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Weihnachtskonzert

Wiener Sängerknaben im Theater am Aegi

Von Stefan Arndt

Auch ohne Hut gut: Die Wiener Sängerknaben geben ein Weihnachtskonzert im Theater am Aegi in Hannover.
Mit Haltung: Sängerknaben im Aegi.

Mit Haltung: Sängerknaben im Aegi.

© Florian Wallenwein

Man muss Geduld haben, wenn man einen Blick hinter die Masken werfen will. Die zwei Dutzend Jungen auf der Bühne des nicht ausverkauften Theaters am Aegi gehören schließlich der berühmtesten Boygroup der Welt an: Die Wiener Sängerknaben blicken auf eine Ehrfurcht erweckend lange Tradition zurück, Franz Schubert war einer von ihnen, da fällt man nicht einfach aus der Rolle. So tun sie in vorbildlicher Gefasstheit, was man in aller Welt von ihnen erwartet: schön singen und possierlich aussehen. Die berühmten Matrosenmützen hatten in Hannover zwar leider Ausgang, aber sonst ist es ein Abend wie aus dem Bilderbuch: Die weißen Hemden mit dem blauen Kragen sind frisch gestärkt und so makellos rein wie die Stimmen ihrer Träger. Das passt gut zu den gezierten Bewegungen des Chorleiters Andy Icochea Icochea (der die Jungen auch routiniert am Flügel begleitet) und zu einem Programm mit den größten Weihnachtshits verschiedener Jahrhunderte und Kontinente. Von Praetorius’ „Es ist ein Ros entsprungen“ über barocke Motetten italienischer Kleinmeister bis hin zu amerikanischen Gospels ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Ein musikalisches Profil muss schließlich nicht erkennbar sein – es reicht ja, einen Blick auf den Chor zu werfen, um ihn zweifelsfrei zu identifizieren: So professionell wie der Wiener sieht kein anderer Knabenchor aus.

Leider hört man der Musik die Konzentration auf die richtige Handhaltung beim Chorsingen an: Oft klingen die Stücke genauso pflichtbewusst und steif, wie die Jungen auf der Bühne stehen.

Darum wartet man sehnsüchtig auf das, was man sonst im Konzert zu ignorieren gewohnt ist: einen Fehler. Nach eineinhalb Stunden ist es dann endlich so weit. Kapellmeister Andy Icochea Icochea hat fünf Knaben vor das Klavier beordert, wo sie ein Stück seiner peruanischen Heimat auf der Panflöte begleiten sollen. Vier erledigen das in der gewohnten Perfektion, der fünfte und kleinste aber kommt aus dem Takt. Er blickt erst Hilfe suchend zu den Großen links und rechts und dann beschämt zu Boden. Man merkt, dass diese Knaben auch normale Jungen sind – und kann sich umso mehr für ihre außergewöhnlichen Fertigkeiten begeistern. Wenn die Zuhörer dann auch noch in der Zugabe mitsingen dürfen, ist das Glück komplett – die Masse macht endlich auch Musik.

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