wenn es klappt mit den Welterbe-Titeln, wartet überall viel Arbeit - für Generationen. „Die größte Herausforderung ist es, den Wert der Welterbestätten für alle Zeit zu erhalten“, sagt die deutsche Welterbeexpertin und Unesco-Mitarbeiterin Mechtild Rössler. Egal in welchem Land.

dpa

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