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"Frauen, Schnaps und Lederjacken"

Wanda feiert sich und das Leben "Frauen, Schnaps und Lederjacken"

Wanda ist Wahnsinn. Im Frühjahr war die österreichische Band noch mit Kraftklub unterwegs, als Vorband, wie man die Abenderöffner manchmal etwas abschätzig nennt. Nun stand sie im ausverkauften Capitol auf der Bühne.

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Frontmann Wanda spart nicht mit großer Pose, er hüpft und springt und dreht sich über die Bühne, sodass der blanke Bauch im Scheinwerferlicht strahlt.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Er springt, den vielen Armen entgegen. Und dann lässt er sich treiben, der Marco Michael Wanda, über die Hände der vielen, mal halb sitzend, mal auf dem Bauch, mal wie beim Rückenschwimmen, bis er endlich an der Theke inmitten des Capitols ankommt. Er hockt auf dem Bühnenrand, die rechte Hand greift die Metallstreben, direkt neben dem Bacardi-Logo, das dort immer leuchtet. Wanda bekommt dort seinen Schnaps, einen kleinen, in der Glasflasche, einen sogenannten Klopfer. Er steckt den verschlossenen Schnaps in den Mund und es geht retour zur Bühne, wo er den Brand hinunterschüttet. „Ich will Schnaps! / Wenn du mich liebst, gib mir Schnaps.“ Ein Hoch auf die, die wissen, wo es des Nachts noch was zu saufen gibt.

Wanda ist Wahnsinn. Im Frühjahr war die österreichische Band noch mit Kraftklub unterwegs, als Vorband, wie man die Abenderöffner manchmal etwas abschätzig nennt. Letzte Zweifel der Massentauglichkeit sollte den Wienern da genommen worden sein, so sehr wurden sie gefeiert. Mit Songs wie „Bologna“ vom Debütalbum „Amore“ waren sie da schon längst kein Geheimtipp mehr.

Wanda und die Kollegen von Bilderbuch jetten im Irrsinnstempo durch Europa, ein Duo als lang ersehnte Falco-Erben, der neue Austropop. Während Bilderbuch mit dem arg blondierten Mau­rice Ernst wunderbar verspielte Shows mit Zitatecollagen und viel Witz und Spaß am Genrevermischen hinlegt, ist Wanda der räudige, ranzige, aber auch der romantische Part überlassen.

Frauen, Schnaps, Lederjacken: Wanda hat sich und das Leben am Dienstagabend im ausverkauften Capitol gefeiert.

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Die Musiker trinken und rauchen auf der Bühne, bei Interviews, eigentlich immer, so scheint es. Manche sehen darin eine Pose, einen Plan gar, der selbstoptimierten Bewahrergesellschaft eine opulente Selbstverschwendung entgegenzustellen. Vielleicht ist es aber auch einfach selten geworden, dass da eine Musikgruppe einfach macht, worauf sie Lust hat, Leben, konsequent, ohne Hintertür, und dass sie sie alle mal gepflegt am Oarsch lecken können mit ihren Metaebenen. Die Wiener Version von The Clash, so nennt man sie auch, weil die kratzige Gitarre und der kratzige Gesang von Wanda so schnell wechseln.

Die Band spielt auch viele Songs vom neuen Album „Bussi“. Wie auch sonst, es ist schließlich erst das zweite, nachdem mit „Amore“ im Vorjahr der ganze Wahnsinn losging. Die meisten Songs hatte Wanda schon geschrieben, bevor der Erfolg kam. Deswegen sei das auch ein Geschwisteralbum. Themen? „Frauen, Schnaps, Lederjacken“, so sieht das Wanda.

Beim seit Langem ausverkauften Konzert im Capitol spielt Sänger Wanda ein bisschen viel mit dem Hall, der seine Stimme zu einer Art Turm aufbaut. Das Kratzen hinten am Ende der Kehle, das geht dann manchmal etwas unter. Marco Michael Wanda hat schon nach dem ersten Song das Hemd ganz aufgeknöpft, die erste Bühnenkippe angezündet, den ersten Bühnenschnaps getrunken. Die Flasche geht ans Publikum weiter, vielleicht auch als Beweis, dass hier keiner Likör predigt und Wasser trinkt.
Er habe ein Bussi für alle heute, sagt Wanda. Eine Zuschauerin darf ihn stellvertretend auf die Wange küssen. Dann geht es weiter, Hit an Hit, das Publikum singt mit, als gäbe es die Stücke schon seit vielen Jahren. Es macht aber auch Spaß – schreibt Wanda doch so wunderbare Zeilen. „Wenn ich traurig bin / glaub ich jeder Mensch / ist ein Arschloch.“ Er wolle „Kinderlieder, die jeder mitsingen kann“, sagte er einer österreichischen Zeitung. Klappt. Frontmann Wanda spart nicht mit großer Pose, er hüpft und springt und dreht sich über die Bühne, sodass der blanke Bauch im Scheinwerferlicht strahlt. Er lässt sich ein paar Mal im Joe-Cocker-Stil auf den Rücken fallen, walzt den Dialekt aus, herzt seine Kollegen, lacht, schüttelt ungläubig den Kopf, um dann doch recht selbstbewusst zu sagen, das beim nächsten Mal die Zuschauer wirklich alle Stücke mitsingen können.

Der Abend ist ein Triumph, ein Genuss, ein Spaß. Das Schlusswort soll die Band haben. Auf Facebook schreibt Wanda: „Bussi Rrrrriot in Hannover! Nie wieder Hannover, ganz ehrlich, das ist zu viel ... ihr seid unglaublich! Amore, wir sehen uns wieder, wieder, immer wieder!“

von Gerd Schild

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