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Zweimal australischer Folkpunk im Lux

The Rumjacks und The Smith Street Band Zweimal australischer Folkpunk im Lux

Die Welt kann so klein sein. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden spielten im Lux Bands aus Australien, deren Musik jeweils als Mischung aus Folk und Punk angekündigt wurde. The Rumjacks aus Sydney und The Smith Street Band aus Melbourne. Ein Zufall.

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Quelle: Samantha Franson

Hannover. Die australischen Bands The Rumjacks und The Smith Street Band teilen sich keinen Tourbus. Sie teilen sich jedoch die leidenschaftliche Unmittelbarkeit des Punk. Und das Mitteilungsbedürfnis des Folk. „Wir müssen einander unsere Geschichten erzählen, nur das lässt uns Menschen bleiben“, sagt Frankie McLaughlin, Frontmann der Rumjacks. Wie die Musik heiße, sei dabei doch egal.

Seine Band spielt traditionellen keltischen Folkpunk. Dabei ist alles eine Frage des Beats. Timing und Rhythmus scheinen wichtiger zu sein als stimmliche Differenzierungen. Von irischer Lebenslust erzählt McLaughlin eher in Kurzgeschichten, Anekdoten und Fabeln. Es ist kein Zufall, dass die letzte Zugabe mit „Tell Me Ma“ ein altes irisches Kinderlied ist. Und dass die schweren Jungs auf und vor der Bühne dabei größten Spaß haben. Wenn die Band mitten in einem Song zwei Zeilen lang die britische Folkpunk-Ikone Billy Bragg zitiert, dann mit trotzigen Worten: „Just because you’re better than me doesn’t mean I’m lazy.“

The Rumjacks vertreten eine musikalische Kategorie, in der bei aller treibenden Härte immer auch Weite zu spüren ist, Melancholie und Erdung. In der jedem musikalischen Seufzen ein entsprechendes Achselzucken folgt. Die fünf Musiker fühlen sich in den Mentalitäten ihrer keltischen Vorfahren zu Hause. Diese Verbundenheit der Exil-Iren und -Schotten ist legendär, egal in der wie vielten Generation sie irgendwo auf der Welt leben. Man schätzt sich in der großen Familie aller Kelten dieser Welt. Übrigens ganz ohne den Nationalismus angeschotteter Landesgrenzen.

The Smith Street Band im Lux - die Bilder des Konzerts.

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Die Smith Street Band präsentiert sich da zunächst australischer. Benannt haben sich die Musiker um Frontmann Wil Wagner nach einer bekannten Einkaufsstraße in Melbourne, die schon seit 150 Jahren viel über den Kontinent erzählt. Über Kolonialismus, Gründerzeit, Kapitalismus, aber auch über deren Schattenseiten: sozialen Abstieg, Gentrifizierung und an den Rand gedrängte Ureinwohner. Zu Hause war die junge Band seit ihrer Gründung im Jahr 2010 allerdings nicht besonders häufig. Sie begreift sich als Tourband, lebt von ihren Erfahrungen auf der Straße und erzählt davon auch in ihren Songs.

Ins Lux lockt die Smith Street Band völlig andere Menschen als die Rumjacks. Hier dominiert ein junges, unbestimmt alternatives Publikum. Auch die Musik lässt sich nicht eindeutig kategorisieren. Punk und Folk werden zu Versatzstücken eines Sounds, der mit ihnen spielt, ohne sich ihren Regeln zu unterwerfen. Intensität steht auch hier im Mittelpunkt. Wil Wagner ist dabei jedoch introvertierter als Frankie McLaughlin, trägt seine Geschichten mit Wut, Verletztheit und Verwunderung vor. Sein Achselzucken ist resignierter, seine Spannungsbögen sind weiter. Er erzählt episch, alles verschwimmt zu einem weltumspannenden Monolog. Wie oft bei gutem, differenziertem Post-Punk laufen Musik und atemloser Gesang miteinander um die Wette, warten hin und wieder aufeinander und schlendern ein Stück des Weges, eher einer von beiden wieder lossprintet.

Beiden Bands geht es um Heimat und Verwurzelung. The Smith Street Band wagt sich mutiger ins Unbekannte und wirkt dabei manchmal ratloser, verlorener. Vielleicht spricht sie mit genau diesem Lebensgefühl eine jüngere Generation an. Eine, die neugierig ist auf die Weite der Welt.

Am Samstag um 20 Uhr spielt der englische Singer-Songwriter Rob Lynch im Lux.

Thomas Kaestle

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