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Kultur „Waldbewohner & Suns of the desert“ in der Theaterwerkstatt
Nachrichten Kultur „Waldbewohner & Suns of the desert“ in der Theaterwerkstatt
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12:45 11.03.2018
Im Flugmodus: Abeer Ali Hassan in einer Szene von „Waldbewohner“ in der Theaterwerkstatt. Quelle: Kempa
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Hannover

 Beruhigend rauschen die Triebwerke. Noch ist das Flugzeug nicht gestartet. Aus dem Fenster ist ein karges Rollfeld zu sehen, während die drei Darstellerinnen auf der Bühne - Elke Cybulski, Abeer Ali Hassan und Kaouthar Hiba Slimani – in Flugbegleiterinnenuniformen die Sicherheitsanweisungen stumm und in Zeitlupe performen. 

Für die Inszenierung „Waldbewohner & Suns of the desert“ hat sich die theaterwerkstatt entscheiden, die Theaterbühne im Pavillon zu einem Flugzeug umzubauen. Vor die Zuschauer ist der Gang zum Cockpit projiziert, neben sie der Blick aus den schmalen Flugzeugfenstern, es gibt zu Anfang eine Zeitung und hinten an den Sitzen hängen – für den Fall von Turbulenzen – weiße Papierbeutel. Wichtiger aber ist, dass die Inszenierung auch von diesen Flugzeugritualen strukturiert wird: Die Schwimmwestenvorführung, der gespannte, ruhige Moment des Startes, die Getränkeverteilung, die Durchsagen. Immer wieder erinnert irgendetwas daran, dass diese Bühne ein Flugzeug sein soll. 

Das ist ein klug gewähltes Setting für eine Inszenierung, in der es um Heimat, Verwurzelung und Kultur gehen soll. Denn es gibt wohl kaum einen Ort, an dem ein Reisender heimatloser und wurzelloser ist. Und auch kaum einen Ort, an dem mehr Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen auf engerem Raum zusammenkommen.

„Waldbewohner & Suns of the desert“ ist dementsprechend auch dreisprachig gehalten – Englisch, Deutsch und Arabisch. Während des Fluges erzählen die Flugbegleiterinnen Geschichten: Die Siegfriedsage wird mit Gin- und Kräuterschnaps-Fläschchen nachgespielt, ein arabisches Märchen mit einem Schattenspiel hinter dem projizierten Cockpit. Von der Sagenwelt pendeln die Geschichten in die Weltpolitik oder auch ins Persönliche, es geht um die Angst der Darstellerinnen um ihre Kinder, um Frauenhandel, Verkehrsunfälle oder Papierkrieg mit Behörden. Gleichzeitig verschränken sich während des Fluges die Kulturkreise immer weiter ineinander. Mitteleuropa und Nordafrika verschwimmen soweit ineinander, dass gegen Ende alle gemeinsam das Volkslied „Wir sind durch Deutschland gefahren“ als Skalengesang intonieren und die japanische Zeichentrickfassung von „Heidi“ mit arabischem Titellied auf dem Bildschirm gezeigt wird. 

Die Inszenierung hat dabei durchaus ihre Schwächen, hauptsächlich möchte sie zu viel auf zu engem Raum verhandeln, springt dabei zwischen Themen und geht selten in die Tiefe. Gleichzeitig ist sie aber ein interessantes, fast schon pragmatisches Statement zum aktuellen Diskurs um den Begriff „Heimat“. Antworten gib t es allerdings nicht: Am Ende legen die drei Stewardessen Schwimmwesten an und springen hinaus. Und das Flugzeug fliegt weiter durch die Nacht, getragen von dem Song „We No Who U R“ von Nick Cave. 

 Die nächsten Vorführungen von „Waldbewohner & Suns of the desert“: 17. Februar., 21. bis 24. Februar. 1. bis 3.März, jeweils 19.30 Uhr.

 

 

 

 

Von Jan Fischer

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