Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
So klingt die Arbeit

Industriemuseum So klingt die Arbeit

Im Rahmen des EU-Projektes „Work with Sounds“ sammelt etwa das Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) seit zwei Jahren gemeinsam mit fünf weiteren europäischen Museen Klänge der Arbeit. Hören Sie hier einige Beispiele.

Voriger Artikel
Der Spielerfinder
Nächster Artikel
Unerbittliche Waliser

Die Dampflokomotive „Anna Nr. 6“ , gebaut 1940 in Essen. Ihr Zischen ist auch in der Datenbank archiviert.

Hannover. Der Magirus-Deutz-Feuerwehrwagen aus den Sechzigerjahren wirkt wuchtig mit seiner bulligen Motorhaube und den schwarzen Kotflügeln. Aber seine Sirene? Die bringt nur ein schlappes Röhren, ein müdes Tröten zustande! Das Martinshorn von damals passt klanglich ziemlich gut zu den Signalleuchten des Feuerwehrautos: zwei blaue Töpfchen zieren das Dach.

Sirene 618,63 kB

Heute sind dort ganze Lichtorgeln untergebracht. Und auch die Sirenen haben viel mehr Wumms als damals. Der Klang eines Martinshorns aus den sechziger Jahren ist durchaus aufbewahrenswert. Und er wird aufbewahrt. Wie auch andere Klänge von früher.

Im Rahmen des EU-Projektes „Work with Sounds“ sammelt etwa das Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) seit zwei Jahren gemeinsam mit fünf weiteren europäischen Museen Klänge der Arbeit. Die werden in einer Datenbank gespeichert, die für jedermann zugänglich ist. Unter www.workwithsounds.eu  kann man sich durch mehr als 600 Aufnahmen mit Klängen aus der Arbeitswelt lauschen.

Wassermühle 1,55 MB

Da ist das sanfte Geratter der alten Wassermühle zu hören, das erstaunlich laute (und von gelegentlichem Muhen durchsetze) Stampfen einer Melkmaschine, das Bollern und Klingeln eines Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1920 oder das vergnügte Schnurren eines NSU-Prinz 1200c aus dem Jahr 1969.

Melken 1,72 MB

Trockenes Knacken ist zu hören, wenn ein altes Weinfass über einen Steinboden gerollt wird, ein kurzes Schnarren ertönt, wenn jemand den Film in einer Spiegelreflexkamera weiterdreht. Und ein wunderbar arhythmisches Schmatzen, Grollen und Klingeln erklingt, wenn jemand die Optima M12 aus den Sechzigerjahren bedient – eine mechanische Schreibmaschine aus dem VEB Olympia Büromaschinenwerk Erfurt.

Optima M12 1,67 MB

Der Klang der Arbeitswelt hat sich geändert. Das sanfte Klacken der Tastaturen hat das Geklapper der Schreibmaschinen ersetzt, die Motoren sind leiser und die Hupen kraftvoller geworden. Und das Geklingel, mit dem Bergmännern die Fahrtgeschwindigkeit des Förderkorbes signalisiert wurde, ist ganz verschwunden. Wie auch das Huuuui der Dampfpfeife und das Geratsche, das bei der Bedienung eines Waschbretts entsteht.

Waschbrett 712,31 kB

Aber wie archiviert man Klänge richtig? Wie kommt man zu neuen Klängen? Und wie macht man die alten Geräusche dem Publikum zugänglich? Über solche Fragen diskutieren noch bis heute 75 Experten bei  einer Tagung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund. Es geht um den Austausch von Erfahrungen bei der Erhaltung, Erforschung und Nutzung von Klängen.  „Work with Sounds“, die Datenbank mit den Sounds der Industrie, wächst ständig. Und sie hat auch schon zeitgenössische Komponisten inspiriert. So schrieb Alix Tucou aus Frankreich, dass sie die Webseite zu einem Musikprojekt über die Rolle der Menschlichkeit in der Industrie des 20. Jahrhunderts angeregt habe.

Die Klänge der Datenbank stehen Schulen, Museen, Bildungseinrichtungen, Kunst- und Medienprojekten frei zur Verfügung. „Techno-Produzenten können sie in ihre Tracks einbauen, Soundtüftler eigene Klangcollagen basteln, Bildungseinrichtungen können die Klänge als Lehrmaterial verwenden“, sagt Konrad Gutkowski, der wissenschaftlicher Volontär des Projektes.
Das mit Abstand am häufigsten geklickte Geräusch der Sammlung ist übrigens das Bohrgeräusch aus einer belgischen Zahnarztpraxis. Ein an- und abschwellendes Pfeifen und Schleifen, das durch Mark und Bein geht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Adventskonzert des Knabenchores Hannover in der Marktkirche

Machet die Tore weit – unter diesem Motto stand das Adventskonzert des Knabenchores Hannover in der Marktkirche. Und eine federnd leichte, hoffnungsfrohe und zuversichtliche Interpretation der gleichnamigen Motette von Andreas Hammerschmidt liefert der Chor dann auch.