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Zweiter Roman von Harper Lee erscheint

"Historisches Ereignis" Zweiter Roman von Harper Lee erscheint

Nach dem Pulitzerpreis-gekrönten Weltbestseller "Wer die Nachtigall stört" zog sich Autorin Harper Lee vor 55 Jahren aus der Öffentlichkeit zurück und veröffentlichte nicht mehr. Jetzt erscheint ein zweites Buch von ihr - und ist schon vorab eine Sensation.

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Ein Ausschnitt des deutschen Buchcovers von Autorin Harper Lees zweitem Roman.

Quelle: dpa

New York . Harper Lee selbst hat schon eine Ausgabe. Bei einem Mittagessen in einem kleinen Restaurant in ihrer Heimatstadt Monroeville im US-Bundesstaat Alabama überreichten ihr Vertreter des HarperCollins-Verlags vor kurzem ein frisch gedrucktes Exemplar von "Go Set a Watchman", wie die "New York Times" berichtete. Lee ist inzwischen 89 Jahre alt und lebt gesundheitlich stark angeschlagen in einem Altenheim in dem 6000-Einwohner-Städtchen. Vor 55 Jahren veröffentlichte die Schriftstellerin den Roman "Wer die Nachtigall stört", der zum Welterfolg und Pulitzerpreis-gekrönten Klassiker werden sollte. Danach zog sich die als extrem scheu geltende Lee aus der Öffentlichkeit zurück und veröffentlichte nichts mehr. Bis jetzt.

"Go Set a Watchman" ist eine literarische Sensation. Schon lange wurde in den USA ein Buch nicht mehr mit soviel Spannung erwartet wie der zweite Roman von Lee, der am kommenden Dienstag (14. Juli) zunächst auf Englisch erscheint. Die deutsche Version, "Gehe hin, stelle einen Wächter", folgt drei Tage später. Der Roman ist der am häufigsten vorbestellte in der Geschichte des US-Verlags HarperCollins, und auch bei der US-Version des Onlinehändlers Amazon ist in diesem Jahr noch kein Buch häufiger vorbestellt worden.

"Historisches literarisches Ereignis"

HarperCollins geht mit einer enormen US-Auflage von zwei Millionen Stück an den Start und feiert die Veröffentlichung als "historisches literarisches Ereignis". Überall in den USA planen Buchläden und Kulturhäuser längere Öffnungszeiten, Partys, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen zur Feier des Erscheinens.

Die Entstehungsgeschichte von "Go Set a Watchman" aber ist völlig undurchsichtig und umstritten. Es sei bereits in den 1950er-Jahren geschrieben worden, habe dann aber als verschollen gegolten und sei nun wieder aufgetaucht, heißt es beim Verlag. Das Buch sei gewissermaßen der Vorgänger von "Wer die Nachtigall stört", auch wenn die Geschichte darin zeitlich danach spielt. Der Verlag habe "Go Set a Watchman" damals abgelehnt und der Lektor habe zu einer Überarbeitung geraten - so sei dann "Wer die Nachtigall stört" entstanden.

Der Weltbestseller, der auch erfolgreich mit Hollywood-Star Gregory Peck verfilmt wurde, erzählt die Geschichte der kleinen Scout, die mit Vater Atticus und Bruder Jem in den von Rassentrennung geprägten 1930er Jahren in einer Kleinstadt in Alabama aufwächst. In "Go Set a Watchman" blickt die Hauptfigur Scout in den 1950er Jahren als Erwachsene auf ihre Kindheit zurück, heißt es vom Verlag, der alle Details der Geschichte aber strengstens unter Verschluss hält.

Zweifel an gewollter Veröffentlichung

Aber wie, wann und vom wem das Manuskript zu "Go Set a Watchman" nun genau wiederentdeckt worden ist, bleibt unklar - genau wie die Frage, was Lee selbst eigentlich von der Veröffentlichung hält. Bei ihren wenigen öffentlichen Auftritten hatte die Autorin die Aussicht auf eine Fortsetzung von "Wer die Nachtigall stört" stets energisch zurückgewiesen, und gegen eine Biografie war sie 2011 mit Anwälten vorgegangen.

Zahlreiche Freunde und Bekannte der Autorin haben bereits öffentlich bezweifelt, dass sie mit der Veröffentlichung einverstanden sei. Ihr Gesundheitszustand lasse so eine Entscheidung gar nicht mehr zu. Sogar der Bundesstaat Alabama schaltete sich ein und untersuchte nach einem anonymen Hinweis, ob Lee ausgenutzt und manipuliert wurde. Ein Vergehen konnte aber nicht festgestellt werden.

Der Verlag stellt die Situation völlig anders dar. "Überrascht und erfreut" sei Lee nach der Wiederentdeckung gewesen und habe schlicht gesagt: "Wenn Ihr meint, dass es den Leuten gefallen würde, dann lasst es veröffentlichen." Auch bei dem Mittagessen jüngst in ihrer Heimatstadt Monroeville sei sie noch einmal gefragt worden, ob sie damit gerechnet hätte, dass der Roman je veröffentlicht werden würde, berichtete die "New York Times". Ihre Antwort: "Natürlich habe ich das. Seid nicht albern."

dpa

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