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VW-Werk in Stöcken wird zur Konzerthalle

Kunstfestspiele Herrenhausen VW-Werk in Stöcken wird zur Konzerthalle

So etwas hat es in 60 Jahren Transporterproduktion bei VW-Nutzfahrzeuge in Stöcken noch nie gegeben: ein Konzert im Werk. Bei den Kunstfestspielen Herrenhausen soll es soweit sein. Ingo Metzmacher, Intendant der Kunstfestspiele, wird im VW-Werk am Sonntag, 21. Mai, "Surrogate Cities" von Heiner Goebbels dirigieren.

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Ingo Metzmacher dirigiert im Mai im VW-Werk in Stöcken.

Quelle: dpa/Meyer-Arlt/Montage

Hannover. So etwas hat es in 60 Jahren Transporterproduktion bei VW-Nutzfahrzeuge in Stöcken noch nie gegeben: ein Konzert im Werk. Bei den Kunstfestspielen Herrenhausen, die im kommenden Jahr vom 5. bis zum 21. Mai stattfinden werden, soll es soweit sein. Ingo Metzmacher, Intendant der Kunstfestspiele, wird im VW-Werk zum Abschluss des Festivals am Sonntag, 21. Mai, „Surrogate Cities“ von Heiner Goebbels dirigieren.

Das Konzert findet im „Gleisfeld“ des Werkes statt, dort, wo die Züge ankommen und Material sowie Bauteile für die Transporterproduktion anliefern. Drei Züge und etwa 30 LKW kommen dort jeden Tag an; für die Dauer der Aufführung (und der Generalprobe) wird die Anlieferung im „Gleisfeld“ unterbrochen – eine Menge Arbeit für die VW-Logistiker. Doch damit haben sie schon Erfahrung, denn in der Halle finden auch die Betriebsversammlungen für die 13000 Mitarbeiter des Werkes statt. Sitzplätze für 5000 Beschäftigte stehen hier zur Verfügung.

Beim Gastspiel der Kunstfestspiele im VW-Werk werden nur 1500 Zuhörer anwesend sein. Der Grund: Das Orchester (etwa 100 Mitwirkende) braucht eine Menge Platz, denn der Komponist Goebbels achtet stets darauf, dass bei der Aufführung seiner Arbeiten, jeder Musiker nicht nur gut hörbar, sondern auch gut sichtbar ist.

Ingo Metzmacher am Donnerstag im VW-Werk in Stöcken.

Ingo Metzmacher am Donnerstag im VW-Werk in Stöcken.

Quelle: Meyer-Arlt

„Surrogate Cities“ wird vom Ensemble Modern Orchestra gespielt, auftreten werden auch die Sängerin Jocelyn B. Smith und der Rezitator David Moss. In dem Zyklus „Surrogate Cities“, der 1994 uraufgeführt wurde, hat Heiner Goebbels Texte von Paul Auster, Heiner Müller und Hugo Hamilton verarbeitet – das Werk ist schnell, ruppig, laut, vielschichtig, poetisch – eine musikalische Annäherung an die Erfahrung von Urbanität.

Vorverkauf startet Freitag

Für dieses Werk hat Ingo Metzmacher in Hannover lange nach einem Aufführungsort mit industriellem Charme gesucht. Oberbürgermeister Stefan Schostok hat dann die Verbindung zu Volkswagen Nutzfahrzeuge hergestellt. Eckhard Scholz, der Vorsitzende des Markenvorstands, hat sich schnell dafür entschieden, die Produktionshalle für die Kunstfestspiele zu öffnen und „Surrogate Cities“ im Werk aufführen zu lassen. „Wir machen das, weil wir uns als Teil der Stadt fühlen“, sagte er gestern bei der Vorstellung der Konzertpläne.
„Surrogate Cities“ wird der Abschluss der Kunstfestspiele sein. Der Vorverkauf für dieses Konzert beginnt am Freitag. Das Gesamtprogramm der Festspiele wird erst im Januar präsentiert – dieser Coup mit VW-Nutzfahrzeuge lässt vermuten, dass es eine spannende, stark an zeitgenössischer Musik orientiere Festspielausgabe werden dürfte.

Auch bei den Kunstfestspielen dieses Jahres, den ersten, die er als Intendant geleitet hat, hat Ingo Metzmacher ein besonders großes, viel Aufmerksamkeit auf sich ziehendes Projekt ins Programm genommen: die Aufführung von Arnold Schönbergs „Gurre-Liedern“ mit 500 Mitwirkenden im Kuppelsaal.

„Akustik wird überbewertet.“

„Surrogate Cities“ dürfte auf andere Weise anspruchsvoll werden. Viel Technik ist für diese Produktion nötig, weil jedes Instrument einzeln elektronisch verstärkt wir, außerdem werden Klänge wie Geräusche von Städten oder Gesänge von Rabbinern eingespielt. Die Proben für das Konzert finden in einer anderen Halle statt, es bleiben 48 Stunden, um alles aufzubauen und dann zur Generalprobe und zur Aufführung zu bringen. Das ist sportlich, aber machbar. „Ich bin jemand, der gern Risiken eingeht“, sagt Ingo Metzmacher. Die Akustik in der Industriehalle findet er „nicht so ganz einfach“, aber elektronisch werde man sicher Einiges ausrichten können. Außerdem ist er der Meinung: „Akustik wird überbewertet.“

Seiner Meinung nach passt der Aufführungsort in der Produktionshalle sehr gut zu Goebbels’ Werk mit seinen akustischen Stadtbildern: „VW-Nutzfahrzeuge ist ja auch so etwas wie eine Stadt in der Stadt.“     

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