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Kultur „Westworld" und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur „Westworld" und mehr DVD-Tipps
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20:30 15.01.2019
Quelle: iStockphoto
Hannover

Westworld, Staffel 2. Nein, um in dieses Epos über Künstliche Intelligenz, die Menschlichkeit der Maschine und ihren beginnenden Aufstand gegen ihre wenig empathischen Schöpfer einzutauchen, reicht kein kurzes Rekapitulieren der ersten Staffel. Wer nicht drin ist in „Westworld“, der muss vorher abkürzungslos durch die erste Staffel, um sich in der zweiten zurechtzufinden.

Mag sich für HBO die Hoffnung nicht ganz erfüllt haben, dass hier die Überserie kommt, die das auslaufende „Game of Thrones“ in popkultureller Wirkung und Zuschauerzahlen ablösen könnte, so ist „Westworld“ doch weiterhin sensationell gut gemacht, ein Aushängeschild für ein Fernsehen, wie es früher nie möglich gewesen wäre: intelligent, spannend und in der Optik ganz großes Kino.

Die Geschichte vom Themenpark, in dem zahlungskräftige Kunden Wildwestabenteuer mit immer besser und menschlicher werdenden Robotern erleben, wird um eine japanische Shogun-Welt erweitert. Die Hauptfiguren schreiten auf ihren Odysseen voran und straucheln dabei zuweilen in den einander immer wieder berührenden Handlungssträngen.

Die Saloonlady Maeve (Thandie Newton) macht sich auf die Suche nach ihrer Tochter und gelangt außerhalb der Grenzen ihrer Cowboywelt. Das Farmermädchen Dolores (Evan Rachel Wood) will ihre Rebellion gegen ihre menschlichen Unterdrücker ausweiten. Der grausame Man in Black (Ed Harris) nähert sich dem Labyrinth im Herzen von Westworld, und der Ingenieur Bernard (Jeffrey Wright) hält mit seinen rätselhaften Erinnerungssprüngen den Zuschauer im wohligen Unklaren und hat überdies eine erschreckende Begegnung.

Mit dem Ende der ersten Staffeln waren Isaac Asimovs Robotgesetze außer Kraft, die „Hosts“ des Parks konnten jetzt ihre Kundschaft töten. In der zweiten Staffel steht nicht nur die Parkwelt auf dem Kopf, es werden die aufgeworfenen philosophischen Fragen vertieft, ebenso wächst Zuschauers Empathie mit den Androiden bis hin zu einem erneut großartigen Finale im „Valley Beyond“, wo einige Erzählstränge an ihr Ende kommen, aber genug Storypotenzial für eine dritte Staffel übrigbleibt.

Die haptisch ausgerichteten Freunde von DVD und BluRay sind für diese Veröffentlichung dankbar, fühlen sie sich doch inzwischen wie Anfang der Achtzigerjahre die Fangemeinde der Betamax-Videoplayer: Man wird immer mehr mit B-Serien versorgt, während Streamingdienste wie Netflix (aus ersichtlichen Geschäftsgründen) ihre Juwelen, über die alle Welt redet, nicht „physisch“ veröffentlichen. HBOs „Westworld“ gehört zu den Ausnahmen.

Westworld, Staffel 2 Quelle: Warner

Love, Simon. Nick Robinson ist Simon Spier, einer der liebenswertesten Teenager, der je in einem Film zu sehen war. Er hat eine Superfamilie und eine Superclique. Er ist schwul und weiß nicht, wie er es der Welt mitteilen soll. Diese Welt ist dabei nicht wirklich gehässig zu ihm, eher hat sie kein Gespür, ihn so zu sehen, wie er ist: Sein Vater macht schon mal Schwulenwitze, in der Schule ist „Schwuchtel“ ein freundliches Schimpfwort und einer seiner Mitschüler versucht ihn auch nur halbherzig zu erpressen.

