Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Wie Kurt Schwitters Hannovers Bühnenwelt prägte

Theatermuseum Wie Kurt Schwitters Hannovers Bühnenwelt prägte

„Kurt Schwitters und die Städtischen Bühnen Hannover“ heißt die Schau, die sich aus der Museumssammlung des Theatermuseums speist und das grafische Erscheinungsbild von Oper und Schauspielhaus anhand von zahlreichen Theaterzetteln, Plakaten und Programmen aus der Zwischenkriegszeit dokumentiert.

Voriger Artikel
Hippie-Ikone Jutta Winkelmann ist tot
Nächster Artikel
Jennifer Rostock spielt in der Swiss Life Hall

Grafikstudium im Theatersessel: Florale Muster hat Kurt Schwitters durch klare Linien ersetzt.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Typografie kann unter Umständen Kunst sein.“ Diese Einsicht, schon von Kurt Schwitters formuliert, hat sehr lange gebraucht, um sich Recht zu verschaffen - und der Typografie Kunstrang. Im „Kosmos Schwitters“ hat das Sprengel-Museum der Druckkunst und Werbegestaltung 2016 immerhin einen Raum gewidmet. Nicht zuletzt weil Hannover dabei besonders wichtig ist, was an Künstlern wie El Lissitzky, Friedrich Vordemberge-Gildewart und eben Schwitters liegt. Dass dieser Ende der Zwanzigerjahre auch das Erscheinungsbild der hannoverschen Theaterwelt geprägt hat, führt jetzt die neue Schwerpunktausstellung des Theatermuseums vor Augen.

Kabinettsschau mit Borsche und Clausen

In seinen Nebenräumen würdigt das Theatermuseum, Prinzenstraße 9, den Schauspieler Dieter Borsche (Bild), der als Tänzer unter Yvonne Georgi am hannoverschen Ballett begann. Außerdem sind Fotos von Rosemarie Clausen zu sehen, die Prominente wie Minetti, Gründgens oder Rühmann zeigen. Alle Ausstellungen starten am 2. März.

Altertümlich wirkende Frakturschrift und florale Muster - so wurden Theaterzettel, Plakate und Programme noch nach dem Ersten Weltkrieg gestaltet. Neue Schrifttypen wie Paul Renners 1927 entwickelte Futura, klare Muster, eingängige Formen - so sah ihre grafische Gestaltung in den späten Zwanzigerjahren aus. Und dieser Wandel ging in Hannover entscheidend auf Kurt Schwitters zurück. Dessen künstlerische Vielseitigkeit würdigt das Theatermuseum mit einer Klangbox, in der eine Variante seiner „Ursonate“ ertönt - ähnlich wie derzeit noch im Sprengel-Museum in einer Klanginstallation.

Theatermuseum würdigt Kurt Schwitters als Pionier der Typografie für die Städtischen Bühnen Hannover.

Zur Bildergalerie

Anders als diese Lautmalerei ist das schwittersche Alphabet seiner Grafikentwürfe aus klaren, einfachen und wiederkehrenden Mustern zusammengesetzt. Da sind die Grundfarben Rot und Blau auf meist weißem Grund sowie geometrische Grundmuster zu sehen - und stets ein Logo, nämlich das dreiblättrige Kleeblatt aus dem hannoverschen Stadtwappen. Tatsächlich ging es für Schwitters um mehr als nur die Gestaltung von Theaterdruckwerken: Im Auftrag der Stadt hat er deren ganzem grafischen Auftreten - von der Geburts- bis zur Einäscherungsurkunde - ein einheitliches Erscheinungsbild verpasst. „Corporate Design“ würde man das heute nennen.

Das lässt sich nun im Theatermuseum anhand der Bühnendruckwerke in rund einem Dutzend Vitrinen studieren. Und wer will, kann auch in Faksimiles der Theaterprogrammhefte blättern und dabei gleichsam alten Bekannten begegnen. Denn diese Hefte enthalten stets auch Reklame - für I. G. von der Linde, für „Uihlein - das große Tapeten-Kaufhaus“ und nicht zuletzt für Bahlsen. „Das war der Hauptsponsor der Städtischen Bühnen“, sagt Museumschef Carsten Niemann - weshalb auf dem Titel der Programmhefte stets auch Bahlsens „Tet“-Zeichen prangte - und die Rückseite dann ganz der Keksreklame gewidmet war.

„Noch liebt die Menschheit, die immer in veralteten Formen denkt, die Form der neuen Zeit nicht“, schrieb Schwitters 1931. Er glaubte aber zu ahnen, dass die neuen Formen „später einmal allgemein“ werden. „Dann wird man uns alle aus unseren Verstecken herausholen.“ Nicht ahnen konnte er, wie schwer es „der neue Stil“ und er selbst in Deutschland haben würden. Unter den Nazis ordnete Oberbürgermeister Arthur Menge am 10. Juni 1933 die „dem deutschen Wesen gemäße“ Frakturschrift an. Und Schwitters musste wie viele andere das Land verlassen.

Auch die Futura des gleichfalls verfemten Typografen Paul Renner hatte zunächst unter den Nazis keine Zukunft. Ihren internationalen Siegeszug trat sie erst in der Nachkriegszeit an.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Marius Müller-Westernhagen in der Tui-Arena

Marius Müller-Westernhagen spielt vor 10.000 Menschen in der ausverkauften Tui-Arena.