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Ausstellung Eilige Drucksachen

Was Medien können: In den Hamburger Deichtorhallen zeigt die Ausstellung "Visual Leader" die besten Fotos aus Zeitungen, Zeitschriften und dem Internet.

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Baden im großen Fang: Corey Arnolds Foto (links) erschien in „Dummy“ und „Mare“.

Quelle: Corey Arnold

Hamburg. Ist es Zuneigung? Trauer? Oder einfach nur Erschöpfung? Auf einem Schiffsdeck liegt ein junger Mann, die Augen geschlossen, in seinen Armen hält er einen großen Fisch. Vertraut, fast zärtlich sieht das aus - und erst mit etwas Verspätung erkennt der Betrachter die Blutlache, in der Mann und Tier liegen. Dies ist eines der Bilder aus Corey Arnolds Fotoreportage „Ein großer Fang“, die in den Magazinen „Dummy“ und „Mare“ erschienen ist. Arnolds Aufnahmen zählen, so urteilt die Jury der sogenannten Lead Awards, zu den besten Reportagefotos des Jahres. In dieser Kategorie sind die Bilder des Mittdreißigers für einen der Lead Awards nominiert - und jetzt in den Hamburger Deichtorhallen ausgestellt.

Arnold, der im US-Bundesstaat Oregon lebt, hat mehrere Jahre als Hochseefischer gearbeitet. Auf seinen Bildern sieht man viele Männer in orangefarbener Plastikkluft; die knallige Farbe wirkt auf den Betrachter fast wie eine Dosis Koffein: Plötzlich ist man hellwach.

Ein paar Meter weiter sind kleine Schwarz-Weiß-Fotos ausgestellt, die zuerst irritierend unspektakulär wirken. Erst nach und nach sieht man, dass Fotograf Kohei Yoshiyuki für seine Reihe „Dunkle Angelegenheit“ Spanner fotografiert hat, die Liebespaare beim Sex beobachten. Auch diese Fotoserie, die bereits in den siebziger Jahren entstand, ist vor Kurzem in „Dummy“ erschienen.

Die Bandbreite der Ausstellung, die Hunderte von Fotos aus Zeitungen und Zeitschriften zeigt, ist immens. In 18 Kategorien hat eine Jury unter Vorsitz von Markus Peichl, Chef der Lead Academy, das „Beste aus Zeitschriften, Zeitungen und dem Internet“ - so der Untertitel der Schau - für einen der Lead Awards nominiert. Mitte September werden die Preise, mit denen die Medienbranche sich selber feiert, vergeben.

Die Fülle in den Deichtorhallen beglückt und erschöpft den Betrachter gleichermaßen. Man erfreut sich an Reto Caduffs Porträtreihe „Guter Punkt“ über Menschen mit Sommersprossen. Man ist gerührt und auch schockiert von Esther Friedmans Serie „Der Pop der frühen Jahre“. Auf den Bildern, die zwischen 1976 und 1983 entstanden, hat Friedman ihren damaligen Freund Iggy Pop fotografiert: Unfassbar, wie jung und attraktiv dieser Mann mal war. Und man fühlt sich zunehmend unbehaglich bei den Bildern von Eva Leitolf. Die Fotografin, deren Ausstellung „Postcards from Europe“ noch bis zum 4. August im hannoverschen Sprengel Museum zu sehen ist, hat griechische Strände fotografiert. Harmlos-mediterran wirken die Aufnahmen; doch sobald man gelesen hat, dass sich an diesen Orten Menschen umgebracht haben, erscheinen die Strandbilder in einem ganz anderen Licht.

Eine „Standortbestimmung der kreativen Branche“ sei diese Ausstellung, sagt Deichtorhallen-Kurator Ingo Taubhorn. „Es ist das Hotteste, was wir in unseren Hallen in diesem Jahr zeigen.“ Zum mittlerweile elften Mal ist die Visual-Leader-Schau in den Hallen zu sehen. 2013, sagt Academy-Chef Peichl, sei die Auswahl besonders schwierig gewesen - weil extrem viele gute Arbeiten zur Auswahl standen. Die Krise der Printmedien und der Druck in der Werbebranche hätten nicht zur Lähmung, sondern zu einer besonders ausgeprägten Kreativität geführt.

Die Ausstellung spiegelt jedoch nicht nur diese Kreativität, sondern auch die Veränderungen der Branche. Denn prämiert werden nicht nur außergewöhnliche Bilder und besonders gelungene Zeitungsseiten, sondern auch die besten Internetmagazine und Onlineauftritte von Zeitungen. Erstmals wird in diesem Jahr ein Award für Tablet-Magazine vergeben.

Auch wenn es um Werbekampagnen geht, ist es längst nicht mehr nur mit einem möglichst überraschenden Hochglanzfoto getan. In Hamburg sieht man vor allem Werbung, die mit klassischen Anzeigen, TV-Spots und Aktionen im Internet arbeitet. „Es geht uns um die Idee, die ein kommunikatives Ereignis sein muss“, sagt Peichl im besten Werbersprech. Als solch ein Ereignis wertete die Jury etwa die Werbung des Baumarkts Hornbach: Dessen Kampagnen „Keiner spürt es so wie Du“ und „Der Hornbach-Hammer“ sind als „Kampagne des Jahres“ nominiert.

Klar, bei der Ausstellung sieht man vor allem Seiten aus hippen Magazinen und aus Zeitschriften wie „11 Freunde“, „Monopol“ und „Beef“. Doch gleich sieben Ausgaben des Blatts „Closer“, das sich der Berichterstattung über B- und C-Promis verschrieben hat, hängen in den Deichtorhallen. Jede Ausgabe ziert ein Foto des Millionärs-Ehepaars Geissen, das seit Jahren in einer RTL-II-Doku-Soap erfolgreich seinen Neureichenluxus ausstellt.

Die quietschbunten „Closer“-Ausgaben sind nominiert in der Kategorie „Cover des Jahres“. Das ist die wohl größte Überraschung der Ausstellung.

„Visual Leader 2013“: bis 13. Oktober in den Hamburger Deichtorhallen. Infos unter www.deichtorhallen.de.

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