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Der greifbare Klang

Staatsoper Hannover Festival Klangbrücken Der greifbare Klang

Beim Festival Klangbrücken steht der Komponist Wolfgang Rihm im Zentrum: Mit neun Konzerten und einem wissenschaftlichen Symposium.

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Quelle: Staatsoper Hannover

Hannover. Im Frühjahr kooperieren traditionell die Staatsoper, die Hochschule für Musik, Theater und Medien, Musik 21 Niedersachsen und mehrere freie Musikinstitutionen, um ein opulentes Festivalprogramm zu ermöglichen, das fast ausschließlich von künstlerischen Kräften der Landeshauptstadt realisiert wird und den Fokus jeweils auf einen bedeutenden Komponisten der Moderne lenkt. Nach Bernd Alois Zimmermann, Olivier Messiaen und Mauricio Kagel steht diesmal Wolfgang Rihm im Zentrum, der in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag feiert.

Neun Konzerte und ein wissenschaftliches Symposium präsentieren das umfangreiche Schaffen Rihms, dessen Werke seit Beginn der 1970er-Jahre der zeitgenössischen Musik neue Wege eröffneten. Mit Rihms Kompositionen wurde eine musikalische Dimension rehabilitiert, die in der Nachkriegsavantgarde etwas diskreditiert war und lange vernachlässigt wurde: Musik als Ausdruck, als emotionale Sprache des Subjekts. Der neue Ton dieser Musik verletzte vor allem mit seiner unmittelbaren Emotionalität ein selbst auferlegtes Tabu der Avantgarde; er wirkte wie die Verunreinigung struktureller Autonomie, wie der Einbruch des Unreflektierten in das streng durchorganisierte Klangmaterial. Dabei ging es Rihm nicht um eine Restauration des romantischen Pathos, wie man ihm anfangs gelegentlich unterstellte, sondern um die „Greifbarkeit“ des Klanges, der selbst als physisches Objekt begriffen wurde.

Daraus resultiert die unmittelbare Wirkung von Rihms Musik, die niemanden unberührt lässt und die keiner theoretischen Erläuterungen bedarf. Im vorläufigen Rückblick erscheint das äußerst vielfältige Schaffen Rihms, das nahezu alle Gattungen vom Solostück bis zum groß dimensionierten Orchesterwerk, vom Lied bis zur abendfüllenden Oper umfasst, wie ein großes work in progress, das bei allen überraschenden Wendungen, die der Komponist vollzog, dennoch bestimmte Konstanten aufweist: das plastische Verständnis von Musik als physisch erlebbare Energie, als Prozess, als Fluss und ständige Verwandlung.

Das Klangbrücken-Festival lädt ein zu einem faszinierenden Streifzug durch das Werk dieses Komponisten, der sowohl mit seiner Musik als auch als Lehrer einer jüngeren Komponistengeneration das Musikleben der Gegenwart nachhaltig geprägt hat und immer noch prägt. Das 7. Sinfoniekonzert in der Staatsoper unter der Leitung von Emilio Pomàrico vereinigt vier Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen Rihms: Die zweisätzige 1. Symphonie, noch während Rihms Kompositionsstudium an der Musikhochschule Karlsruhe entstanden und 1984 in Hannover uraufgeführt, ist in ihrem schroffen Gestus noch stark von der Reihentechnik geprägt, zeigt aber andererseits auch die Auseinandersetzung mit der Sinfonik Karl Amadeus Hartmanns, dem das Werk gewidmet ist. Das hochvirtuose Cellokonzert „Styx und Lethe“, mit dem Solisten der Uraufführung Lucas Fels, ist ein energiegeladenes Werk, das die Konzertform einem permanenten Transformationsprozess unterwirft – Rihm spricht in diesem Zusammenhang von „unterschwelligen Flussformen“. Eine ganz andere Seite Rihms zeigen die drei Walzer, entstanden aus Gelegenheitskompositionen, die mit einem nostalgischen Seitenblick auf Strauß und Brahms das Modell des Walzers auf originelle und ironische Art umformen und neu beleben. Und in einem der neueren Werke, „Verwandlung 6“, schlägt Rihm sehr zarte Töne an und zieht den Hörer in einen mysteriösen Nebel sich ständig verwandelnder Formen, die aber nie feste Konturen erlangen.

