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Kultur Witwe von Robert Enke wehrt sich gegen Berliner Theaterstück
Nachrichten Kultur Witwe von Robert Enke wehrt sich gegen Berliner Theaterstück
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18:58 07.01.2013
„Schwarzer Hund“: Michael Klammer und Aenne Schwarz als Torwart und Frau. Quelle: Maxim-Gorki-Theater
Berlin

Es könnte die Geschichte von Robert Enke sein, die hier erzählt wird. Der 96-Spieler und Nationaltorhüter nahm sich am 10. November 2009 das Leben, in Eilvese, nahe seinem Wohnort Empede bei Neustadt am Rübenberge.

Das Stück, das am 5. Januar Premiere hatte, soll nun ein juristisches Nachspiel haben: Teresa Enke, Robert Enkes Witwe, hat den Kölner Medienanwalt Heiko Klatt damit beauftragt, ihre Rechte zu vertreten und eine Klage zu prüfen. Dazu werden Aufnahmen und Rezensionen des Theaterstückes herangezogen. Der Vorwurf: Das Theater benutze Enkes Lebensgeschichte, ohne dafür eine Erlaubnis zu haben. Jörg Neblung, früherer Berater Enkes und gut mit dessen Witwe befreundet, sagt, das Theater habe die Biografie über das Leben des Fußballers mit Vorsatz für ein Stück genutzt, ohne die Rechtslage zu klären. „Es hat keine Abstimmung gegeben.“ Man sei „erstaunt“, mit welcher „Lässigkeit“ das Theater mit der Situation und der Geschichte Enkes umgehe.

Tatsächlich fällt im Stück der Name des verstorbenen Fußballprofis nicht. In der Beschreibung auf der Internetseite heißt es über den Mittelteil von „Demenz Depression und Revolution“, das Werk erzähle „mit großer Stringenz die Geschichte einer Depression, die im Selbstmord endet“. Im Zentrum stehe ein Paar: „Er, Torwart, sie, die Frau an seiner Seite. Die Lebensbedingungen beider werden vom Leistungssport diktiert“. Regisseur ist Intendant Armin Petra, der unter dem Pseudonym „Fritz Kater“ auch als Autor fungiert. „Indem Fritz Kater die drei Phänomene Demenz, Depression und Revolution nicht als Tatsachen, sondern als Mythen untersucht, nimmt er ihnen ihre Schwere und Ausweglosigkeit und eröffnet neue Denkräume“, ist weiter zu lesen.

Die Kritiker sind sich einig, dass es in dem „Schwarzer Hund“ genannten, 55-minütigen Mittelteil des Stückes um niemanden anderes als die 96-Legende gehen kann. „Diese Figur erinnert natürlich an den früheren Nationalmannschaftstorwart Robert Enke, der unter Depressionen litt und sich vor etwas mehr als drei Jahren das Leben nahm“, schreibt etwa „Spiegel Online“ in seiner Kritik. Auch der Deutschlandfunk erkennt in dem Stoff „die Depression des ungenannten, aber dennoch überklar gemeinten Torwartes Robert Enke“.

Claudia Nola, Sprecherin des Maxim-Gorki-Theaters, verweist bei Anfragen zum Stück „an den Verlag“. Die Aufführungsrechte liegen laut Nola beim „Henschel Schauspiel Theaterverlag“. Dessen Geschäftsführer war gestern nicht zu erreichen. „Das Stück entspricht inhaltlich dem Buch von Ronald Reng. Nur der Name wurde verändert und der Schauplatz Hannover nach Braunschweig verlagert“, sagt Neblung. „Die Rechte liegen, entgegen der Darstellung des Theaters, nicht beim Verlag, sondern bei Teresa Enke, die damit von Anfang an verhindern wollte, dass der Stoff ungefragt inszeniert wird.“ Dies bestätigte der Piper-Verlag, in dem das Buch „Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben“ erschienen ist. „Wir besitzen weder die Film- noch die Theater-Rechte“, erklärte eine Sprecherin „Spiegel Online“. „Verlag und Autor wurden nie gefragt, Teresa Enke nicht einmal informiert“, sagt Neblung.

Im Theater ist man offenbar um Schlichtung bemüht. „Frau Enke laden wir herzlich ein, eine der kommenden Vorstellungen zu besuchen“, sagt Sprecherin Nola. Es ist fraglich, ob Enke ein Stück über ihren Mann tatsächlich sehen möchte. Kommentieren will sie den ganzen Vorfall zumindest nicht persönlich.

Sebastian Scherer

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