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Kultur VGH zeigt Kunstwerke von Fabian Lehnert
Nachrichten Kultur VGH zeigt Kunstwerke von Fabian Lehnert
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06:14 02.03.2018
Neues Werk, alte Aura:  „Die Überfahrt“ von Fabian Lehnert.  Quelle: VGH-Galerie
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Hannover

 Ein doppeltes Déjà-vu kann jetzt erleben, wer oft Gast der VGH-Galerie ist. Denn dort werden wieder Werke von Fabian Lehnert gezeigt, keine zwei Jahre nach seiner ersten Ausstellung am selben Ort. Und die so minutiös wirkenden Tier- und Pflanzengrafiken des Leipziger Künstlers glaubt man überdies irgendwie schon aus naturkundlichen Folianten des 19. Jahrhunderts zu kennen, so sehr scheinen sie aus der Zeit gefallen. Dabei stammen sie durchweg aus dem 21. Jahrhundert, sind also ganz gegenwärtig.  

Einige Säulen- und Wandbemalungen im Foyer der Versicherungszentrale hat der Künstler sogar erst eigens angefertigt – genau wie zuvor für die Ausstellung „Mola Mola“ im Sommer 2016. Die hat die Mitarbeiter der Versicherung so sehr begeistert, dass sie für eine weitere Schau dieses Künstlers plädiert haben. 

„Rückblick und Ausblick“ ist der Titel der neuen Ausstellung, der schon ahnen lässt, dass es dabei um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geht. Und das wiederum in mehrfachem Sinne. Einerseits erinnert Lehnert mit seinen auch handwerklich ebenso gediegenen wie traditionellen Radierungen und Linolschnitten an die akribischen Anfänge der Naturwissenschaft. Andererseits setzt er dabei eigene Naturregeln, lässt in „Arbol de la Tortuga“ (2015) einen Baum auf einer Schildkröte sprießen, einen „Blättermann“ (2017) aus dem Boden wachsen, zeigt in seinem Linolschnitt „Die Überfahrt“ gar eine komplette Verkehrung der Verhältnisse zwischen Mensch und Tier: Da bevölkert teils auch schlicht erdachte Tierwelt ein Galeerendeck, unter dem Menschenarme herausragen, die für Vortrieb sorgen: Science Fiction á la Lehnert. 

Dass diese Wissenschaftsfiktionen gleichwohl altväterlich anmuten liegt außer an den ungewöhnlichen Formaten – vom kleinen Rechteck bis zum wandgroßen, teils auch kreisrunden oder halbkreisförmigen Panoptikum - , die Lehnert auf meist kreisrunden und teils auch angeschnittenen Kreisen auf textilem Untergrund ausführt. Und gleich, ob er Leinen oder Baumwolle als Zeichengrund verwendet – auch der Stoff trägt zur Aura des Althergebrachten seiner Arbeiten bei.

Um Rück- und Ausblick geht es auch für die Galerie selbst. VGH-Vorstand Hermann Kasten erinnert im knapp 90-seitigen Katalog zu der Ausstellung daran, dass es in der zehnjährigen Geschichte der Galerie 37 Ausstellungen gab, darunter allein zehn Präsentationen des VGH-Fotopreises – und deutet an, dass es von 2019 weitere Aktivitäten geben soll. Im großzügigen Foyer der Versicherung solle weiterhin Kunst und Fotografie gezeigt werden, es solle aber auch „ein Ort der Begegnung und des Dialogs“ sein. „Aus der VGH-Galerie, erklärt Kasten, „wird der VGH-Freiraum.“ Dessen Konturen, so ist zu hören, sind freilich noch nicht so klar abgezirkelt wie die Werke von Fabian Lehnert. 

„Fabian Lehnert: Rückblick und Ausblick“. Bis 31. Mai in der VGH-Galerie, Schiffgraben 4.

Von Daniel Alexander Schacht

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