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GOP-Programm

Zum Lachen auf den Dachboden


Es gibt Leute, die gehen zum Lachen in den Keller. Für ihren Humor sind sie jedoch nicht gerade bekannt. Vielleicht auch deshalb lädt das GOP-Varieté in seinem aktuellen Programm „Lachboden“ seine Gäste nicht in die unterste Etage des Hauses ein, sondern entführt sie hoch hinaus zu einem humorvollen Streifzug über den Dachboden.
Schaurig schön: Vogelspinne Katrina kommt aus einer verstaubten Ecke und verknotet kurzerhand ihre Beine hinterm Kopf.

Schaurig schön: Vogelspinne Katrina kommt aus einer verstaubten Ecke und verknotet kurzerhand ihre Beine hinterm Kopf.

© Christian Behrens

Der Raum wirkt auf den ersten Blick ziemlich gewöhnlich: Neben einem Kleiderschrank stapeln sich angestaubte Kisten, zwischen Spinnengewebe stehen ausrangierte Koffer, ein alter Filmprojektor und ein Fitnessgerät.

Doch der Schein trügt. Sobald Kabarettist und Moderator Thomas Philipzen (39) die Bühne betritt, wird klar: Der Dachboden steckt voller Geheimnisse. Aus den verstaubten Kisten holt er nicht nur verblichene Fußballsammelbilder, sondern zieht auch ein parodistisches Psychogramm über Fußballtrainer hervor. Im Angesicht des Filmprojektors mimt er breitbeinig und auf Fantasie-Chinesisch fluchend eine Gewichtheberin, begegnet beim Durchschauen der Plattensammlung Bata Illic, „dem Bushido der Siebziger“, und fühlt sich zum Philosophieren animiert. „Schließlich ist der Dachboden gewissermaßen das Gehirn des Hauses.“

Doch allzu viel Zeit bleibt ihm nicht, über die Fettleibigkeit der Deutschen, den demografischen Wandel („66 ist das beste Alter zum Kinderkriegen – da muss man eh nachts öfter mal raus“) und die geringe Körpergröße des französischen Präsidenten zu plaudern. Denn aus den morschen Astlöchern und den verstaubten Ecken tauchen immer neue Akteure auf. So krabbelt etwa die Vogelspinne Katrina (42) aus einem dunklen Winkel hervor und verknotet kurzerhand ihre langen Beine hinterm Kopf. Laut quietschend verbiegt sie ihre gelenkigen Glieder, bis nicht nur Spinnenphobikern ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Doch bevor es allzu gruselig wird, spaziert auch schon Andi Steil (50) aus demKleiderschrank, fidelt auf einem Vogelkäfig, bringt einen alten Wok zum Klingen und entlockt sogar dem Publikum ein fröhliches Lied.

Zur Abwechslung lässt das Jonglage-Duo „catch me if you can“ zu mundgemachten Beats die Bälle fliegen – und erntet für seine rasante Einlage begeisterten Applaus. Ähnlich temporeich ist der Auftritt von Hula-Hoop-Künstler Igor Boutorine (19), der mit seinen Reifen, den kreisenden Hüften, Armen und Beinen fluoreszierende Bilder in die Luft zaubert.Und dabei sind doch eigentlich Manuel Muerte alias Guido Schmalriede (41) und seine Assistentin Silvana Busoni alias Rebecca Walsh (42) für die Zaubertricks zuständig. Mit schief sitzendem Toupet und jeder Menge tollpatschigem Charme zaubert Muerte Goldfischgläser aus dem Nichts hervor, schießt auf Gummitauben und hext sich und seiner singenden Assistentin Leopardenkleider an den Leib. „Las Vegas“, ruft Manuel Muerte nach jedem Zaubertrick auf herrlich altmodische Art ins Mikrofon hinein – und hat spätestens an dieser Stelle das Publikum verzaubert.

Doch auf dem „Lachboden“ ist nicht nur Platz für Humor – in luftiger Höhe lässt sich auch Romantik finden: Zwischen dichtem Spinnengewebe und hartnäckigem Staub verschmelzen Oleg Kolesnichenko (26) und Olga Miekhova (21) vom Duo La Brise in akrobatischer Virtuosität miteinander – und wollen noch höher hinaus. So beeindruckt die preisgekrönte Artistin mit einem einhändigen Handstand auf dem Kopf ihres Partners und macht allen klar: Der Aufstieg zum Dachboden hat sich gelohnt. Das Programm läuft noch bis zum 30. August. Kinder unter 14 Jahren, die von einem vollzahlenden Erwachsenen begleitet werden, haben freien Eintritt.

von Julia Sellner

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