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09:34 23.04.2015
Mächtiges Team: Captain America (Chris Evans) und Thor (Chris Hemsworth). Quelle: Walt Disney
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Es ist mal wieder so weit. Der Untergang der Welt ist nah. Das Ende der Menschheit scheint unabwendbar. Superhelden sind gefragt. Nicht ein, zwei, sondern viele müssen es sein, um den Maschinenmenschen aufzuhalten. Okay, so richtig originell ist der Plot von „Avengers – Age of Ultron“ nicht. Aber es sind ja auch nicht die originellen Ideen, die das Publikum ins Kino treiben, sondern die Variationen des Altbekannten. Und auf dem Gebiet des kreativen Wertstoff-recyclings hat der Comicverlag Marvel Pionierarbeit geleistet.

Marvel hat mit „Spider-Man“, „X-Men“, „Iron Man“, „Thor“, „Hulk“ und anderen Helden die Verblockbusterung seines Fundus vorangetrieben. Der Konzern spricht ganz unbescheiden vom „Marvel-Universum“. Die „Avengers“-Filme sind ein Kick der Superlative, hier geben sich die gewinnträchtigen Superhelden ein Stelldichein. In Joss Whedons zweitem Klassentreffen „Avengers – Age of Ultron“ wird aber deutlich, dass das Konzept „Viel hilft viel“ nur bedingt funktioniert.
Die Helden reisen in ein fiktives osteuropäisches Land, wo Finsterlinge Ungeheuerliches vorbereiten. Die Bösewichte haben „die Zwillinge“ unter Vertrag genommen, die dank ihrer übernatürlichen Fähigkeiten dem Heldenkollektiv das Siegerleben schwer machen. Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) etwa verfügt über telepathische Fähigkeiten und loggt sich in die Psychen der Avengers ein. Fortan zeigt ein Teil der Belegschaft Burn-out-Symptome.

Eigentlich keine schlechte Idee, die Superhelden auf die Therapeutencouch zu legen. Aber Whedon hat kein Gespür für das selbstironische Kapital des Psychokrisen-Szenarios und schickt seine angeschlagenen Protagonisten gleich wieder in die Schlacht. Die Rettung der Welt duldet keine Krankschreibungen.

Ohnehin kommt der Humor in „Age of Ultron“ zu kurz. Bald verliert sich die Angelegenheit im digitalen Getümmel gegen Heerscharen von Maschinenmenschen, wie sie schon zigmal auf der Leinwand randalierten. Immerhin wird eine ganze Stadt aus dem Erdreich gerissen und in der Luft zum Schweben gebracht, was cool aussieht.

Mit Kenneth Branaghs „Thor“, „Iron Man 3“ und „Return of the First Avenger“ hat Marvel bewiesen, dass innerhalb des Comicformats viel kreativer Spielraum für zeitgeschichtliche Verweise und ein gerüttelt Maß an Selbstironie besteht. Von alledem ist in dem lieblos zusammengeschütteten Potpourri von „Age of Ultron“ nichts zu spüren. Hier wurde die Gelddruckmaschine angeworfen. Es steht zu befürchten, dass sich das Prinzip „maximaler Profit bei minimaler Originalität“ auszahlt.

Avengers – Age of Ultron, Regie: Joss Whedon, 141 Minuten, FSK 12 Astor, Cinemaxx, Cinemotion, Cinestar

Von Martin Schwickert

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