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"Victoria" räumt alle wichtigen Preise ab

Sechs Lolas für Kino-Experiment "Victoria" räumt alle wichtigen Preise ab

"Victoria" räumt bei der Lola-Verleihung alle wichtigen Preise ab. Enttäuschung dagegen bei den Machern des Hitler-Attentat-Dramas "Elser". Und Jan Josef Liefers stiehlt allen die Show – als singender Hotdog. 

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Freuen sich über sechs Lolas für "Victoria" (von links): Die Schauspieler Laia Costa, Frederick Lau und Filmemacher Sebastian Schipper.

Quelle: dpa

Berlin. Die Goldene Lola für ein gewagtes Kino-Experiment. Der 140 Minuten lange, ohne einen einzigen Schnitt gedrehte Echtzeit-Thriller "Victoria" hat die Auszeichnung für den besten Film gewonnen - und räumte bei der Verleihung des 65. Deutschen Filmpreises am Freitagabend weitere fünf Lolas ab. Die "Victoria"-Darsteller Frederick Lau (25) und Laia Costa (30) wurden als beste Schauspieler geehrt und waren vor Freude ganz aus dem Häuschen. "Verbrechen lohnt sich", meinte "Victoria"-Regisseur Sebastian Schipper in Anspielung auf den Bankraub, in dem sein wilder filmischer Ritt durch die Berliner Nacht endet. Auch für Regie, Filmmusik und Kamera heimste sein Film Preise ein.

Lange Gesichter gab es bei den Machern von "Elser - Er hätte die Welt verändert". Oliver Hirschbiegels Film über den Hitler-Attentäter Georg Elser war ebenso wie "Victoria" siebenfach nominiert - ging am Ende aber gänzlich leer aus. Zu den Stars des Abends gehörte dagegen Gala-Moderator Jan Josef Liefers, der sich als verkleideter, singender Hotdog zum Würstchen machte.

Gleich zweimal - zu Beginn und zum Ende der für das Fernsehen aufgezeichneten Gala - legte Liefers den kuriosen selben Auftritt hin. Dabei beklagte er sich spaßeshalber, er habe nach seiner letzten Filmpreis-Moderation nur noch einen Job als Werbefigur für einen Hotdog-Laden bekommen. Grund der Wiederholung vor 1800 Gala-Gästen: Beim ersten Hotdog-Auftritt habe für die TV-Ausstrahlung noch nicht alles richtig gestimmt, hieß es.

Einer, dessen Filme in der Vergangenheit von der Deutschen Filmakademie ignoriert wurden und der seine Arbeiten zuletzt gar nicht mehr eingereicht hatte, kam bei der Lola erstmals zu Ehren. Und der sonst so coole Til Schweiger gab zu, echt aufgeregt zu sein, als er für seine Alzheimer-Tragikomödie "Honig im Kopf" den undotierten Preis für den "besucherstärksten Film" entgegen nahm. "Das fühlt sich gut an, nach so unendlich vielen Jahren wieder hier zu sein."

In seiner Rede sprach er nach vielen Danksagungen auch direkt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) an, die zuletzt beklagt hatte, es gebe zu wenig mutige Regisseure wie früher Werner Herzog oder Volker Schlöndorff. Sie solle sich doch mal vorstellen, so Schweiger, wenn den Politikern von heute pauschal vorgeworfen würde, sie seien heute auch nicht mehr so mutig wie Wehner oder Strauß oder Brandt damals. Deutschland habe viele mutige Filmemacher, sagte Schweiger - und erntete stürmischen Applaus.

Knapp sieben Millionen Kinogänger sahen "Honig im Kopf" mit Dieter Hallervorden in der Hauptrolle. Der gerade gestartete Gewinnerfilm "Victoria" hat bislang erst 37 000 Zuschauer. Bereits bei der diesjährigen Berlinale galt das Drama als heimlicher Favorit - musste sich bei der Bären-Verleihung dann allerdings mit dem Kamera-Preis begnügen. Schipper hatte mit seinem Erstling "Absolute Giganten" vor 15 Jahren schon eine Silberne Lola geholt. Auch Frederick Lau ist kein Lola-Neuling. Er erhielt die Auszeichnung 2008 für seine Rolle in "Die Welle".

Über die Silber-Lola in der Kategorie Bester Film für Edward Bergers "Jack" freute sich besonders der famose Kinder-Darsteller Ivo Pietzcker. Auch die Jungs aus der Komödie "Rico, Oskar und die Tieferschatten" von Neele Leana Vollmar wurden auf die Bühne geholt. Der Film über den "tiefbegabten" Rico (gespielt von Anton Petzold) und seinen hochbegabten Freund Oskar (Juri Winkler) gewann in der Kategorie Bester Kinderfilm.

Sehr gerührt waren die Lola-Gewinner in der Kategorie Beste Nebendarsteller: Nina Kunzendorf wurde für ihre Rolle in dem Nachkriegs-Drama "Phoenix" geehrt und dankte ihrer Mitspielerin, der nicht anwesenden Nina Hoss: "Mit dir zu spielen war noch schöner, als ich mir vorgestellt habe." Der Schweizer Joel Basman nahm die Trophäe für seine furiose Rolle in dem Drama "Wir sind jung. Wir sind stark." über die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992 entgegen.

Und die längste Liste von Menschen, denen sie für die Zusammenarbeit danken wollte, hatte wohl die Ehrenpreisträgerin. Die 71-jährige Kostümbildnerin Barbara Baum, die Schauspieler in Filmen wie "Die Ehe der Maria Braun" und "Aimée und Jaguar" einkleidete, nahm unter großem Beifall die Lola für ihr Lebenswerk entgegen.

dpa

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