Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Wim Wenders stellt seinen Papstfilm vor
Nachrichten Kultur Wim Wenders stellt seinen Papstfilm vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 17.06.2018
Wim Wenders erklärt seinen Film in Hannover. Quelle: Florian Petrow
Anzeige
Hannover

Nach langem Applaus des Publikum kommt die Frage, die kommen muss: Warum ausgerechnet Wim Wenders? Der Regisseur, der nach Vorpremiere seines Films „Papst Franziskus: Ein Mann seines Wortes“ in schwarzem Anzug und gestreiftem Hemd vor die Leinwand tritt, zuckt mit den Achseln. Diese Frage würde ihm auf seiner derzeitigen Vorstellungstour durch die USA und Deutschland zu dem Film am meisten gestellt. Aber er wüsste es auch nicht so genau. Er wüsste noch nicht einmal, wer außer ihm auf der Liste der angefragten Regisseure gestanden hätte. „Ich habe gefragt: War Scorsese auch dabei?“ Doch der Vatikan hüllte sich auch ihm gegenüber in Schweigen.

Es ist, auch wenn „Franziskus: Ein Mann eines Wortes“ nicht unbedingt eine Sensation geworden ist, eine Sensation, dass ein Papst einen Filmemacher einlädt, in ausschweifenden Interviews mit ihm zu sprechen. „Das ist ein Zeichen der neuen Kommunikationspolitik des Vatikan unter Franziskus“, meint Wenders. Acht Stunden Interviewmaterial hätte es am Ende gegeben, der „Optimismus“ und die „Fröhlichkeit“ des Papstes hätten im imponiert. „Ich wollte nicht für mich alleine haben“, sagt Wenders, „dass der Papst mir in die Augen schaut und mit mir redet.“ Wenders hat seine Gespräche mit dem Papst mit einem Teleprompter-Arrangement so gedreht, dass dieser nicht den Interviewer anschaut – sondern sich direkt ans Publikum wendet.

Wichtig war Wenders auch, das Leben des Namensgebers von Papst Franziskus, des Heiligen Franz von Asissi, in den Film einzubauen – als Film im Film. „Ich bin katholisch aufgewachsen“, sagt Wenders im Nachgespräch im Astor-Kino zu dem Film, „und der einzige Heilige, der meine Phantasie immer wieder anregte war Franz von Assisi.“

Immer wieder betont der Regisseur, dass es seitens des Vatikan keinerlei Einmischung in seinen Film gegeben hätte, weder finanziell noch künstlerisch. „Das hat man mir ganz am Anfang zugesichert – und das wurde auch eingehalten. Obwohl ich mir manchmal schon ein wenig Feedback gewünscht hätte.“ Der Papst hätte den Film übrigens noch nicht gesehen – die Kommunikationsabteilung des Vatikan hätte sich allerdings zufrieden gezeigt.

Kein Wunder: Sein Film, sagt Wenders, sei ein Eintauchen in die utopischen Gedanken des Papstes. Es eine Utopie, die Franziskus den Menschen böte – in Zeiten, in denen es kaum andere Utopien gäbe. „Ich wollte“, sagt der sich selbst als ökumenischen Christen bezeichnende Dr. h.c. der Theologie Wenders, „keinen Film drehen, der für oder gegen etwas ist. Meine Art Filme zu machen ist immersiv. Ich versuche in meinen Dokumentationen in etwas, was ich mag, zu verschwinden. Auch mit der Meinung, die dich dazu habe.“

Das Publikum jedenfalls – in dem auch einige Nonnen vertreten sind – hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: Es gibt nicht nur langen Applaus. Sondern auch viele Versicherungen seitens der Fragesteller an den Regisseur, dass der Film „berührend“ gewesen sei. „Ich denke“, sagt Wenders, „dass der Film das Leben aller Beteiligten verändert hat.“

Von Jan Fischer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„ABC der Demokratie“ auf der Cumberlandschen Bühne: Carolin Emcke und Eva Illouz sprechen über Gefühle im politischen Diskurs

17.06.2018

Rücksturz in die Studio-54-Ära. Gitarrist Nile Rodgers ruft das Comeback der Discolegende Chic aus. Im September kommt das Album „It’s about Time“. Das war 2015 schon einmal angekündigt gewesen. Die erste Single „Boogie All Night“ ist lässig, jazzig, sommersüffig und altmodisch.

14.06.2018

Patient oder Therapeut – oder beides? Das Theater an der Glocksee hinterfragt im Stück „Der letzte Nerv“ von Lena Kußmann vor ausverkauftem Haus die Ansprüche der Leistungsgesellschaft.

14.06.2018
Anzeige