Ein besonderes Erlebnis wird auch das Eröffnungskonzert mit dem Ensemble Schwerpunkt und dem Ensemble S im Kleinen Sendesaal des NDR sein, wo mit „Klangbeschreibung II (innere Grenze)“ ein Werk zur Aufführung kommt, in dessen räumlicher Anlage der Zuhörer zum Zeugen einer Art Ritual wird. Am gleichen Ort kommen einige Tage später mit dem Ensemble Oktoplus Rihms Kompositionsschüler zu Wort, unter ihnen als prominentester Jörg Widmann.

Das umfangreiche Programm, zu dem außerdem Liederabende und Kammerkonzerte zählen und das mit wichtigen Werken die verschiedenen Facetten von Rihms Schaffen zeigt, wird durch die Unterstützung zahlreicher Förderer und Partner ermöglicht. Klaus Angermann

Das Programm

Donnerstag, 20. April, 20 Uhr

NDR, Kleiner Sendesaal

Schwerpunkt:Rihm

Mobile Musik IV – Musik 21.3 im NDR

Rihm: „Sine nomine I“, Stück für Schlagzeugtrio, „Klangbeschreibung II (innere Grenze)“

Ensemble S/Ensemble Schwerpunkt

Freitag, 21. April, 19.30 Uhr

Neues Rathaus, Mosaiksaal

Klassik und Jazz im

Neuen Rathaus

Rihm: „Fremde Szene 2“

und Werke von Jörg Widmann, Robert Schumann und Theodor Kirchner

Klaviertrio Hannover

Sonnabend, 22. April, 19.30 Uhr

Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Richard-Jakoby-Saal

Rihm:Stimmen

Lieder von Wolfgang Rihm

A. Vegry, Y. Stenberg, M. Morr und Studierende des Instituts f. Kammermusik und Lied der HMTMH

Sonntag, 23. April, 17 Uhr und Montag, 24. April, 19.30 Uhr

Opernhaus

7. Sinfoniekonzert

Wolfgang Rihm: 1. Sinfonie, „Styx und Lethe“,

3 Walzer, „Verwandlung 6“

Solist: Lucas Fels (Violoncello)

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Dirigent: Emilio Pomàrico

Montag, 24. April, 14 Uhr

Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

Wie’s beliebt – Wolfgang Rihms Ästhetik der Freiheit und ihre Rezeption

Symposium der HMTMH

Mittwoch, 26. April, 20 Uhr

NDR, Kleiner Sendesaal

Wolfgang Rihm zum 65. Hommage an einen großen Lehrer

Werke von Benjamin Scheuer, David Philipp Hefti und Jörg Widmann; Ensemble Oktoplus

Donnerstag, 27. April, 19.30 Uhr

Künstlerhaus Hannover, Joseph-Joachim-Saal

Am Horizont

Rihm: „Fetzen“ Nr. 3 und 5, KNM Quartett Snezana Nesic, Akkordeon

Freitag, 28. April, 19.30 Uhr

Christuskirche

Nordstadt-KonzertRihm: Violinkonzert „Lichtes Spiel“

S. Païdassi, Violine; Kammerorchester Pro Artibus, H.-Chr. Eule, Dirigent

Sonnabend, 29. April, 20 Uhr

Ballhof Eins

musica assoluta. Mania

Rihm: „Chiffre II“, „Chiffre VI“, „9 kurze Walzer“

Jens Peter Maintz, Violoncello

musica assoluta, Th. Encke, Dirigent

Mehr zum Programm unter:

www.staatstheater-hannover.de/oper/klangbruecken; www.hmtm-hannover.de/de/veranstaltungen; www.musik21niedersachsen.de/programm

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