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Winnie Böwe sang mit dem Salonorchester Unter'n Linden

Schauspielhaus Winnie Böwe sang mit dem Salonorchester Unter'n Linden

Der Saal war nur halb voll, aber die Stimmung bestes: Die Berliner Schauspielerin Winnie Böwe war mit einem Salonorchester zu Gast im Schauspielhaus – und hat nur ganz am Ende einen kleinen Fehler gemacht.

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In ihr klingt ein Lied. Und das muss raus: Winnie Böwe auf der Schauspielbühne.

Quelle: Foto: Heidrich

Hannover.  Sie brauche keine Millionen, hatte Winnie Böwe mit dem Titel ihres Neujahrskonzerts versprochen. Sie war auch mit den gut gelaunten Besuchern zufrieden, die das hannoversche Schauspielhaus halbwegs füllten. Dass am Neujahrsabend nicht noch mehr Neugierige gekommen waren, überraschte aber doch, denn die Sängerin und Schauspielerin ist nebenan in der Staatsoper eine gefeierte „Fair Lady“ und eine geheimnisvolle „Lady in the Dark“. 

Zwei Proben aus diesen Erfolgsmusicals dürfen natürlich nicht fehlen, aber am Anfang steht in bester Wiener Neujahrskonzerttradition die Schnell-Polka „Unter Donner und Blitz“, bei der Winnie Böwe kunstfertig das Donnerblech schüttelt: ihre Art, das „Salonorchester Unter'n Linden“ zu verstärken. 

Dahinter verbergen sich Mitglieder der Berliner Staatskapelle, die sich als Arrangeur und Pianisten einen Kollegen vom Deutschen Theater erwählt haben: Uwe Hilprecht ist in Berlin eine kleine Theater- und Schauspielmusiklegende. Er hat sich für seine acht Mitstreiter raffinierte Arrangements einfallen lassen. Das Streichquintett, das von Klarinette, Flöte und Schlagzeug unterstützt wird, klingt zwar wie eine Kurkapelle, aber wie eine, die nur für Privatpatienten aufspielt. 

Klarinettist Matthias Glander erprobt sich auch als Conferencier und steuert zu Beginn der zweiten Programmhälfte eine kunstfertige Wiedergabe von Artie Shaws jazzigem Klarinettenkonzert bei, bei der Drummer Andreas Haase der rhythmussichere Partner ist. 

Winnie Böwe preist auf ihrer Homepage dieses Programm als „ideal für den konservativen Kenner“ an: „aber mit Witz und Biss!“. Kenntnis schadet nicht, aber nicht jeder, der sich gerne an Unterhaltungsperlen der Vergangenheit erinnert, muss deshalb konservativ sein. Dass allerdings die berühmte „kleine Konditorei“ in der französischen Hauptstadt zu finden war, wissen wirklich nur Filmkenner. 

Die Berliner Truppe entführt die Zuhörer nicht nur nach Pankow und Paris, sondern auch in Jacques Offenbachs „Unterwelt“ und vor die „schwarzen Augen“, die Winnie Böwe hinreißend als Ballhaustragödin beschwört. Und wenn sie da mit den High-Heel-Pumps leidenschaftlich aufstampft, muss sie erst mal das lange Röckchen lupfen. 

Diese Frau kann ja nicht nur singen und spielen, sondern auch umwerfend die Schmalspurdiva markieren, wenn sie zu den Noten von Chopins E-Dur-Etüde beteuert, in ihr klinge ein Lied. Und das muss raus. 

Wir hören den populären „Säbeltanz“ als Exemplarnummer, lassen uns von Friedrich Holländers wehmütiger „kleinen Sehnsucht“ berühren und folgen Böwe für die Zugabe gerne in „eine Nacht voller Seligkeit“. Dass die Gäste aus der Hauptstadt zum Abschluss mit „Unter Linden“ und der Beschwörung der „Berliner Luft“ die Berlinbegeisterung der Niedersachsen vielleicht doch überschätzen, schmälert die Zustimmung nicht.

Von Rainer Wagner

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