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13:34 28.09.2016
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Hannover

Die Theaterstücke der 31-jährigen Sasha Marianna Salzmann sind gefragt. Für „Weißbrotmusik“ erhielt sie 2009 den Exil-DramatikerInnenpreis der Wiener Wortstaetten, für „Muttermale Fenster Blau“ 2012 den Kleist-Förderpreis und für „Muttersprache Mameloschn“ 2013 den Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen. Im April 2015 wurde ihr Stück „Meteoriten“ am Berliner Maxim Gorki Theater erfolgreich uraufgeführt - nun steht am 20. Oktober in Hannover schon die nächste Uraufführung an: „Die Aristokraten“.

Das Multitalent - Salzmann ist Essayistin, Kuratorin, Redakteurin und Dramaturgin - arbeitet seit drei Jahren als Hausautorin und künstlerische Leiterin des Studios am Berliner Gorki ( ist der letzte Buchstabe im kyrillischen Alphabet und zugleich das russische Wort für „ich“). Zusammen mit Maxi Obexer gründete sie 2015 das Neue Institut für Dramatisches Schreiben. Sie leitet eine Literaturwerkstatt und war 2016 Mitinitiatorin von „Desintegration, ein Kongress zeitgenössischer jüdischer Positionen“.

Die Themen ihrer Theaterstücke findet sie im politischen Alltag, in der eigenen wechselvollen Biografie und ihren jüdischen Wurzeln. Geboren 1985 in Wolgograd, lebte sie bis zu ihrem zehnten Lebensjahr in Moskau. Dann reiste ihre Familie in die Bundesrepublik aus und fand nach einer Odyssee in Flüchtlingsunterkünften die erste eigene Wohnung ausgerechnet in Bad Nenndorf westlich von Hannover, „bekannt für Neonazi-Aufmärsche und Schmierereien auf jüdischen Grabsteinen“, so Salzmann in einem Interview.

Die jüdische Herkunft spielte für die Heranwachsende kulturell eine große Rolle. Ihrer Mutter verdanke sie es, so Salzmann, dass sie viel lesen, Ballettunterricht nehmen und Klavierspielen lernen konnte. Die Leidenschaft für das Theater und das Schreiben aber hat in ihr die Regisseurin, Dramaturgin und Theaterpädagogin Barbara Kantel entfacht. Bei ihr absolvierte die 14-jährige Marianna ein Praktikum in der Theaterpädagogik des Schauspiel Hannover. Die von Kantel zu jener Zeit organisierte „Skriptfabrik“ sollte junge Leute für das szenische Schreiben begeistern. Eine Jury wählte die besten Texte aus, die vom Jugendclub des Theaters im Ballhof Zwei aufgeführt wurden. Salzmanns Texte gehörten schon bald regelmäßig zu den prämierten Arbeiten. „Barbara Kantel hat mich wortwörtlich von der Straße ins Theater geholt. Ich war Schulabbrecherin und wusste nicht, was ich wollte, wusste ungefähr: Theater! Barbara hat mich reingeholt, mich gefördert und an mich geglaubt, hat mich allen Menschen vorgestellt, mit denen ich auch heute noch arbeite.“ Dazu gehören unter anderem die Regisseure Sebastian Nübling und Nurkan Erpulat.

Unvergessen bleibt beiden Frauen die Arbeit an „Quizoola“ von Forst Entertainment, einem Stück, das nur aus Fragen besteht, deren Antworten sich erst bei der allmählichen „Verfertigung“ der Vorstellung ergeben. Marianna war Regieassistentin dieser Jugendclubproduktion. Sie schenkte Barbara Kantel zum Abschied ein Käppi, auf dem stand: „Was ist die derzeit wichtigste nicht erzählte Geschichte?“ - Eine Frage, die für beide zum Thema für die eigene dramaturgische Arbeit wurde. Die Autorin Sasha Marianna Salzmann hat diese Frage für sich beantwortet. Ihr Stück „Die Aristokraten“, soeben abgedruckt im Fachmagazin „Theater der Zeit“, erzählt vom dünnen Firnis der Zivilisation in gewaltsamen Zeiten. Kerstin Behrens

Die Aristokraten

von Sasha Marianna Salzmann

Uraufführung: 20. Oktober, 20 Uhr, Cumberlandsche Bühne

anschl. Premierenfeier

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