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Vom Staub der Kunstgeschichte befreit

Videoinstallation "Manifesto" im Sprengel-Museum Vom Staub der Kunstgeschichte befreit

Julian Rosefeldt erklärt im Gespräch seine spektakuläre Videoinstallation "Manifesto" mit Cate Blnachett, die im Sprengel-Museum in Hannover zu sehen ist.

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„Zündende Ideen“: Reinhard Spieler über Julian Rosefeldt (rechts).

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Große Kunst kann aus kleinen Impulsen hervorgehen. Im Fall von Julian Rosefeldts spektakulärem Videokunstwerk „Manifesto“ war unter anderem ein Büchlein von 12,9 mal 19,9 Zentimetern ein solcher Impulsgeber. „Wirklich faszinierend, sollte man haben, passt auf jedes Klo“, sagt Rosefeldt über „100 Artist’s Manifestos“ (Penguin, 496 Seiten, ab 13,95 Euro). „Ich bin diesem Buch bei Arbeiten für meine Luis-Buñuel-Hommage ,Deep Gold’ begegnet - und es hat mich nicht mehr losgelassen.“

Die Folgen dieser Faszination sind demnächst im Sprengel-Museum zu besichtigen, wo die 13-Kanal-Videoinstallation „Manifesto“ am Wochenende im Rahmen der Großausstellung „130 % Sprengel“ startet. Über die Motive für diese künstlerische Anstrengung hat Rosefeldt jetzt vorm Museumsfreundeskreis mit dessen Vorsitzendem Stefan Becker und mit Museumschef Reinhard Spieler gesprochen.

„Ich war fasziniert vom Aufbruchspathos dieser Manifeste von fast durchweg jungen und meist männlichen Autoren, die da, durchaus testosterongesteuert, Position beziehen - und das meist zu einer Zeit, da sie völlig unbekannt waren und ihr Werk oft noch nicht einmal existierte“, schwärmt Rosefeldt. „Es sind ganz großartige Texte von hoher literarischer Qualität - schon bei der Lektüre dachte ich: Das muss gespielt und nicht nur gelesen werden.“ Und weil Rosefeldt die Texte für dieses Spiel nicht einfach aneinanderreiht, sondern sie zu „Metamanifesten“ neu collagiert und in Szenen fern aller kunstakademischen Zirkel präsentiert, wirken sie frisch und direkt. „Es ging mir darum, die Manifeste von ihrem kunsthistorischen Kontext zu lösen und sie so neu erfahrbar zu machen.“

Das Sprengel Musem präsentiert die Ausstellung Manifesto des Berliner Künstlers Julian Rosefeldt. Darin werden 13 Filme parallel gezeigt. Er bringt damit Kunstmanifeste auf die Leinwand - dargestellt von der Schauspielerin Cate Blanchett. Die Ausstellung ist vom 5. Juni bis zum 29. Januar 2017 geöffnet.

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Zwar führt diese Befreiung vom Staub der Kunstgeschichte nicht zu einer Spielhandlung im konventionellen Sinn. „Aber in den geschilderten Situationen sollten die Aufbruchsstimmung, die Energie und der Enthusiasmus der ursprünglichen Manifeste doch sinnlich spürbar werden.“

Ein sinnliches Erlebnis ist es darüber hinaus, den Star zu erleben, den Rosefeldt für die Mitarbeit an diesem Projekt gewonnen hat: Cate Blanchett demonstriert hier souverän, wie wandlungsfähig Schauspieler sein können. Und in einer Szene, in der Reinhard Spieler eine kleine Sprechrolle hat, strahlt ihr Glanz - irgendwo zwischen Mitleid und Erstaunen - auch auf ab. „Oh, back from Hanover“, begrüßt sie ihn, und dann gibt es Wangenküsschen für den Museumschef.

„,Manifesto’ passt sehr gut zur Sammlungsschau des Sprengel-Museums, denn da geht es ja um die Impulse für die Kunst des 20. Jahrhunderts“, sagt Spieler, der Rosefeldt „zündende Ideen“ bescheinigt. „Gleich neben seinem Werk kann man sich - vom Surrealismus über Dadaismus und Futurismus bis zum Kosmos Schwitters - die Werke anschauen, die durch solche Impulse entstanden sind.“

Und wie bekommt man solch ein Werk mit Cate Blanchett als Star für eine halbe Million Euro hin?, will Stefan Becker noch wissen. „Nun, Cate hat auf jede Gage verzichtet - und ansonsten ist das eine Mischung aus Selbstausbeutung und Beschneidung der Produktionszeit.“ Obwohl Cate Blanchett 13 Rollen und an 30 Drehorten spielt, gab es mit ihr nur elf Drehtage.

Deutlich mehr Zeit als die insgesamt gut 130 Filmminuten nehmen sich übrigens Besucher seiner Installation, berichtet Rosefeldt über Erfahrungen aus Berlin, wo „Manifesto“ seit Februar im Hamburger Bahnhof läuft. „Die meisten schauen sich das zweieinhalb bis drei Stunden lang an.“ „Manifesto“ bietet offenbar reichlich Gedankenfutter. Und das überdies ganz genussvoll.

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