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Was uns retten könnte

Das Theater an der Glocksee zeigt Raskolnikow – humanity is overrated. Was uns retten könnte

Das Theater an der Glocksee zeigt Raskolnikow – humanity is overrated. Ein Spiel mit Fjodor Dostojewskis Roman „Schuld und Sühne“ und den Recherchen des Philosophen Franco Berardi.

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Fieberträume: Jonas Vietzke (vorn), Achmed Ole Bielefeld, Rebecca Junghans.

Quelle: Lena Kußmann

Hannover. Ein riesiges, mit Stoffbahnen umspanntes Gebilde streckt sich vom Bühnenboden bis zur Decke. Daneben eine Schnur, an der ein Eimer baumelt. Weiter hinten drei Hocker wie an einer Bar. Ein unwirtlicher Raum. Hier begeben sich drei Spieler auf die Suche danach, was Mörder, Amokläufer, Attentäter und Terroristen zu ihren grausamen Taten antreiben könnte. Wie kommt es zu diesen menschenverachtenden Angriffen, was geht in den Köpfen der Täter vor? „Wie verläuft die Erregungskurve, an welchen Punkten hätte der Täter sich genauso gut anders entscheiden können, was hat ihn wie beeinflusst, das interessiert uns.“ Lena Kußmann vom Theater an der Glocksee führt Regie in diesem Projekt, das auf Dostojewskis Romanklassiker „Schuld und Sühne“ basiert und verschränkt wird mit Recherchen des italienischen Philosophen und Aktivisten Franco Berardi in seinem Buch „Helden. Über Massenmord und Suizid“, das im vergangen Jahr erschienen ist.

Ein düsterer Stoff über intellektuelle Kälte, nihilistische Abgründe und die aktuelle Bedrohung durch Terror und Gewalt: „Raskolnikow - humanity is overratet“. Im Mittelpunkt stehen Dostojewskis Romanfiguren Raskolnikow, sein Freund Rasumichin und Sonja. Der bettelarme Student Raskolnikow ist krank, kommt nicht mehr aus seinem Zimmer, schläft und fiebert vor sich hin. Ein arroganter Doppelmörder, der sich in seiner Ideologie verfangen hat. Rechtfertigt seine vermeintliche moralische Überlegenheit den Mord an seiner geldgierigen Vermieterin und ihrer Schwester? Er flüchtet in seine Fieberträume. „Diese Fieberwelt wollen wir an der Außenwelt spiegeln. Warum gelingt es Raskolnikow nicht, sich aus seiner Verkapselung zu befreien?“

Fieberwelten, Kneipengeschwätz, Talkshows: Lena Kußmann hat eine eigene Textfassung erarbeitet, die während der Proben nachjustiert wird. „Was macht man mit einer Hauptfigur, die zwei Leuten eine Axt in den Kopf geschlagen hat? Wir suchen nach gesellschaftlichen und persönlichen Auslösern“ - in der Hoffnung, diese irgendwann einmal begreifen und vielleicht sogar verhindern zu können.

Die Bühne als Versuchsanordnung? „Wir wollen das Thema Gewalt mit den Mitteln der Kunst erforschen. Und dabei fragen, was bei uns den Schalter umlegen, was uns alle retten könnte. Damit etwas schmilzt in unseren Herzen.“ Dz

Premiere ist am 21. April, 20 Uhr, im Theater an der Glocksee. Karten unter

(05 11) 1 61 39 36.

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