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Wie klingt das Musikland Niedersachsen?

Soundscouts Wie klingt das Musikland Niedersachsen?

Vom Wiehern der Pferde bis zum dröhnenden Flugzeug: Mit der Sommerkampagne "Sound­scape Niedersachsen" wollen 18 "Soundscouts" herausfinden, wie das Musikland Niedersachsen klingt.

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So klingt Langenhagen: Malte Brede und Friederike Bruns nehmen Pferdegetrappel auf.

Quelle: Rainer Surrey

Erst will es nicht wiehern und dann auch noch den Windschutz vom Mikrofon futtern. Es ist gar nicht so einfach, ein Pferd auf Band aufzunehmen. Und als das Tier schließlich doch noch Laute von sich gibt, dröhnt aus dem Nachbarstall eine laute Kreissäge dazwischen. Etwas geknickt drückt Friederike Bruns, die auf der Galopprennbahn Neue Bult eigentlich bei den Pferden den Klang von Langenhagen einfangen wollte, an ihrem Aufnahmegerät den Ausknopf und verlässt den Stall. Zum Abschied wiehert ihr eine Stute dann doch noch nach. Es klingt ein bisschen spöttisch. Aber Klänge lassen sich ja so oder so interpretieren.

Alles nicht so schlimm. Der Besuch der beiden hannoverschen Musikstudenten Friederike Bruns und Malte Brede beim Galopptraining ist schließlich eine Probe. Richtig los geht es für die beiden 22-Jährigen und weitere 16 sogenannte „Soundscouts“ erst am morgigen Sonnabend. Dann fahren die Teilnehmer der Sommerkampagne „Sound­scape Niedersachsen“ mit zehn Kleinfahrzeugen zwei Wochen lang quer durchs ganze Land, um Geräusche aufzunehmen. Sie wollen herausfinden, wie das Musikland Niedersachsen klingt. Die aufgenommenen akustischen Impressionen sollen anschließend im Internet auf einer Karte ( www.soundscape-niedersachsen.de) verortet werden und von jedermann abgehört werden können. In Langenhagen klingt Niedersachsen an diesem Morgen eben nach Pferden. Und nach Kreissägen.

„Am Ende werden im Internet die verschiedensten Dinge zu hören sein“, sagt Lydia Grün von der Organisation Musikland Niedersachsen, die das Projekt initiiert hat. So wird ein Studententeam etwa auf Langeoog versuchen, singenden Sand aufzunehmen. Auch einem Vogel in Lüneburg, der angeblich Mendelssohns „Italienische Symphonie“ trällern kann, wollen die „Soundscouts“ einen Besuch abstatten. Tipps und Hinweise bekommen die Teams von den Menschen im Land. Wer einen besonderen Klang kennt, der etwa mit einer Region in Niedersachsen, einem Ort oder einem Ereignis in Verbindung steht, kann diesen ­telefonisch oder übers Internet den „Soundscouts“ empfehlen.

Persönliche Lieblingsklänge habe ja jeder irgendwie, meinen die beiden Studenten während des Testlaufs in Langenhagen. Friederike Bruns mag es zum Beispiel, wenn sie zu Hause sitzt und ein Schlüsselgeräusch von der Wohnungstür her hört. „Dann weiß ich, dass da gleich jemand kommt, den ich mag“, sagt sie. Das hat nichts mit Niedersachsen zu tun? Irgendwie doch. Schließlich scheint sich die aus Süddeutschland stammende Studentin in ihrer WG in Hannover bestens eingelebt zu haben. Auch darauf kommt es den Studenten an: auf die Geschichten hinter den Klängen.

Auf der Langenhagener Galopprennbahn hat die Kreissäge mittlerweile aufgehört zu kreischen. Ideale Voraussetzungen also für den nächsten Versuch, die Pferde zumindest beim Traben nach dem Training auf die Tonspur zu bekommen. Gemächlich klappern die ersten Hufe übers Pflaster. Doch wieder stört ein Fremdgeräusch die Aufnahme. Es ist das Dröhnen eines Flugzeugs, das direkt über Pferden und Studenten soeben auf den benachbarten Flughafen zur Landung ansetzt.

Auch nicht schlimm. Dieser Klang gehört bekanntlich zu Langenhagen. Niedersachsen besteht eben nicht nur aus idyllischem Hufklappern und Vogelsingsang. Das Industrieland ist akustisch wesentlich vielfältiger. Für Friederike Bruns und Malte Brede dürfte dies eine wichtige Erkenntnis vor dem morgigen Start sein. Sie werden die Ohren für alles offenhalten.

Klangideen können per Telefon, (05 11) 64 27 92 22, oder im Internet, www.soundscape-niedersachsen.de, abgegeben werden.

Stephan Fuhrer

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