Der Film „Love, Simon“ von Greg Berlanti ist die erste Teenagerkomödie eines großen Studios, die einen schwulen Helden präsentiert und sie erzählt sanft und humorvoll, wie Nick aus der Deckung kommt und am Ende von seiner Umgebung umarmt wird. Der dramatische Anteil der warmherzigen Geschichte ist wohltuend mild ausgefallen, die Happy-go-Lucky-Story ist atmosphärisch näher an den Schulabenteuern der Halbcomicfigur „Greg“ als an dem behutsamen Coming-Out-Drama „Call Me by Your Name“.

Und dennoch ist das mit Josh Duhamel, Jennifer Garner und einer Riege talentierter Jungdarsteller besetzte Komödie ein gutes Stück auf dem guten Weg. Und noch ein Nebeneffekt: Der wunderbare Popsong „Waterloo Sunset“ erklingt fast in voller Länge, bringt eine neue Generation mit der Musik der Kinks zusammen und macht Lust auf die von Ray Davies in Aussicht gestellte Reunion der Band.

Love, Simon Quelle: Fox

Strike, drei Fälle. Ein Fotomodel ist tot. Aus zwölf Metern Höhe gesprungen. Depressiv sei sie gewesen, diese Lula Landry, Winter ist die Selbstmordjahreszeit. Lulas Adoptivbruder John Bristow indes glaubt, seine Schwester sei ermordet worden. Damit platzt er ins Büro eines Londoner Privatdetektivs, der dringend einen Auftrag braucht, weil er nur noch ein paar Pfund von der Gosse entfernt ist.

Die BBC hat drei Cormoran-Strike-Romane von Harry Potters Mama Joanne K. Rowling verfilmt (geschrieben unter dem Pseudonym Robert Galbraith, der vierte, „Weisser Tod“, erschien vor knapp drei Wochen). Der TV-Dreiteiler „Der Ruf des Kuckucks“ und die Zweiteiler „Der Seidenspinner“ und „Die Ernte des Bösen“ sind jetzt in einem DVD-Paket erschienen.

Strike (gespielt von Tom Burke) ist ein hoch gewachsener Ex-Militärpolizist, unehelicher Sohn eines geizigen Rockstars, der seine Beinprothese mit zu viel Gewicht belastet, von seiner großen (schwierigen) Liebe frisch an die Luft gesetzt wurde und in der Detektei übernachten muss.

Seine Gehilfin Robin Ellacott (Holliday Grainger) ist aus bürgerlichem Haus, Mitte 20, attraktiv, pfiffig, unterwegs in einen guten Job in London und in eine fade Ehe mit einem Spießer, der die Nase rümpft, als sie von den Reizen der Mörderjagd angezogen wird. Zusammen sind sie und Strike stark. Müssen sie auch sein, denn natürlich hat jemand Lula Landry aus dem Leben geholfen – wozu sonst der Krimiaufwand?

Strike, drei Fälle Quelle: Warner

Homeland, siebte Staffel. Eine paranoid wirkende US-Präsidentin lässt Gegner verhaften. Ein rechter Medienmann belfert seine spalterischen Parolen über Widerstand und Aufstand aus dem Untergrund in die amerikanische Gesellschaft. Und eine neue Sorte russischer Agenten zieht an jeder bösen Fake-News-Strippe, die zur Destabilisierung der westlichen Welt taugt, schreckt auch vor Mord nicht zurück und versenkt zu Moral mahnende Kollegen der alten Schule im Wasser. In Washington stirbt ein wegen Aufstand gegen die US-Regierung inhaftierter General in Haft und die Präsidentin gerät bald in Verdacht, einen Auftragskiller angeheuert zu haben.

Die Welt in „Homeland“ ist fast so aus den Fugen wie die Wirklichkeit, in vielerlei Hinsicht sind beide einander beängstigend ähnlich, als sei die aktuelle Story den Schlagzeilen der Zeitungen entnommen. Die dieser Staffel innewohnende Verschwörung wird zum Betätigungsfeld von Carrie (Claire Danes), die schwerer denn je mit ihrer bipolaren Störung zu kämpfen hat, sich als schlechte Mutter fühlt, diesbezüglich von ihrer Schwester „entmachtet“ wird und ihre Beziehung zum väterlichen Freund Saul Berenson (der großartige Mandy Patinkin) neu definieren muss. Die aber nicht anders kann, als ihren Instinkten zu folgen, Lüge und Verrat dort zu wittern, wo sie sind, zu überwachen und zu jagen.

