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Kultur „Zweitausendeins“-Laden schließt Ende März
Nachrichten Kultur „Zweitausendeins“-Laden schließt Ende März
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02:15 10.03.2017
Ausverkauft: Robert Egelhofer. Quelle: Frank Rumpenhorst
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Hannover

Der kleine schwarze Band liegt auf dem Verkaufstresen im „Zweitausendeins“-Laden am Frankfurter Kornmarkt aus. In den Kommentaren ist außer Zorn über die „schlimmen Zeiten“ vor allem viel Wehmut zu spüren. Denn Ende März schließt die Einrichtung für immer.

Mit dem Laden, der zuletzt nur noch ums Überleben kämpfte, wird im Einzelhandel auch ein Stück deutsche Kulturgeschichte zu Grabe getragen. Auch wenn „Zweitausendeins“ als Onlinekaufhaus mit Sitz in Leipzig weiter existiert.

Der Zeitgeist der 68er

Wie kaum eine andere Institution hat Zweitausendeins, 1969 in einer Frankfurter Studentenwohnung aus der Taufe gehoben, den Zeitgeist der 68er-Generation kultiviert. Bei der Gründung ging es noch um die Verbreitung rebellischer Literatur und Musik wie von Bob Dylan, den Rolling Stones oder Leonhard Cohen. Später fand auch viel Jazz und Klassik - stets zu zivilen Preisen - Eingang ins Sortiment.

Typische „Zweitausendeins“- Büchern kamen von Frankfurter Karikaturisten wie Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler oder F. K. Waechter. Zum Riesenerfolg wurde 1980 der im hauseigenen Verlag erschienene Umweltbericht „Global 2000“, der vom damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter in Auftrag gegeben worden war.

Darauf ist Robert Egelhofer, Geschäftsführer des „Zweitausendeins“-Ladens in Frankfurt, immer noch stolz. Der 58-Jährige stieß 1977 als Ferienjobber zu „Zweitausendeins“. In den Neunzigerjahren erreichte „Zweitausendeins“ mit Versand und Läden einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Dann ging es bergab - vor allem wegen der digitalen Revolution im Musikgeschäft. Die Frankfurter Gesellschafter verkauften 2006 Versand und Verlag. Zunächst wurden neue Läden eröffnet. 2012 trennte sich „Zweitausendeins“ vom Filialnetz und setzte auf ein Franchise-Verfahren.

So konnte auch der hannoversche Laden zunächst gehalten werden - im vergangenem Jahr musste er aber schließen. Auch in Frankfurt, wo Egelhofer seit 2013 auf eigene Rechnung arbeitete, ging der Umsatz zurück - jüngst nochmals deutlich im Weihnachtsgeschäft, wie Egelhofer sagt. Außerdem könne er das legendäre „Merkheft“ aus Kostengründen den Kunden nicht mehr anbieten.

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