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Warum Modern-Talking-Hits in den USA Kult sind

Thomas Anders auf Tour Warum Modern-Talking-Hits in den USA Kult sind

Mitten in Washington steht Thomas Anders auf einer der begehrtesten Bühnen der Stadt und singt vor ausverkauftem Haus. Am Sonnabend warten erneut weitere 5000 Fans in Boston, ebenso am Sonntag in Seattle. Was ist los mit den Amerikanern, dass es ihnen bis zu 150 Euro wert ist, die immer gleichen Songs längst vergangener Zeiten zu hören?

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Thomas Anders feiert derzeit in den USA Erfolge, die an Zeiten erinnern, als er und Dieter Bohlen noch gemeinsam auf der Bühne standen.
 

Quelle: Thomas Anders

Washington.  Die Konzertankündigung liest sich wie ein Gruß aus der Vergangenheit: Thomas Anders & Modern Talking Band. Mitten in Washington steht der Schnulzensänger der Achtzigerjahre auf einer der begehrtesten Bühnen der Stadt und singt vor ausverkauftem Haus. Am Sonnabend warten erneut weitere 5000 Fans in Boston, ebenso am Sonntag in Seattle. Was ist los mit den Amerikanern, dass es ihnen bis zu 150 Euro wert ist, die immer gleichen Songs längst vergangener Zeiten zu hören?

„You’re My Heart, You’re My Soul“, „Cheri, Cheri Lady“ und dann auch noch „Gernonimo’s Cadillac“ – das vornehmlich weibliche Publikum, zumeist zwischen vierzig und fünfzig Jahren, jubelt, tanzt, hält die Handys in die Höhe. In der neoklassizistischen „Constitution Hall“ unweit des Weißen Hauses spielt sonst die „United States Air Force Band“ vor einem reiferen Publikum. Doch an diesem Abend verwandelt der Mann mit dem sonnengebräunten Gesicht die altehrwürdige Halle kurzerhand in eine Discothek, in der die Gäste ausgelassen zwischen den Stühlen tanzen.

Englisch-russischer Sprachmix

„Wir können in den feinsten Häusern spielen. Aber bei uns bleibt es immer gesittet. Ich kenne meine Anhänger“, erzählt Anders in entspannter Runde zwei Stunden vor seinem Auftritt. Sein Erfolgsgeheimnis? „In meine Konzerte kommen nur wenig Amerikaner. Zumeist sind es Menschen aus der früheren Sowjetunion, aus Vietnam oder dem Iran.“ Hier in Washington spiele er vor einer Exilgemeinde, die es nach dem Ende des Kalten Krieges direkt zum früheren Klassenfeind verschlagen habe. Tatsächlich ist an diesem Abend in der Lobby der Konzerthalle und vor der Weintheke zumeist ein ausgelassener englisch-russischer Sprachenmix zu hören.

Was in den Achtziger- und Neunzigerjahren in Deutschland nicht so richtig wahrgenommen wurde: Anders und sein damaliger Partner Dieter Bohlen zählten zu den ersten westlichen Musikern, deren Schallplatten in der Sowjetunion mit der Zustimmung des Kremls gepresst wurden – zunächst in kleiner Stückzahl auf dem offiziellen Weg, später zu Hunderttausenden auf dem Schwarzmarkt. Neben den Scorpions aus Hannover waren es vor allem die beiden Popsänger, die mit ihren eingängigen Rhythmen und ihren hohen Stimmen das neue Zeitalter ankündigten.

„Heute weiß ich, was ich kann und was ich nicht kann“

Heute, mit 25 Jahren Abstand, blickt Anders ganz nüchtern auf seine Arbeit: „Wir bringen gute Laune, einfach Friede, Freude, Eierkuchen.“ Und mit einem spürbaren Selbstbewusstsein stellt er fest: „Es ist schon ein besonderes Geschenk, so lange erfolgreich zu sein. 120 Millionen verkaufte Tonträger – wer kann das schon von sich sagen?“ All die Negativschlagzeilen über die Auseinandersetzungen mit seinem früheren Partner Bohlen und seiner Ex-Frau Nora scheinen für ihn weit zurückzuliegen. Der 54-Jährige gibt sich lieber bürgerlich, erzählt von seiner Ehefrau Claudia, ihrem gemeinsamen Sohn und den ruhigen Stunden in seinem Haus in Koblenz.

Und wann war seine beste Zeit? „Genau jetzt, mit Mitte fünfzig. Heute weiß ich, was ich kann und was ich nicht kann. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen und weiß, dass ich für die Folgen allein verantwortlich bin.“ Das Gefühl, mit sich im Reinen zu sein, zeigt sich vielleicht auch in seinem neuesten Vorhaben: Nach 30 Jahren kehrt Anders, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Bernd Weidung heißt, wieder zu deutschen Texten zurück. „Pures Leben“ heißt das Album, das demnächst auf den Markt kommt. Ein Vorhaben, das er nicht mal so eben aus dem Ärmel geschüttelt hat: „Es war so unglaublich schwer, auf der Bühne wieder mit der eigenen Sprache klarzukommen.“ Über vier Jahre hinweg habe er – zum Teil mit anderen Künstlern wie Udo Lindenberg und Helene Fischer – an Texten und Musik gefeilt. Obwohl er sich lange mit diesem Projekt gequält habe, sei er letztendlich froh, den Schritt zu wagen: „Kreativität“, sagt Anders, „hört eben niemals auf. Auch nach 30 Jahren auf der Bühne nicht.“

Von Stefan Koch/RND

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