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Greser und Lenz gewinnen Karikaturenpreis

Wilhelm-Busch-Museum Greser und Lenz gewinnen Karikaturenpreis

Die AfD, Putin, Burkas: Nichts und niemand ist vor der Feder des Satirikerduos Achim Greser und Heribert Lenz sicher. Die beiden Künstler erhalten den zehnten Karikaturenpreis der Bundesrechtsanwaltskammer. Dieser wurde erstmals in Hannover verliehen. 

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Die Satiriker Achim Greser und Heribert Lenz gewinnen den Karikaturpreis.

Quelle: Greser und Lenz/Wilde/Montage

Hannover. Wer wirklich einen Satirepreis verdient, von dem darf man auch eine satirische Reaktion darauf erwarten. „Die Preisvergabe hat uns nicht überrascht“, behauptet Achim Greser denn auch keck - und fügt eine überraschende Erklärung hinzu: „Schließlich stammen wir aus schwierigen sozialen Verhältnissen, haben uns jahrelang als Kaugummiautomatenknacker über Wasser gehalten und damit auch viele Anwälte in Brot gebracht - da ist dieser Preis eine kleine Wiedergutmachung.“

Dieser Preis, das ist der Karikaturenpreis, den die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) jetzt zum zehnten Mal und erstmals in Hannover verliehen hat. Und das Understatement und die Ironie, die freche Selbststilisierung zu Desperados und überhaupt die Respektlosigkeit, mit der Greser die Auszeichnung quittiert - all das zeichnet auch die Karikaturen aus, die er gemeinsam mit Heribert Lenz zeichnet, mit dem er seit 20 Jahren das Duo Greser & Lenz bildet.

Achim Greser und Heribert Lenz, deren Karikaturen noch bis März im Wilhelm-Busch-Museum ausgestellt werden, gewinnen den 10. Karikaturenpreis der Bundesrechtsanwaltskammer.

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Im Wilhelm-Busch-Museum hat das Künstlerduo jetzt zur Preisvergabe noch eine Kabinettsausstellung sowie wohlwollende Worte von BRAK-Vizepräsident Thomas Remmers und vom Juryvorsitzenden Ulrich Scharf erhalten. „Dieser Preis“, sagt Scharf, „gilt jenen, die nicht an der Oberfläche bleiben und gegen den Strom schwimmen, die sich mit spitzer Feder für jene einsetzen, die keine Stimme haben, für Schwache, Behinderte, Unterdrückte.“ Gisela Vetter-Liebenow, Direktorin des Museums und in der Auswahljury, nennt Greser & Lenz „Karikaturisten im besten Sinne“. „Wie die beiden sich gegen Zeitgeist und politische Korrektheit stemmen, das braucht eine Demokratie, um sich lebendig zu entwickeln - und dieses Duo weiß stets den wunden Punkt zu treffen und das befreiende Lachen auszulösen.“ Am Abend, bei der Verleihung des mit 5000 Euro dotierten Preises, hebt Andreas Platthaus, Feuilletonredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und gleichfalls Jurymitglied, in seiner Preisrede noch die „Dreistesblitze“ der beiden sowie ihren „Wagemut vor Fürstenthronen“ hervor. „Lieber als Politikern schauen sie dem Volk aufs Maul und dokumentieren dann, was es über die Mächtigen denkt.“

Ebenso diplomatisch wie satirefrei (so verschieden können Künstler sein) reagiert Heribert Lenz auf solches Lob - und bedankt sich artig, in den Kreis so illustrer und internationaler Preisträger aufgenommen worden zu sein. Immerhin hat die Bundesrechtsanwaltskammer vor den beiden schon Ronald Searle, Tomi Ungerer und Edward Sorel, Marie Marcks, Gerhard Haderer, R. O. Blechman und Gerald Scarfe, Hans Traxler und Steve Bell ausgezeichnet.

Und nun also erstmals ein Künstlerduo. Greser & Lenz sind zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die über die Jahrzehnte hinweg - man kennt sich schon seit dem Grafikstudium in Würzburg und aus der Redaktion der Satirezeitschrift „Titanic“ - doch zu einem für Außenstehende nicht unterscheidbar gemeinsamen Witz- und Zeichenstil gefunden haben. „Unsere Ideen entwickeln wir zusammen, und einer führt sie dann aus“, erläutert Lenz die Arbeit der zwei, die sich nicht nur ein Atelier, sondern auch ein Wohnhaus teilen. Ein Job von neun bis fünf Uhr? „Na klar“, behauptet Greser. „Wir sind eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit allem, was dazu gehört, natürlich auch mit Stechuhr.“ Keine Ausflüge ins nahe Frankfurt oder Würzburg oder wenigstens in die Szene ihres Wohnorts Aschaffenburg? „Inspiration abends in der Kneipe und am nächsten Morgen dann mit dickem Kopf ans Zeichenbrett?“, fragt Greser und winkt ab: „Diese Zeiten haben wir längst hinter uns gelassen.“

Auch als freiberuflicher Künstler sei inzwischen eng getaktet, wer im Geschäft bleiben wolle. Diesen Takt geben die Medien vor, für die beide regelmäßig zeichnen. Deren Tempo habe sich im Zeitalter des Internets merklich beschleunigt. Und genauso schnell wechselten auch die Themen, denen man sich dabei zu widmen habe. „Wir müssen sehr genau überlegen, welche Themen auch nach 48 Stunden noch aktuell sind.“

Die Ausstellung „Witze für Deutschland“ zeugt davon, dass dies den beiden nicht schlecht gelingt. Die rund 60 Karikaturen stammen fast durchweg von 2015 und 2016. Und sie zeugen davon, dass Greser & Lenz ein großes Spektrum an politisch-gesellschaftlichen Themen und an satirischen Techniken aufzubieten haben. Oft - etwa bei dem Putin zugeschriebenen Lob für Steinmeier - geht der Witz aus der Sprechblase hervor, bisweilen auch aus der Konfrontation von Bild und Text: „Ein neues Staatsvolk“ lautet beispielsweise der lakonische Titel eines Aquarells, das zwischen einem Papagei und einer Taube ein rotes Liebesherzchen setzt. Die aktuellen Arbeiten des Künstlerduos hat Gisela Vetter-Liebenow noch durch Motive aus einer Serie von 1994 ergänzt. Die haben Greser und Lenz damals mit Christian Schmidt und Hans Zippert auf die Beine gestellt - und damit bewiesen, dass selbst die Realsatire, die die SPD mit der „Urwahl“ von Rudolf Scharping zum Kanzlerkandidaten aufgeführt hat, noch satirefähig sein kann: „Die roten Strolche“ hieß die 1994 in der „Titanic“ gedruckte Serie des Satirequartetts. Dass sie 1996 vom Wilhelm-Busch-Museum angekauft werden konnte, hat übrigens ein Mann ermöglicht, der zwei Jahre zuvor bei der Kanzlerkandidatenkür Scharping unterlegen war. „Ohne Gerhard Schröders Unterstützung“, sagt Vetter-Liebenow, „wäre dieser Ankauf nicht möglich gewesen.“

Ein Satiriker, wer Böses dabei denkt.

„Greser & Lenz: Witze für Deutschland“. Bis 26. März 2017 im Wilhelm-Busch-Museum.

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