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Wilhelm-Busch-Museum zeigt Charlie Hebdo

Jahresprogramm vorgestellt Wilhelm-Busch-Museum zeigt Charlie Hebdo

Fünf Ausstellungen und eine neue Sammlungspräsentation: Das Wilhelm-Busch-Museum gibt eine klare Antwort darauf, was Satire darf – und präsentiert ein engagiertes Jahresprogramm.

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Gewichtiges Werk: Ein ganzer 
„Charlie Hebdo“-Jahrgang in den Armen 
von Museumschefin Vetter-Liebenow.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. In Zeiten wie diesen liegt in unserer Arbeit eine besondere Herausforderung“, sagt Gisela Vetter-Liebenow – und fügt unter Hinweis auf das Attentat auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hinzu: „Das hat uns im Tiefsten erschüttert.“

In den vergangenen Tagen hat die Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums zusammen mit ihrem Team überlegt, wie man auf den mörderischen Anschlag reagieren sollte – und setzt nun einen über deutsche Grenzen hinausgehenden Impuls: Unterstützt durch Antenne Metropol, das Netzwerk des Institut français, und in Zusammenarbeit mit den Karikaturenmuseen in Frankfurt und Kassel, im österreichischen Krems und im schweizerischen Basel initiiert das Wilhelm-Busch-Museum eine Online-Schau zur „Charlie Hebdo“.

Sie soll Karikaturen und Zeichner des Satiremagazins ebenso zeigen wie die aktuellen Reaktionen auf ihre Arbeit und auf den Anschlag. „Wir müssen natürlich für die Freiheit der Kunst einstehen, aber wir werden uns nicht auf das Thema Religionskritik beschränken“, sagt die Museumsdirektorin. Die Präsentation solle zeigen, mit welchen sozialen Themen und zeichnerischen Techniken sich das Magazin beschäftigt und auch den hohen Stellenwert der Karikatur in Frankreich verdeutlichen. „Französische Karikaturisten gehen traditionell sehr drastisch, scharf und polemisch mit dem Gegenstand ihrer Kritik um – das geht oft bewusst unter die Gürtellinie.“ Deshalb sei es wichtig, Zusammenhänge solcher Kritik verständlich zu machen. Und verdeutlichen soll die Online-Ausstellung auch, dass Karikaturen, die im Zeitalter des Internets rasch globale Wahrnehmung erlangen können, in anderen Kulturkreisen eine andere Wirkung oder Missverständnisse hervorrufen können. Noch dauern die Vorbereitungen für diese Ausstellung an, sie soll im März online gehen.

Bei der Präsentation dieser Pläne wird die Museumschefin übrigens auch nach Sicherheitserwägungen für das im Georgengarten exponierte Haus gefragt. „Wir passen schon genauer auf“, sagt Vetter-Liebenow und betont, man sei in stetem Kontakt zu Landeskriminalamt und Polizei. „Beim Ausstellungsgespräch mit Ralf König vor einer Woche wachten Polizisten rund ums Georgenpalais.“ Weitere Sicherheitsmaßnahmen ziehe man nur in Betracht, falls sich die Lage verschärfe.

Das wachsende Renommee des Wilhelm-Busch-Museums ist derzeit an der wachsenden Zahl von Künstlern ablesbar, die dem Haus ihr Werk überantworten. Zuletzt hat die Zeichnerin Marie Marcks dort ihren Vorlass untergebracht. Auch die Nachlässe von Volker Kriegel, Friedrich Karl Waechter und Ronald Searle wird hier aufgearbeitet – und erste Einblicke in das Werk dieses britischen Karikaturisten soll es ab Februar wiederum in einer Online-Präsentation geben.

Der Erfolg des Hauses schlägt sich außer in interessanten Ausstellungen und engagierten Vermittlungsprogrammen auch in den Publikumszahlen nieder: 2014 wurden 65 000 Besucher in dem Haus gezählt, das 2011, ein Jahr bevor Gisela Vetter-Liebenow die Leitung übernommen hat, nur 35.000 Besucher hatte. Ob sich das noch steigern lässt?

Eines steht für schon 2016 fest: Es soll dann eine große Ausstellung über Chancen und Grenzen der Satire geben. „,Was darf die Satire?’, lautet mein Arbeitstitel“, sagt die Kunsthistorikerin.
Und? Gilt Kurt Tucholskys Antwort auf diese Frage noch immer? „Aber ja“, sagt Gisela Vetter-Liebenow lachend. „Alles!“     

Fünf Ausstellungen – und eine neue Sammlungspräsentation

Szenenwechsel 2015 – neue Sammlungsausstellung: Die Dauerausstellung des Museums ist komplett neu konzipiert worden und zeigt besondere Meisterwerke aus der Sammlung. Darunter sind auch noch nie gezeigte Ölbilder von Wilhelm Busch aus neuen Schenkungen oder Dauerleihgaben, Karikaturen von Georg Haderer und erstmals Auszüge aus dem Ronald-Searle-Archiv des Hauses (Start: 1. Februar).

Lichtenberg reloaded – eine Hommage: Dem Gelehrten Georg Christoph Lichtenberg, der für seinen Humor und seine geistreichen Aphorismen berühmt ist, haben sich viele Zeichner gewidmet. Die Ausstellung zeigt zahlreiche eigens hierfür entstandene Arbeiten einer neuen Künstlergeneration, aber erstmals auch Werke aus den berühmten Lichtenberg-Zyklen von Horst Janssen, Rainer Ehrt und Robert Gernhardt gemeinsam (8. März bis 25. Mai).

„Ja, wenn man das so sieht ...“ – Wilhelm Busch und Kai Wetzel: Der Fotograf Wetzel scheint bei seinen Landschaftsbildern von den Gemälden Wilhelm Buschs inspiriert zu sein. Obwohl beide Künstler mehr als ein Jahrhundert voneinander entfernt sind, zeigt die Konfrontation ihrer Werke einen erstaunlich ähnlichen Blick auf die Natur – womit diese Ausstellung ein spannungsvolles Aufeinandertreffen von Zeichnung und Fotografie, Geschichte und Gegenwart bietet (8. März bis 25. Mai).

Ingo Siegner: Kinderbuchillustrationen: Der hannoversche Zeichner und Kinderbuchautor ist besonders durch die Figur des Drachen Kokosnuss international bekannt geworden, dessen Abenteuer 2014 auch verfilmt wurden. Die Ausstellung gibt über die Drachenfigur hinaus Einblick in Siegners gesamtes Schaffen und zeigt die originalen Zeichnungen aller Figuren (31. Mai bis 11. Oktober).

Marie Marcks: Karikaturen und Grafiken: Diese Ausstellung präsentiert einen Querschnitt aus dem zeichnerischen Werk, das die berühmte, über Jahrzehnte hinweg gesellschaftlich engagierte Karikaturistin im Mai 2014, gut ein halbes Jahr vor ihrem Tod, dem Museum übergeben hat. Darunter sind viele Highlights, etwa das Original der gezeichneten Marie-Marcks-Autobiografie „Marie, es brennt!“ (31. Mai bis 11. Oktober).

Going West! Der Blick des Comics Richtung Westen: Diese von dem Kunsthistoriker und US-Comicexperten Alexander Braun kuratierte Ausstellung beschäftigt sich mit dem Westwärtsmythos in US-amerikanischen und europäischen Westerncomics. Mehr als 100 Jahre Comicgeschichte ermöglichen hier auch einen Blick auf die Evolution von Zeichenstilen und auf die Wahrnehmung der Landnahme im amerikanischen Westen (18. Oktober 2015 bis 21. Februar 2016).     

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