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Nachrichten Kultur Wer hat noch nichts zu Amy Winehouse gesagt?
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13:04 03.08.2011
Von Imre Grimm
Auch nach ihrem Tod wird um Amy Winehouse viel Wirbel gemacht. Gleichzeitig steigt ihre Musik wieder hoch in die Charts ein. Quelle: dpa (Archivbild)
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London

Bedauerlich genug, dass Amy Winehouse tot ist. Bedauerlich genug, dass sich die Medienwelt nun mit wohligem Grusel auf dieses Leben stürzt, das so ganz und gar nicht der Norm entsprach. Aber dass sich jetzt auch noch naseweise Nachwuchssängerinnen wie LaFee (20) zu Wort melden, die sich bisher mit Gummibärchen-Gothic, Liedtexten mit schlimmen Wörtern und pseudocoolen Klebetattoos hervorgetan haben, hat Amy Winehouse nicht verdient. „Sie hätte sich nicht so zudröhnen müssen mit Drogen“, findet LaFee (bürgerlich: Christina Klein aus Stolberg im Rheinland). „Ganz ehrlich – und jetzt bin ich so ehrlich wie sonst kaum jemand: selbst schuld. Sie hat sich ihr Grab selbst geschaufelt.“ Wow. Schon superehrlich, wie Teeniestar LaFee da bei „stern.de“ ferndiagnostisch den Stab über ein ihr fremdes Leben bricht.

Der Tod von Prominenten bringt rätselhafte mediale Begleiterscheinungen mit sich. Plötzlich hat Amy Winehouse haufenweise „beste Freunde“, plötzlich kriechen C- und D-Promis aus allen Löchern und nutzen die Gelegenheit, den Glamourmagazinen dieser Welt – die freilich begierig darauf warten – ihre Sicht der Dinge kundzutun. Vermeintliche „Schockvideos“ ihrer letzten Stunden geistern durchs Netz, Amys Vater Mitch verschenkt T-Shirts seiner Tochter an Fans, und der Leiter der Mannheimer Popakademie erläutert, dass „jeder Künstler ja auch ein bisschen verrückt sein“ muss.

Der Tiefpunkt der medialen Absurditäten war wohl erreicht, als der brasilianische „Komiker“ Daniel Zukerman und sein Produzent André Machado mit jüdischer Kippa auf der Trauerfeier für Winehouse in London auftauchten und falsche Betroffenheit in jede Kamera heuchelten. Niemand erkannte sie, niemand fragte nach, ob die beiden tatsächlich „zwei Freunde von Amy“ („Süddeutsche Zeitung“) waren oder zwei „Assistenten“ (CNN) oder einfach zwei Idioten. Während eines RTL-Interviews musste sich Machado dann sogar lachend wegdrehen. Mit dem geschmacklosen Comedy-Stunt haben sich beide in Rekordzeit den Zorn der Amy-Fangemeinde zugezogen.

Worum es eigentlich ging im Leben der Amy Winehouse, zeigt ein Blick auf die aktuellen Charts: Ihr gefeiertes Album „Back to Black“ von 2006, das ihr den Durchbruch und fünf Grammys brachte, steht in Großbritannien wieder auf Platz eins, ihre Debütplatte „Frank“ von 2003 auf Platz fünf, eine Box mit beiden Alben landete auf Platz zehn. In den britischen Single-Charts sind gleich fünf Winehouse-Titel vertreten. Ein Sprecher der Plattenfirma HMV sagte, die Nachfrage sei so groß, dass CDs nachproduziert würden. In den USA landete „Back to Black“ auf Rang neun (37 000 Verkäufe – das entspricht einem Plus von 3140 Prozent zur Vorwoche).

Bei Amazon Deutschland belegten Winehouse-Platten am Montag die Plätze drei bis fünf. Amy Winehouse reiht sich damit ein in die Riege früh verstorbener Legenden wie John Lennon († 1980) oder Michael Jackson († 2009), die ihren Erben – und diversen Geschäftemachern – nach dem Tod Millionen einbrachten. Ein drittes, posthumes Album ist in Vorbereitung. Für ein Originalautogramm bezahlen Fans bei Ebay schon jetzt bis zu 80 Dollar.

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