Die siebte Staffel von „Homeland“ zeigt eine Serie, die sich von leichten Ermüdungserscheinungen erholt hat und tief in den Zweiten Kalten Krieg eintaucht. Der Zuschauer von „Homeland“ traut allen Protagonisten alles zu, und will nichts dringender wissen als wer welches falsche Spiel spielt. Außerdem verstärken sich seine Neigungen zu Verschwörungstheorien im wirklichen Leben: Dieser Putin! Hat innerhalb von ein paar Jahren das ganze Weltgefüge aus den Angeln gehoben, oder?

Homeland, siebte Staffel Quelle: Fox

Mr. Mercedes, erste Staffel. Brendan Gleeson ist der leicht verlotterte Ex-Cop Bill Hodges, der seinen Blues auf einem alten Plattenspieler hört, im Stehen pinkelt, bei Wut Whisky in sich hineinschüttet und seinen gelblichen Vollbart ins Kraut schießen lässt. Er ist geschieden, pensioniert und allein mit einem üblen, ungelösten Fall. Während er sich auf sein Ende zubewegt, nagt das Versagen an diesem klassischen Filmhelden, das Wissen, dass irgendwo da draußen der Mercedes-Mörder seiner höhnt.

Der Mann, der mit der gestohlenen Limousine maskiert in eine Gruppe Arbeitssuchender hineinfuhr, ein 16facher Mörder, ist ein kleiner düpierter Mitarbeiter eines Elektronikfachmarkts, ein Soziopath mit enger Mutterbindung – auch ein Klassiker des Thrillerpersonals - der seinem gescheiterten Verfolger provozierende Mails und Videos schickt. Die Kernbotschaft: „Fass mich endlich - du kriegst mich nie!“

Bald erscheint die Schwester jener Mercedes-Besitzerin (Mary-Louise Parker), die von dem Mörder als „Mitschuldige“ in den Selbstmord getrieben wurde und heuert Bill als Detektiv an. Und so beginnt dessen Duell mit Brady „Mr. Mercedes“ Hartsfield (Harry Treadaway) aufs Neue und zieht sich über zwölf spannende Episoden. Unterstützung bekommt der rostige Ritter von einigen interessanten Sidekicks (Jharrel Jerome als Jerome, Justine Lupe als Holly).

Hauptregisseur Jack Bender („Lost“, „The Sopranos“) und Serienschöpfer David E. Kelley („Big Little Lies“) gehen die Verfilmung eines Romans von Stephen King (der König der Horrorautoren hat einen blutigen Cameoauftritt) nach einem schockierenden Auftakt langsam an, der Thriller wird zum Charakterstück, das den Zuschauer bei der Stange hält, auch wenn (oder vielleicht gerade weil) die Geschichte in der erfahrbaren Wirklichkeit bleibt. Die beiden nächsten Staffeln nach Kings Hodges-Trilogie werden das Publikum dann wieder auf vertrautes King-Terrain führen – mitten hinein in die Twilight Zone, wo die Schatten leben und alles möglich ist.

Mr. Mercedes, erste Staffel Quelle: Sony

2001 – Odyssee im Weltraum. Der Film, der die Science Fiction neu definierte, der „Lautlos im Weltraum“ möglich machte, „Star Wars“ und „Unheimliche Begegnung“: „2001 – Odyssee im Weltraum“ wurde 2018 50 Jahre alt, kam zum Jubiläum noch einmal auf die Leinwand und machte sich erstaunlich gut dort. Was er indes in seiner Entstehungszeit bedeutete, lässt sich heute nur noch erahnen. Endlich sahen Raumschiffe und Raumstationen richtig technisch und damit menschenmöglich aus und nicht wie gut gemeinte Mutmaßungen über Spacecrafts.

Der Perfektionismus, mit dem Regisseur Stanley Kubrick zu Werke ging, ist legendär, die Nüchternheit der Personenzeichnung führt allerdings dazu, dass man erst dann mit dem letzten der Astronauten, David Bowman (Keir Dullea), halbwegs warm wird, als der gegen die Künstliche Intelligenz des mörderischen Bordcomputers HAL 9000 antritt und die selbstmitleidige Maschine zur Abschaltung überredet.

