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"Die Energie muss rüberkommen"

"Urbanatix"-Show "Die Energie muss rüberkommen"

Mit großem Zirkus will die Wolfsburger Autostadt Lebensfreude ausstrahlen. Mit dabei: die Show „Urbanatix“. Christian Eggert ist Initiator des Formats. Im Interview spricht er über Wolfsburgs Industriekulisse und Biker, die über Rampen fliegen.

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Keine Glitzerkostüme, kein eingefrorenes Lächeln, stattdessen Tanz, Artistik und gelegentliche Flugeinlagen: „Urbanatix“.

Quelle: NYP Photography

Wolfsburg. Christian Eggert ist Geschäftsführer der Bochumer Agentur „Dacapo Kultur-offensiv!“ 2004 brachte er „Blue Balance“ im Theatro Centro in Oberhausen heraus, eine Konzeptshow mit Elementen des Varietés. Im Rahmen des Festivals „Ruhr.2010“ entwickelte er das Format „Urbanatix“, bei dem junge Akteure aus der Region mit den Stars der Artistenbranche auf die große Bühne der Jahrhunderthalle zusammen auftreten.

HAZ: „Urbanatix“, das ist ja ein ziemliches Durcheinander. Bei Ihnen machen Tänzer und Sänger mit, Artisten, Beatboxer, Jongleure und Radfahrer. Was passt eigentlich nicht zu Urbanatix?

Christian Eggert: Klassische Artisten im Glitzerkostüm, die erst drei, dann vier, dann fünf Keulen durch die Luft werfen und sich nach jedem Durchgang lächelnd ihren Applaus abholen, die würden nicht so gut zu uns passen. Wir sind eher auf der Suche nach modernen Spielarten der Bewegungskunst. Die Grundidee von „Urbanatix“ ist, dass man vieles, was man sonst nur auf der Straße sieht, zusammen mit Artisten auf die Bühne bringt.

Demnächst ist „Urbanatix“ beim Zirkusfestival in der Autostadt zu sehen. Normalerweise hat die Show ein Ensemble von 50 Personen. Wird das ganze Ensemble nach Wolfsburg reisen?

Ja. Auch da werden fast 50 Personen auf der Bühne sein. Es gibt bei uns sehr viele Ensembleszenen. Wenn man Parkour oder Biker zeigt, braucht man viele Artisten, die auf der Bühne sind. Bei den Tanzszenen ist das ähnlich. Was wir machen, ist ein Crossover aus verschiedenen Disziplinen, dafür braucht man viele Leute.

Sie rekrutieren ihre Artisten auch von der Straße.

Ja, etwa unsere Biker, die über Rampen fliegen, oder auch die Parkourkünstler. Das sind Leute, die das, was sie machen, aus vollem Herzen machen. Seit 25 Jahren inszeniere ich Shows. „Urbanatix“ habe ich für das Kulturhauptstadtjahr „Ruhr 2010“ zum ersten Mal auf die Bühne gebracht. Ich wollte, dass Menschen aus der Region auf der Bühne stehen und zeigen, was sie können. Das hat sich ganz erfolgreich entwickelt.

In den Street Arts scheint ja immer mal wieder etwas Neues zu entstehen – wie etwa Parkour. Geht dabei eigentlich auch mal etwas Altes verloren? Gehören die Breakdancer mit ihren Kopfrotationen vielleicht bald zum Alten Eisen?

Tanz ist so vielfältig, dass immer wieder Neues entsteht. Aber den Headspin wird es sicher weiter geben. Hip-Hop-Tänzer sind unglaublich kreativ und entwickeln immer wieder neue Spielarten, aber Old-School-Hip-Hop hat natürlich weiter seine Berechtigung. Es gibt immer neue Moves, aber das Alte bleibt bestehen.

Muss dabei alles eigentlich immer spektakulärer und artistischer werden?

Bei uns geht es nicht um das Höher, Schneller, Weiter. Wichtiger ist uns das Zusammenspiel künstlerischer und sportlicher Formen, die sonst nicht auf der Bühne zusammen zu erleben sind. Ich brauche nicht den weltbesten Biker, der den dreifachen Backflip springt und sich dabei in Lebensgefahr bringt. Wichtiger ist, dass die Energie rüberkommt.

Ist denn bei Ihrer Show schon mal etwas Schlimmes passiert?

Bei uns noch nie. Wir machen das seit sechs Jahren und schlimmeres als ein gebrochener Finger oder ein verstauchtes Sprunggelenk ist noch nicht vorgekommen.

„Urbanatix“, das sagt ja schon der Name, braucht die Großstadt. Passt die Show eigentlich in die Wolfsburger Autostadt am beschaulichen Mittellandkanal?

Unsere Show passt überall hin. Und die Industriekulisse im Hintergrund erinnert ja ohnehin ans Ruhrgebiet und an die Industriehallen, die wir hier bespielen.

Wie geht es weiter mit der Street Art? Es kann ja nicht immer spektakulärer werden.

Es gibt neue Verbindungen, neue interessante Mischungen. Und auch Artistenschulen verändern sich. Früher hat man dort Jonglieren oder Akrobatik am Trapez gelernt. Am Ende hat man die Schule mit einer fertigen Nummer verlassen, die man dann dreißig Jahre lang in den Varietés und Zirkussen der Welt gespielt hat. Das ist nicht mehr so. Inzwischen gibt es immer mehr Artisten, die nicht im Glitzerkostüm auftreten, sondern in Jeans und T-Shirt ihre Mischung aus Artistik und Hip-Hop präsentieren. Es findet eine große Individualisierung statt. Viele Künstler stehen heute nicht einfach nur auf der Bühne und zeigen irgendeine Nummer, sie zeigen auch sich selbst. Sie verkleiden sich immer weniger und wollen von sich, von ihrem Leben erzählen.

Beim Festival in der Autostadt ist „Urbanatix“ nur eine Show unter vielen. Fürchten Sie die Konkurrenz?

Nein, gar nicht. Ich finde das alles sehr spannend. Und ich finde auch, dass da eine tolle Auswahl von ganz unterschiedlichen modernen Zirkusproduktionen zu sehen sein wird. Das wird für das Publikum sehr spannend sein. Angst vor Konkurrenz habe ich nicht, denn das was wir machen, ist ja einzigartig.

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