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So widerborstig sind die Karikaturen von Haderer

Wenn die Haare von Trump fliegen So widerborstig sind die Karikaturen von Haderer

Widerborstig gegen Gott und die Welt: Das Wilhelm-Busch-Museum zeigt Karikaturen von Gerhard Haderer. Zu sehen sind rund 100 Werke des Österreichers, der als einer der wichtigsten Karikaturisten unserer Zeit gilt. 

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Quelle: Haderer/Collage

Hannover. Wo Haderer ist, sind die Päpste nicht weit. Etwa in seinem Gemälde „Messias im Vatikan“. Da versohlt Jesus persönlich dem Papst den Po, im Kreise indigniert dreinschauender Kardinäle. Zwei Meter lang ist das opulente Ölgemälde. Im Stile alter Meister schwelgt Haderer in Hell-Dunkel-Effekten, den Kirchenfürsten legt er einen Rembrandtschen Glanz in die Augen. Ein Bild, als hätte Caravaggio in einer angeschickerten Stunde Manfred Deix den Pinsel geführt.

„Kirche ist mein Angriffsziel“

„Es gab da vielleicht mal einen vernünftigen jungen Mann“, sagt Gerhard Haderer im Wilhelm-Busch-Museum mit Blick auf Jesus, „doch die Kirche drum herum ist mein Angriffsziel, seit ich denken kann.“ Haderer ist stramm antiklerikal, Religion ist seine Obsession. Eine Satire, die Jesus als Weihrauch-Kiffer zeigte, hätte ihn in Griechenland vor Jahren fast ins Gefängnis gebracht.

Haderer vor seinem Werk "Messias im Vatikan".

Quelle: Drosee

Das Busch-Museum zeigt in der Ausstellung „Think Big!“ jetzt rund 100 Werke des Österreichers, der als einer der wichtigsten Karikaturisten unserer Zeit gilt. Seine erste Ausstellung dort hatte er 1994: „Ich war unglaublich aufgeregt“, sagt der 65-Jährige. Die aktuelle Schau zeigt auch großformatige Gemälde: „Als wir sie ausgepackt haben, hat es uns fast umgehauen“, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow. Tatsächlich sind die Großgemälde überwältigend.

Sonst kommen Karikaturen ja meist illustriertenkompatibel daher, im Kleinformat. Haderer selbst war 25 Jahre beim „Stern“. Jetzt hat er die Zusammenarbeit aufgekündigt und stattdessen in Linz eine „Schule des Ungehorsams“ gegründet. Der Widerborstigkeit bleibt er treu, und seine widerborstigen Werke schärfen den Blick für den Wahnsinn der Welt.

Das Wilhelm-Busch-Museum zeigt Karikaturen von Gerhard Haderer.

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Da lassen sich dekadente Europäer auf einer Badeinsel dahintreiben, während Flüchtlinge im Meer uns Überleben kämpfen. Bei einem olympischen „Einmarsch der nicht Gedopten“ schlendern fettleibige Sprinter neben spindeldürren Gewichthebern. Und als Schweinepest und Vogelgrippe vor Jahren für Hysterie sorgten, schuf Haderer Tierkarikaturen zum Thema „Wovor wir außerdem noch Angst haben sollten“: vor Hasenmigräne nämlich, vor Hühnerhusten und Muschelschnupfen.

Technische Paradiese

Komisches Potenzial entsteht ja überall dort, wo das ganz Große und das ganz Kleine aufeinander treffen. Päpste und Popoklatsch eben. Oder die US-Präsidentschaft und Donald Trump. „Ein verhaltensauffälliger Präsident mit einer äußerst attraktiven Frisur - das ist ein Angebot, das ein Karikaturist nicht ablehnen kann“, sagt Haderer - und porträtiert Trump als tumben Vollpfosten.

Parallel dazu zeigt das Museum in der Ausstellung „Technische Paradiese“, wie Karikaturisten des 19. Jahrhunderts sich die Zukunft vorstellten: Mit einer Mischung aus Euphorie und Skepsis malten sie sich Maschinenmenschen aus, Eisenbahnen wie Feuerdrachen oder dampfbetriebene mechanische Pferde. Eine Zeichner ersann 1847 „Sicherheitstrachten für Reisende“. Darin tragen Eisenbahnpassagiere groteske Ganzkörperpolster. Die Idee könnte von Haderer sein.

Die Haderer-Schau:

Im Wilhelm-Busch-Museum im Georgengarten bis zum 9. Juli. Infos: (05 11) 16 99 99 11

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