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20:02 04.07.2011
Von Stefan Stosch
Demnächst wieder mal im Kino: „Mission: Impossible 4“ mit Tom Cruise. Quelle: Paramount
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Mitte Juli ist Schluss. Endgültig. Obwohl, endgültig bedeutet gar nichts, wenn es um Fortsetzungsfilme im Kino geht. Wer weiß, ob Voldemort in ein paar Jahren nicht doch noch mal für ein weiteres Duell mit Harry Potter aufersteht, um Dollarmillionen im Auftrag Hollywoods herbeizuzaubern. Schon jetzt darf der Oberbösewicht im Kino sein Unwesen ausdauernder treiben als zwischen Buchdeckeln: Am 14. Juli startet der achte Potter-Film – es gibt aber nur sieben Joanne-K.-Rowling-Romane. Das letzte, siebte Buch ist für die Leinwand aufgesplittet worden, so ähnlich, wie es Voldemort mit seiner Seele getan hat, um unsterblich zu werden.

Hollywood erklärt die Zweiteilung so: Angeblich wären die Drehbuchautoren der Stofffülle im siebten Band sonst nicht Herr geworden. Ehrlicher wäre wohl eine andere Begründung: Wenn es darum geht, immer wieder nach demselben Erfolgsrezept zu kochen, ist Hollywood Meisterkoch.

Nichts ist für strapazierte Produzentennerven beruhigender als ein sogenanntes Sequel. Die Filme, die Ordnungszahlen im Titel führen, vermehren sich beinahe so schnell wie Grippeviren. Jüngst sind angelaufen: „Fluch der Karibik 4“, „Kung Fu Panda 2“, „Fast and Furious 5“, „Hang­over 2“ und „Scream 4“.

Das Fortsetzungsfieber hält unvermindert an: Tom Cruise übernimmt am 15. Dezember die „Mission: Impossible 4“, Bruce Willis gibt in „Stirb langsam 5“ wieder seinen alten „Schweinebacken“-Spruch zum Besten (Start 2012). Ende Juli dreht im Trickfilm „Cars 2“ das Rennauto Lightning McQueen wieder den Motor auf.

Allein in diesem Jahr starten in den deutschen Kinos rund 30 Sequels, die meisten davon produziert in den USA. Man kommt schon ganz durcheinander mit den vielen Zahlen. Wer kann noch die Zombies aus den „Resident Evil“-Filmen voneinander unterscheiden, mit denen es Milla Jovovich regelmäßig zu tun bekommt? Und wer sieht sich gar in der Lage, die Handlungen der dann fünf Filme so zu rekapitulieren, dass Unterschiede deutlich werden?

Muss man vielleicht auch gar nicht. Es geht bei solchen Reihen ja nicht unbedingt um Kunst, sondern um die Wiedererkennbarkeit, um die Variation des Immergleichen. Man weiß, was einen erwartet. Das Prinzip erinnert an das der Kaffeehaus- oder Fast-Food-Ketten, die rund um den Globus dasselbe Logo tragen und überall auch mehr oder weniger dieselben Produkte anbieten. Ähnlich funktionieren im besten Fall auch Fortsetzungsfilme im Kino – wie eine gut eingeführte Marke. Man fühlt sich zu Hause.

Erst wenn der Hauptdarsteller aussteigt, ist Schluss mit der Reihenfabrikation, so, wie es jetzt womöglich bei Shia LaBeouf der Fall ist. Der Jungmime hat genug von Maschinen, die ihm die Show stehlen: Der dritte Teil des soeben angelaufenen Roboter-Spektakels „Transformers“ soll sein letzter sein. Ob es tatsächlich so kommt? Dieser Maschinentraum ist einfach zu erfolgreich – 834.000 Besucher wollten allein in Deutschland am Startwochenende der Verschrottung Chicagos beiwohnen. Manchmal wird der Star auch einfach ausgetauscht, damit es weitergeht: Bei „Spider-Man 4“ trägt nun erstmals Andrew Garfield das Gummikostüm. Und manche Kollegen schlucken bis ins Rentenalter Muskelpräparate, um sich weiterprügeln zu können: Sylvester Stallone will auch als „Rocky“-Senior noch boxen.

Klar, es gibt Filmreihen, bei denen die jeweils nächste Folge mit größter Akribie vorbereitet wird. „Harry Potter“ gehört dazu, ebenso „James Bond“. Der britische Spion kehrte in Gestalt von Daniel Craig zurück – nach endlosen finanziellen Querelen wird gerade der dritte Teil mit Craig in Angriff genommen.

Das Erstaunliche an Sequels ist: Sie enttäuschen oftmals auf ganzer Linie – und spielen an der Kinokasse trotzdem mehr Geld ein als das Original. Ein besonders eklatantes Beispiel dafür war „Matrix“ (1999). Das philosophisch angehauchte Science-Fiction-Abenteuer wurde erst im Nachhinein zur Trilogie aufgemotzt – und entsprechend dünn fielen die Fortsetzungen aus.

Es droht die Gefahr der künstlerischen Verarmung, wenn immer nur alte Bekannte im Kino auflaufen. Als in den Neunzigern die Besucherzahlen schwächelten, hatte Hollywood schon einmal erkannt, dass die Branche vielleicht doch anders funktioniert als die Autoindustrie: Die Weiterentwicklung immer desselben Filmmodells bringt nicht unbedingt eine Qualitätsverbesserung. So weit sollte es nie wieder kommen, schworen die Studioverantwortlichen damals. Gehalten haben sie sich nicht daran.

Blockbuster mit Nummern dran kann kein anderer so gut wie Hollywood. Doch gerät das Kino darüber in Gefahr, zur Klonfabrik zu werden – und dem Publikum wird die Neugier auf Unbekanntes ausgetrieben. Sogar die US-Filmakademie scheint betriebsblind zu werden: Christopher Nolans visionärer Science-Fiction-Thriller „Inception“ konnte im Vorjahr bei der Oscar-Vergabe in den wichtigen Kategorien nicht punkten.

Da klingt es beinahe schon originell, wenn sich Fortsetzungsfilme aus sich selbst heraus erneuern. Die Miezekatze aus den „Shrek“-Werken ist zur Titel­figur in „Der gestiefelte Kater“ befördert worden. Auch „Der kleine Hobbit“ muss ran, nachdem sich die „Herr der Ringe“-Trilogie als Goldgrube entpuppt hat – selbstverständlich kommt J. R. R. Tolkiens Geschichte zweigeteilt ins Kino.

James Cameron ist gerade dabei, zwei weitere „Avatar“-Filme vorzubereiten. Der Ausflug zu den blauen Riesen auf dem Planeten Pandora sei von vornherein als Trilogie angelegt gewesen, behauptet der Regisseur – der den ersten Film zwischendurch mit einer um acht Minuten verlängerten Version noch einmal ins Kino hievte.

Nur bei „Titanic“, Camerons früherem Megaerfolg, ist nicht mit einer Fortsetzung zu rechnen: Der Luxusliner ist 1997 so schön abgesoffen, dass selbst Hollywood ihn nicht mehr flottbekommt. Obwohl: Für 2012 – pünktlich ein Jahrhundert nach dem historischen Untergang des Schiffes – bringt Cameron eine 3-D-Version seines alten Films an den Start.

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