Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Überblicke im Überblick

Zinnober 2016 Überblicke im Überblick

Einen Überblick über Kunstschaffen und Kunstinstitutionen in Hannover – das boten 2016 teils sogar einzelne Zinnober-Stätten. Was der „Kunstvolkslauf“ unter anderem zu bieten hatte.

Voriger Artikel
Erfolg als Schriftsteller durch schwere Kindheit
Nächster Artikel
Nick Cave und der Tod seines Sohnes

Kunst, ganz ausgekocht – in diesem Falle Fichtenscheiben von Rolf Sextro im Kubus.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Malerei an der Wand, Skulpturales auf Säulenpodesten und Installatives in der Saalmitte - wer sich am Wochenende im Kubus umschaute, mochte in diesem Spektrum schon fast verwirklicht sehen, was Harald Härke sich und dem Publikum der städtischen Galerie versprach. „Dies ist eine Bestandsaufnahme, die die ganze Bandbreite der Ateliers und Galerien in Hannover präsentiert“, hatte der Kulturdezernent dort zum Auftakt des 19. Zinnober-Kunstvolkslaufs verkündet.

Einen Überblick über Kunstschaffen und Kunstinstitutionen in Hannover – das boten 2016 teils sogar einzelne Zinnober-Stätten. Sie trugen so auch dem Umstand Rechnung, dass man alle 200 Künstler ohnehin nicht in den insgesamt 15 Ausstellungsstunden von Zinnober wahrnehmen kann. Auch dass die Zahl der teilnehmenden Kunstorte gegenüber 2015 von 41 auf 39 gesunken ist, ändert daran wenig. Gleichwohl haben nach städtischen Angaben 10.000 Schaulustige an Zinnober teilgenommen. Im Durchschnitt hatten sie 23 Minuten Zeit je Ausstellungsort, Zeiten für den Ortswechsel beim „Kunstvolkslauf“ nicht mitgerechnet. Erst 2017 soll nicht nur der Name wegfallen, sondern auch am Zinnober-Konzept gedreht werden.

Rund 40 Ateliergemeinschaften, Galerien und Kunsthäuser öffnen am Samstag und Sonntag ihre Türen.

Zur Bildergalerie

Im Kubus gab es zu den Werken dreier Künstler zum Thema Wald eine originelle Einführung: Ronald Clark, Hannovers oberster Gartendenkmalpfleger, erzählte aus Anlass von Dagmar Brands düsterer Baummalerei vom Lindenblätter schwärzenden Lausbefall und warnte vor einem gefährlichen, andere Lebewesen verdrängenden Einwanderer - dem Bambus, aus dem Rolf Sextro im Kubus eine Art Tipi gestaltet hat. Auf Clarks Wohlgefallen stießen dagegen die Fichtenstücke, die Sextro ausgekocht, geschält und zu Mustern gelegt hat (bis 2. Oktober).

Sicher scheint nach diesem Auftritt: Man muss kein Kunsthistoriker sein, um Kunst zu interpretieren. Sicher ist nach dem Zinnober-Wochenende auch: Es ist spannender, mehrere Künstler zu einem Thema arbeiten zu lassen als einen einzelnen nur zu „seinem“. Das war in der Galerie vom Zufall und vom Glück zu erleben, wo eine Hans-Karl-Schau startete. Bereits 1966, sagte Kurator Giso Westing da, habe Karl sein Thema gefunden. Seit einem halben Jahrhundert also malt Hans Karl Strichfiguren auf meist gespachtelte Flächen. Was Westing als „große Kontinuität“ lobt. Kontinuitäten anderer Art pflegt der Maler Thorsten Freye mit seinen Aktbildern, auf denen entblößte Mittelstandsfrauen sich auf Gymnastikbällen oder auch vor Küchenzeilen räkeln. Was der Galerie Holbein 4 seit dem ZinnoberWochenende (und bis zum 21. Oktober) eine dort sonst ungewohnte Atmosphäre gänzlich unerotischer Schwüle beschert.

Ungleich spannender ist die kleine Überblicksschau der Fotogalerie Ricus Aschemann, die 25 Künstler aus den fünf Jahren seit der Galeriegründung zeigt (bis 2. Oktober). Ein vielfältiges Spektrum, das von Architektur- und Porträtaufnahmen bis zu inszenierter Fotografie und Fotoreportage reicht. Darunter ist, als Hommage an Hannes-Malte Mahler, auch eine Aufnahme von dem kürzlich tragisch verunglückten Künstler. Wer sich mit Aschemann unterhält, erfährt auch von seinen Plänen, mit dem neuen Verein Scope die Förderung der Fotografie in Hannover voranzutreiben. Immerhin hat der größte Teil der gezeigten Fotografen zumindest zeitweilig hier gearbeitet. Dass Fotografie in Hannover zugleich einen transatlantischen Blickwinkel einnehmen kann, ist in der Galerie Bohai zu erleben, die in der Ausstellung „Amerikanien“ (bis 8. Oktober) Fotos und einen Film über Amerika, aber auch über Amerika-Sehnsüchte außerhalb der Neuen Welt versammelt - und zwar in neuen Räumen am Schwarzen Bär, womit die Bohai-Galeristen als erste von Hannovers neuer Projektraumförderung profitieren.

Dass auch Zinnober-Neulinge mit großer Vielfalt überraschen können, demonstriert die Galerie Rode und Lanfer. Die existiert zwar erst seit gut einem Jahr, bietet aber fast 50 Künstler. Wie das? Nun, Asta Rode und Norbert Lanfer handeln bereits seit Jahren online mit Druckgrafik, haben Künstler von den USA bis Neuseeland unter Vertrag und zeigen sie jetzt auch in ihrer Galerie.

Was statt von hannoverscher Kunst freilich eher von erfolgreichem hannoverschem Kunsthandel zeugt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Peter Maffays Rockmusical "Tabaluga" in der Tui Arena

Der Drache Tabaluga muss sich keine Sorgen machen. Tatsächlich hat die Fantasiefigur im echten Leben viele Freunde, oder vielmehr Fans. Das neue Rockmusical um den kleinen Feuerspeier hat Sonnabend Nachmittag in der Tui-Arena viele Zuschauer begeistert.