Der Schöpfer Mensch entledigt sich auf seiner Suche nach den Urhebern der interstellaren Wegweiser, Schwarzer Monolithen, seiner Schöpfung, die sich gegen ihn gewandt hat. Seine Reise, nach der von Homers Held benannt, ist eine Fahndung nach einer außerirdischen Lebensform, in deren kryptischer Manifestation sich schließlich auch der Versuch Gottes erkennen lässt, sich dem Mensch, der ihn nicht fassen kann, verständlich zu machen. Vergeblich?

Von den Zeiten der Vormenschen, denen das Erscheinen des ersten Monolithen den Verstand erleuchtet und die danach nur wenig Zeit verstreichen lassen vom ersten Werkzeuggebrauch bis zum ersten Mord springt Kubrick mit einem der berühmtesten Cuts der Filmgeschichte ins Zeitalter der bemannten Raumfahrt. Der Soundtrack mit „Also, sprach Zarathustra“ und „An der schönen blauen Donau“ rehabilitiert den Homo sapiens sapiens als bewahrenswerte Spezies.

2001 – Odyssee im Weltraum Quelle: Warner

Die Frau, die vorausgeht. Eine wohlhabende Witwe und Malerin bricht gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der großen Stadt in den Wilden Westen auf, der besiegtes Land ist und sich anschickt, Zivilisation zu werden. Caroline Weldon will dort Sitting Bull malen, den berühmt-berüchtigten Sioux-Häuptling, der als Stratege der vernichtenden Schlacht am Little Bighorn gilt, aber dem Krieg abgeschworen hat.

Sie trifft einen Mann, der nur auf den ersten Blick von der Lebensweise seiner Väter abgekommen scheint, sein reserviertes Land bebaut, der aber keineswegs gebrochen ist und seinen Marktwert kennt. 1000 Dollar will der Indianer für das Bild, dafür ist er jedoch bereit, den bürgerlichen Anzug, in dem er den Friedensvertrag unterschrieb, gegen traditionellere Kleidung einzutauschen.

In der feindseligen Atmosphäre nach den Indianerkriegen bekommt die „Indianerfreundin“ einiges von dem herrschenden Rassismus ab. Sie wird bespuckt, blutig geschlagen und mit Erde beschmiert, um „wie eine Rothaut auszusehen“. Und bleibt doch ihrem Vorhaben treu, ja freundet sich zart mit dem von ihr respektierten, sie respektierenden Häuptling an.

Jessica Chastain und Michael Greyeyes machen Susanna Whites Geschichte eines Bildes, einer Emanzipation und der letzten Tage eines unbeugsamen Anführers der First Nations zu einem der bemerkenswertesten Indianerwestern überhaupt.

Die Frau, die vorausgeht Quelle: Universum

Espen und der Bergkönig. Die Prinzessin dieses Films wohnt in einem dieser patriarchalischen Märchenländer, wo man als Frau bis 18 verheiratet sein muss, sonst holt einen der Troll, den im Fantasy-Norwegen alle den Bergkönig nennen. Da sie sämtliche ihr von den Eltern präsentierten, unvorteilhaften Bräutigame ablehnt und schließlich eine Zwangsehe eingehen soll, muss sie aus dem Land fliehen.

Bevor sie der Bergkönig doch erwischt, trifft sie auf den tolpatschigen Bauernsohn Espen (Vebjörn Enger), der das Herz auf dem rechten Fleck hat, aber von seinem Vater verstoßen wurde, nachdem er aus Versehen dessen Haus abgefackelt hatte. Er folgt seinen beiden Brüdern, die von der Belohnung für das Auffinden der Königstochter den Hof wieder aufbauen wollen. Erfolg ist freilich allein Espen beschieden, der es zuvor im Zauberwald mit grausam-überheblichen Prinzen und ihrem mordlustigen Gefolge, fürchterlichen Waldfeen und relativ kampfunlustigen Seemonstern zu tun bekommt.

