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Werkstatt-Galerie Calenberg neu erfunden

35. Jubiläum Werkstatt-Galerie Calenberg neu erfunden

Zum 35. Jubiläum erfindet Gründer Wolfgang Werner die Werkstatt-Galerie Calenberg wieder einmal neu. Neue Formate wie die Erzählbühne, bei der eine professionelle Erzählerin und das Publikum selbst zu Wort kommen, oder das Calenberger Literaturfrühstück haben "das Überleben möglich gemacht".

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Gespannt auf den Wandel: Wolfgang Werner in der Werkstatt-Galerie Calenberg.

Quelle: Kutter

Hannover . Nicht jeder wird gern älter. Wolfgang Ulrich Werner aber scheint es kaum erwarten zu können. Er sei 75 Jahre alt, sagt der Gründer der Werkstatt-Galerie Calenberg. Zumindest fast. Im September sei es endlich so weit. Werner blickt mit Freude in die Zukunft. Wo andere vielleicht Probleme aufziehen sehen, erblickt er Chancen. Vielleicht hat er deshalb jenes Strahlen in den freundlichen, neugierigen Augen behalten, das ihn ohnehin davor bewahrt, alt zu wirken. Werner gehört unübersehbar zu den glücklichen Menschen, für die positives Denken nicht nur ein Spruch ist.

Das hat ihm auch geholfen, als er Ende der Siebzigerjahre vor dem beruflichem Aus stand. Werner war Handelsvertreter für Pharmazie- und Drogerieprodukte – und mit dem Siegeszug der Drogerieketten wurde auch Werners Beruf, den er 20 Jahre lang ausgeübt hat, auf einmal überflüssig: Die Hersteller mussten ihre Waren nicht mehr bei unzähligen Einzelhändlern unterbringen, sondern nur noch im Sortiment von zwei oder drei großem Ketten.

Den beruflichen Neustart beschreibt er im Rückblick als „die Hobbys zum Beruf machen“: Werner wurde Ski- und Segellehrer – und ganz nebenbei auch Lebenskünstler. Mit 1000 Mark im Monat auszukommen war auch Anfang der Achtzigerjahre nicht ganz einfach. Erst recht nicht in München, wo er damals lebte. „Plötzlich war Bescheidenheit mein neuer Reichtum“, schreibt er in seinem gerade erschienenen Erinnerungsband „Ich habe einfach die Tür aufgemacht“ (Sehsam, 182 Seiten, 12,50 Euro).

„Wir haben immer wieder neue Dinge erfunden“

Mit diesem neuen Kapital an Lebensmut kehrte er 1981 nach Hannover zurück, wo er nach dem Krieg aufgewachsen war, um in der Kommandanturstraße die Werkstatt-Galerie Calenberg zu eröffnen. Der Name war zunächst Programm: Werner startete tatsächlich mit einer Werkstatt für Töpferei, Lithografie und anderes Kunsthandwerk. Er bot allerhand Kurse an und ergänzte das Programm mit Ausstellungen, und bald kamen, als Ausfluss von Theaterworkshops, die ersten Bühnenveranstaltungen hinzu.

Doch auch dieses Konzept stieß bald an Grenzen. „In der Zeit haben auch Freizeitheime und Familienbildungsstätten begonnen, handwerkliche Kurse zu sehr günstigen Preisen anzubieten. Da konnten wir bald nicht mehr mithalten“, erzählt er. Doch das Projekt Werkstatt-Galerie wollte er deshalb nicht aufgeben.

So stellte das Haus 1983 auf reinen Theaterbetrieb um. Auf der kleinen Bühne wagten viele heute etablierte Künstler wie Matthias Brodowy, Rüdiger Hoffmann und Alix Dudel ihre ersten Schritte. Im Buch zum 35-jährigen Bestehen sind viele von ihnen mit Grußworten vertreten. Kabarettist Volker Pispers etwa schreibt: „Eine Kleinkunstbühne derart lange lebendig zu halten, das ist Großkunst!“

Bei Werner liegt die Großkunst vor allem in der Veränderung: „Wir haben immer wieder neue Dinge erfunden“, sagt er. „Nur das hat das Überleben möglich gemacht.“ Damit meint er neue Formate wie etwa die Erzählbühne, bei der eine professionelle Erzählerin und das Publikum selbst zu Wort kommen, oder das Calenberger Literaturfrühstück, bei dem allwöchentlich große Schriftsteller auf knusprige Brötchen treffen. Auf der kleinen Bühne gibt es Live-Hörspiele und öffentliche Coaching-Seminare, außerdem kann man die Räume für private Veranstaltungen mieten.

Sommerfestival mit klassischer Musik

Zum Jubiläum gibt es nun wieder etwas Neues: Nach einem Probedurchlauf im vergangenen Jahr soll nun das Sommerfestival mit jungen klassischen Musikern zu einer festen Einrichtung werden. Vom 6. bis zum 28. Juli gibt es immer mittwochs und donnerstags Konzerte mit Talenten von der Musikhochschulen. Die Akustik in dem kleinen Raum sei gut, sagt Werner, aber noch nicht das größte Plus seiner Galerie: Vor allem die ungewohnte Nähe zu den Musikern sorge bei Publikum und Künstlern für besondere Erlebnisse. Zu eng ist es aber nicht – immerhin passt auch der Flügel noch hinein, den Werner gerade angeschafft hat.

So ist der Boden also bereitet für die Zukunft. Wie lange Werner sie noch mitgestalten wird, ist offen. „Ich werde bald in die zweite Reihe zurücktreten“, kündigt er an. Was genau das heißt, lässt er offen. „Wir können auf den nächsten Wandel gespannt sein“, sagt er und strahlt. Typisch für einen Mann, der mehr als die Zukunft höchstens noch die Gegenwart liebt.

Im ersten Klassikkonzert am Mittwoch, 6. Juli, spielt das Duo Sfogati um 20 Uhr unter anderem Werke von Schumann und Ravel für Akkordeon und Horn. Kartentelefon: (05 11) 59 09 05 60.

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