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Kultur Unheilig und Dark Tenor spielen im Capitol
Nachrichten Kultur Unheilig und Dark Tenor spielen im Capitol
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00:19 21.05.2018
Unheilig & The Dark Tenor im Capitol. Quelle: Irving Villegas
Hannover

 Es ist schon kompliziert mit diesem Personalkarussell: Während der Graf, ehemals Sänger von Unheilig, 2016 zwar bei der Band aufgehört hatte, überwacht er doch noch die derzeitige Produktion eines von ihm geschriebenen Albums. Dieses wird allerdings nicht von ihm, sondern von der Sängerin Sotiria (ehemals: Eisblume) eingesungen, die wiederum bei einigen Konzerten – unter anderem auch im Capitol in Hannover – als erste der zwei Vorbands bei der derzeitigen Tournee von Unheilig auftritt. Bei Unheilig singen dann live allerdings weder Sotiria noch der Graf. Live-Sänger der Wahl ist der Dark Tenor, der für Konzerte nicht nur ein paar seiner Liedern sondern auch gleich mal seine Band mitbringt, so dass die Bühne mit zwei Schlagzeugen und einer Menge anderer Instrumente vollgepackt ist. Warum das so ist? „Ich hatte Bock drauf, meine Band hatte hatte Bock drauf“, verkündet der Dark Tenor, und damit ist das Thema erledigt. 

Unheilig & The Dark Tenor spielen im Capitol

Tatsächlich passen Sänger und Bands gut zusammen. Sowohl der Dark Tenor als auch Unheilig geben sich als Gothic-Band – der Dark Tenor trägt als Bühnenoutfit sogar eine Kette mit umgedrehtem Kreuz – fischen stilistisch allerdings eher am schwarzen Rand des Schlager herum. 2014 nahm Unheilig mit dem Song „Wir sind alle wie eins“ am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest Teil. Eben dieser Song ist auch Opener der Kollaborations-Show im Capitol und enthält die Textzeile: „Wir sind alle wie eins / unsere Freundschaft kann die Brücke sein“. 

„Wir nehmen euch mit auf einer Zeitreise“, meint der Dark Tenor, soll heißen: Nicht nur die größten Hits von Unheilig, sondern auch auch Dark-Tenor-Songs bieten die beiden Bands an dem Abend dar. Das Kitschmonster „Wild Horses“, beispielsweise (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Lied der Rolling Stones), aber auch Neuinterpretationen eines im Pathos ertränkten „Wicked Game“ und, als erster Song der Zugabe, die gute, alte „Ode an die Freude“, hier allerdings nur der erste Vers, der immer wiederholt wird. 

Stimmlich und musikalisch kann man weder dem Dark Tenor - der behauptet, als Kind im Knabenchor Hannover und im Dresdner Kreuzchor gesungen zu haben – noch der Mischung der beiden Bands einen Vorwurf machen. Der Dark Tenor pendelt sich hübsch zwischen Tenor und Countertenor durch die Songs, die Band spielt präzise dazu auf, das Publikum im nicht ganz ausverkauften Capitol klatscht und singt eifrig mit. Dennoch geht diese Kollaboration zwischen Unheilig und dem Dark Tenor nicht über das hinaus, was beide Bands auch alleine bieten und immer schon geboten haben: Billige Massenware vom Gothic-Grabbeltisch, die sich leicht schmierig in die Gehörgänge legt.

Von Jan Fischer

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