Keine Frage, wer am Ende ein mit dem Schwert überaus versiert agierender Held und zugleich der Liebste der schönen Hochadeligen wird. Womit „Espen“ auch noch eine Geschichte von der Überwindung gesellschaftlicher Schranken ist. Und die Prinzessin ist cool, klug und wehrhaft, kein zartes Weibchen, das nur an der Seite eines Traumprinzen koexistieren kann.

Ein norwegischer Märchenfilm, unterhaltsam, mit wechselnder Qualität im durchaus wichtigen Bereich der Trickeffekte, der dem jungen Publikum durchaus die ein oder andere Gänsehaut und überdies eine Begegnung mit der wuchtigen „Bergkönig“-Musik Edvard Griegs verschafft.

Espen und der Bergkönig Quelle: EuroVideo

Sicario 2. Helfen somalische Piraten mexikanischen Drogenkartellen, islamistische Terroristen über die US-Grenze zu schmuggeln, die dann in Kansas City Selbstmordattentate verüben? Das ist zumindest die Vermutung der amerikanischen Regierung, was ihr einen Vorwand liefert, die Kartelle zu terroristischen Vereinigungen zu erklären und deren illegale Menschentransporte zu beenden.

„Ich mache, was Sie wollen“, sagt der diensteifrige, hartgesottene CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin), der mit seinem Team zum Auftakt eines inszenierten Kriegs der Kartelle die Entführung einer „Prinzessin“ durchzieht, der 16jährigen Tochter eines Kartellchefs (Isabel Moner). „Das wird unschön“, verspricht Graver. Und als sein Adlatus Alejandro (Benicio Del Toro) nach einem Zwischenfall mit der Entführten allein in der feindlichen Umgebung des Matamoros-Kartells zurückbleibt, löst sich dieses Versprechen ein.

Auf den ersten Blick scheint das Szenario des zweiten Teils der „Sicario“-Trilogie Wasser auf den Mühlen der derzeitigen US-Regierung. Aber Regisseur Stefano Sollima und Drehbuchautor Taylor Sheridan liefern kein republikanisches Propagandakino sondern einen zutiefst pessimistischen, streckenweise brutalen und verstörenden Film, in dem mit einer Ausnahmen alle Figuren verworfen sind, die Guten nur Varianten des Bösen sind.

Jeder wird für den vermeintlich großen Plan zur Zielscheibe und zum Opfer, und der Zuschauer lässt nie die Möglichkeit außer Acht, die Männer des Präsidenten könnten den anfänglichen Terror ermöglicht haben, um ihre Antiterrorpläne durchzuziehen. Alles beim Alten in diesem unerträglichen, ja vorhöllischen „Land der Wölfe“. Vergebung ist hier keine Option.

Sicario 2 Quelle: Studiocanal

Patient Zero. Pandemie. Der Erreger einer Tollwut-ähnlichen Krankheit greift global nach der Menschheit. 7 Milliarden Menschen sind tot oder haben sich in Bestien mit Restverstand verwandelt. Der Rest versucht sich unterirdisch am Leben zu halten. In einem Bunker in Amerika arbeitet Dr. Gina Rose (die vielbeschäftigte Natalie Dormer) an einem Gegenmittel, das man aus dem Blut eines gefangenen „Beißers“ gewinnen will.

Schon als Morgan (Matt Smith) den ersten rasenden Häftling auf den Namen Joe Cocker tauft, ahnt man, dass diese Variante des Horror-Subgenres Zombiefilm eine Enttäuschung werden könnte. Der Verdacht erhärtet sich dann mit jeder folgenden Minute, in der die Helden unterwegs sind auf der Suche nach dem allerersten Infizierten.

Am Ende ist „Patient Zero“ nur einer jener vielen Filme, der den Stars aus der Serie „Game of Thrones“ (Dormer und John Bradley) eine Nebenbeschäftigung bietet. Die seelischen Tiefen der Figuren werden hier nicht ausgelotet, das Spiel mit der Angst wird ohne jede Originalität betrieben. Kaum zu glauben, dass dieser prätentiöse Horrorfilm von Stefan Ruzowitzky gedreht wurde, dem Regisseur überaus tiefgründiger und sehenswerter Filme wie „Die Fälscher“ (2007) und „Die Siebtelbauern“ (1998).

