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Kultur Weltbienentag: Die Biene als Romanfigur
Nachrichten Kultur Weltbienentag: Die Biene als Romanfigur
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02:15 22.05.2017
Von Stefan Arndt
Seltener Anblick: Der Wabenbau eines wild lebenden Honigbienenvolks. Quelle: Helga R. Heilmann
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Hannover

Vielleicht geht es den Bienen gerade so gut wie lange nicht, weil es ihnen so schlecht geht wie nie. Die Probleme, die diese Tiere mit Parasiten, mit Chemie in der Landwirtschaft und mit der Verdrängung von Wildblumen haben, sind vielen Menschen bewusst. Und nicht wenige ziehen daraus praktische Konsequenzen: Während traditionelle Freizeitbeschäftigungen wie das Züchten von Brieftauben oder Rassegeflügel aussterben, wächst das Interesse an der Bienenhaltung in rasantem Tempo. In Deutschland gibt es daher heute so viele Bienen wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Kaum ein Wunder also, dass es die Insekten auch auf die politische Agenda geschafft haben. Gerade sind die Vereinten Nationen dabei, den 20. Mai zum Weltbienentag zu erklären. Im kommenden Jahr soll es offiziell erstmals so weit sein, doch schon jetzt wird der Tag in vielen Ländern gefeiert.

Die Biene als Romanfigur

Das zunehmende Interesse an den Bienen spiegelt sich auch auf dem Buchmarkt wider. Während vor zehn Jahren kaum eine Handvoll Titel zum Thema erhältlich war, ist deren Fülle heute kaum noch zu überschauen. Dazu gehören inzwischen auch Romane wie „Die Bienen“ (Droemer, 346 Seiten, 9,99 Euro), in dem die britische Autorin Laline Paull elegant und überraschend von einer modernen Biene Maja erzählt. Die Norwegerin Maja Lunde hat es mit „Die Geschichte der Bienen“ (btb, 510 Seiten, 20 Euro) sogar gerade an die Spitze der Bestsellerlisten gebracht. Sie knüpft aus drei fiktiven Biografien aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ein dichtes Netz der Beziehung von Mensch und Insekt.

Neue Sachbücher lassen derweil den hier bislang üblichen Ratgeberton hinter sich. Jürgen Tautz und Diedrich Steen etwa geben in „Die Honigfabrik“ (Gütersloher Verlagshaus, 272 Seiten, 19,99 Euro) präzise Einsichten in das Leben in einem Bienenstock. Die Autoren verbinden die plastische Beschreibung mit neuen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und schrecken dabei auch nicht davor zurück, die Arbeit des legendären Bienenforschers Karl von Frisch (1886-1982) mancherorts zu kritisieren. Neben der Fülle an Erkenntnissen verblüfft aber vor allem die Menge der Leerstellen, auf die die Autoren hinweisen: Je mehr man über Bienen weiß, desto größer scheint auch die Zahl der offenen Fragen zu werden.

Der US-Neurobiologe und Verhaltensforscher Thomas D. Seeley ist ein Virtuose darin, solche Fragen zu formulieren und Stück für Stück zu beantworten. Sein vor drei Jahren auf Deutsch erschienenes Buch „Die Bienendemokratie“ (S. Fischer, 318 Seiten, 22,99 Euro) ist ein Lehrstück darüber, wie man durch Experimente zu Erkenntnissen kommt - hier zu neuem Wissen über die erstaunliche Fähigkeit der Insekten, kollektive Entscheidungen zu treffen.

Bestechende Sportart

In der kommenden Woche veröffentlicht Seeley einen neuen Band: „Auf der Spur der wilden Bienen“ (S. Fischer, 210 Seiten, 22 Euro) schildert das exotische Hobby der Bienenjagd. „Während der Imker seine Honigvölker in Bienenstöcken hält, sucht der Bienenjäger oder Zeidler nach Bienenvölkern, die in hohlen Baumstämmen und anderen selbst gewählten Behausungen leben“, schreibt Seeley, der diese Jahrhunderte alte, fast vergessene Tätigkeit leidenschaftlich und amüsant als „Freiluftsportart“ empfiehlt.

Der Brite Dave Goulson ist einer der wenigen Profis in dieser Disziplin. In „Die seltensten Bienen der Welt“ (Hanser, 303 Seiten, 22 Euro) erzählt der Biologe von seiner mühsamen Suche nach einst in Europa verbreiteten Hummeln und Wildbienen, die ihn an die entlegensten Winkel der Welt führt. Bei allem Charme ist das Buch vor allem eine erschreckende Bestandsaufnahme einer wohl unaufhaltsam im Verschwinden begriffenen Welt.

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