Patient Zero Quelle: Sony

The Oath, erste Staffel. Amerikanische Cops sind hart wie Panzerstahl, so haben uns das unzählige Filme und Zeitungsberichte unter Beweis gestellt. Sie schießen beim geringsten Verdacht, tragen feindselige Sonnenbrillen, und verhalten sich manchmal wie die, vor denen sie die Leute beschützen sollten. Die erste Staffel von „The Oath“ erzählt vom korrupten, bösen Polizisten wie es schon die großartige Serie „The Shield“ tat und der großartige Film „Training Day“ mit Denzel Washington.

Gleich zu Beginn wird die Vorgehensweise der Copgang von „The Oath“ klargemacht. Sie überfallen eine Bank, gehen durch die Hintertür raus und nach einem Garderobewechsel vorne wieder als ermittelnde Polizisten rein. Dabei kennt vor allem der impulsive Cole Hammond (Cory Hardrict) keine Gewaltgrenze. Die Masche wird schwieriger, als das bislang hilfreiche Casino wegen neuer Überwachungsanlagen nicht mehr als Geldwäscherei infrage kommt. Und die guten Kollegen sind den kriminellen Kollegen immer an den Hacken und spannen die Coprobbers unter FBI-Aufsicht als verdeckte Ermittler gegen andere Polizeigangs ein.

Nach einem dramatischen Auftakt wird schnell klar, das Ryan Kwanten („True Blood“) und seine Spießgesellen von den Ravens nicht ganz der Stoff sind, aus dem Qualitätsfernsehen gemacht wird. Die Toughness der Serie verdeckt nur schlecht, dass das gesprochene Wort ebenso wenig Tiefe besitzt wie die allenfalls skizzenhaften Charaktere.

Die Handlung wirkt streckenweise unfassbar unwirklich: Dass man den ehemaligen Boss der Gang („Herr der Ringe“/„Game of Thrones“-Star Sean Bean) aus dem Gefängnis wieder in den Polizeidienst zurückkehren lässt, fällt echt schwer zu glauben, auch wenn Serienschöpfer Joe Halpin zwölf Jahre seines Lebens als Undercover-Polizist verbrachte.

The Oath, erste Staffel Quelle: Sony

Shapeshifter. Mario Sorrentis Schreckensstück „Shapeshifter“ hat einen ungewöhnlichen Auftakt. Ein von Nachtängsten geplagter Junge wird von seinem aus dem Schlaf gerissenen Vater beruhigt. Normalerweise geht in Gruselfilmen das Elternteil danach zurück ins Bett, Schrank oder Fenster öffnen sich erneut und das Böse nimmt zum zweiten Mal Anlauf. Diesmal allerdings wird der Sohn vom Monster direkt aus den Armen des Vaters in den Tod gerissen.

Das Leben von Dr. Mason (Thomas Kretschmann) gilt fürderhin nur einem - sich einen Weg in die Twilight Zone zu bahnen. Der magische Tee einer jungen Seherin wird zu einem Serum entwickelt, ein Portal zu den Toten gefunden, das aber auch dem titelgebenden Gestaltwandler einen Weg in unsere Welt offenbart. Tja, so weit, so 08/15 und ziemlich hanebüchen.

Die Geschichte ist dünn, das pseudowissenschaftliche Blabla des Forschungsteam so leblos, dass man dem Publikum auch Zettel zum Ablesen in die Kamera halten könnte. Sorrentis Versuche, Atmosphäre zu erzeugen gelingen einige Male, auf Dauer aber machen sich das Unfertige von Story und Figuren und der Budgetmangel spürbar.

Nadine Velazquez („My Name is Earl“) als parapsychologisches Medium ist in Jeansshorts die Augenweide des Films. Das lehmartige Monstrum, das nach einer halben Stunde erstmals auftaucht, ist ebenfalls sehenswert. Und trotzdem hätten wir an diesem DVD-Abend besser früher das Portal ins Schlafzimmer genommen.

Shapeshifter Quelle: EuroVideo

Braven. Jason Momoa hat ein entwaffnendes Lächeln, man hat es in „Game of Thrones“ selten, in „Frontiers“ (vor kurzem erschien die dritte Staffel bei Netflix) fast nie gesehen. Hier scheint es ihm vor allem im ersten Filmdrittel aus dem Gesicht eines glücklichen Familienvaters. Danach wird die Geschichte ernst.

Momoa, auch unter den Produzenten des Films, spielt den Holzfäller Joe Braven, der mit Frau Stephanie (Jill Wagner) und Töchterlein Charlotte (Sasha Rossof) sowie dem zunehmend dementen Vater (Stephen Lang) irgendwo im amerikanischen Norden lebt (der Sheriff trägt die US-Flagge auf dem Jackenärmel, der Drehort war das kanadische Neufundland). In der Hütte in den bewaldeten Bergen, in der er eine Aussprache mit seinem Dad plant, wurde eine Ladung aus einem verunglückten Drogentransport versteckt.

Der gewaltaffine Drogenboss (Garret Dillahunt) und seine schießwütigen Gehilfen wollen den Stoff holen und nebenbei die Hüttenbewohner töten. Braven aber hat ein Quad und ist ein guter Bogenschütze, und so nasführt und bekämpft er die Gangster, die bald erkennen müssen, dass sie sich offenbar mit dem John Rambo ihrer Generation angelegt haben, der keine Grenzen kennt, als auch seine Lieben bedroht werden.

Die Geschichte wird zunehmend banane, die wunderschönen Landschaftsaufnahmen können nicht mehr gegenhalten, als Daddy Alzheimer plötzlich wieder okay ist und seinem Sohn eine ganze Weile lang eine scharf schießende Stütze im Gefecht. Der 2016 gedrehte Film, will offenbar vom aktuellen „Aquaman“-Rummel um Momoa profitieren. Auf absehbare Zeit dürfte der charismatische Hawaiianer derartige Rollen nicht mehr annehmen müssen.

Braven Quelle: Universum

Summer of 84. Die Helden von „Summer of 84“ sind vier Jungs, die gerade ihr Spielzeugalter hinter sich haben, die manchmal noch Fangen spielen oder mit ihren Rädern über Stock und Stein brettern. Mädchen sind allerdings das Thema ihrer pubertären Prahlereien - was man alles schon gesehen oder berührt haben will. In ihrem Baumhaus blättern sie staunend in „Herrenmagazinen“ und werden in der langweiligen Kleinstadt allmählich groß. Bis Davey (Graham Verchere) in seinem Nachbarn, dem Cop Mackey (Rich Sommer), den Mörder zu erkennen glaubt, der für das Verschwinden zahlreicher Jugendlicher aus der Region verantwortlich ist.

Den bösen Mitbewohner, dem man auf die Schliche kommen muss, kennt man schon aus vielen Filmen. Dem Kleeblatt aus Freunden, das sich von einer großen Tat Ruhm verspricht, hat Rob Reiner in „Stand by Me“ ein unübertreffliches Denkmal gesetzt. Hier nun bricht sich eine B-Version dieser Personenkonstellation und dieses Plots Bahn –mit wenig stringenten Charakteren, eher mäßig begabten Darstellern, die sich in einer nicht allzu originellen und logischen Geschichte zurechtfinden müssen. Die Synthimusik erinnert in ihren bedrohlichen Momenten an John Carpenters große Zeit, und klingt dann wieder so seicht und seifig wie der Soundtrack eines Achtzigerjahrepornos.

Bevor der Film anläuft, dankt das Regie-Dreigespann Francois Simard, Anouk und Yoann-Karl Whissell dem Publikum, sich für einen Independent-Film entschieden zu haben. Das sei wichtig. Ebenso wichtig ist es aber, dass die Indie-Filmer wissen, wie man Geschichten erzählt und Figuren anlegt. Dann bedauert das Publikum seine Entscheidung hinterher nicht.

Summer of 84 Quelle: Pandastorm/Edel

Von Matthias Halbig

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