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02:15 11.05.2017
Von Daniel Alexander Schacht
Die neue Ausstellung "Zwischen den Zeilen" ist von Mai bis August im Sprengel-Museum zu sehen. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Diese Werke von Niki de Saint Phalle richten sich ausdrücklich an „My Love“, an „Dear Clarice“ oder „Cher Igor“. Spätestens wenn man merkt, dass damit der zum Zeitpunkt der Werkentstehung längst verstorbene Komponist Strawinsky gemeint ist, schwant jedem, wozu die Künstlerin die Form brieflicher Anrede nutzt: Sie simuliert damit Authentizität, Diskretion, Privatheit. Und zielt doch ganz auf die Öffentlichkeit der Kunstwelt.

Noch bis zum 27. August zeigt das Sprengel Museum die Ausstellung "Zwischen den Zeilen. Kunst in Briefen von Niki de Saint Phalle bis Joseph Beuys".

Der künstlerische Kniff ist nicht ganz neu. Er wurde längst im Briefroman erprobt, und spätestens seit John Clelands „Fanny Hill“ (1749) weiß man, dass hinter den Bekenntnissen darin ein durchaus kühl kalkuliertes Spiel des Literaten mit den intimen - und in diesem Fall durchaus heißblütigen - Erwartungen der Leser steckt. Wie in der Schönen Literatur ist die Briefform auch in der Bildenden Kunst ein Rollenspiel mit dem jeweiligen Betrachter, dem in der vermeintlich ganz aufs Zwiegespräch angelegten Briefform Privates, Intimes, Geheimes versprochen und der dabei selbst in die Rolle des Voyeurs gedrängt wird.

Das Sprengel-Museum nimmt sich solche Strategien des Kunstdiskurses in seiner neuen Ausstellung vor. „Zwischen den Zeilen“ zeigt erklärtermaßen zwar „Kunst in Briefen“, doch Briefe im engeren Sinne sind es nicht. Die 64 Werke von 17 Künstlern haben nur die appellative Form des Briefes oder auch bloß das Spiel damit gemeinsam.

Ausstellung

„Zwischen den Zeilen. Kunst in Briefen von Niki de Saint Phalle bis Joseph Beuys“: Vom 10. Mai bis 27. August im Sprengel-Museum.

Die Kuratorinnen Patrizia Hoffmann und Alessandra Nappo haben dafür in der Museumssammlung gestöbert, aber auch knapp zwei Dutzend Leihgaben besorgt. Darunter sind viele, die eher ironisch mit der vermeintlichen Nähe der Briefform umgehen. Etwa „Letter to the Mother“ (1996) von Elena del Rivero, das aus 50 Blättern voller wortloser Maschinenschrift besteht. Günther Ueckers siebenteilige Folge „Sieben geheime Briefe“ (1982), auf der schwarze Striche die Botschaft dahinter unleserlich machen. Oder auch die „Schwefelpostkarte“ (1984) und die „Magnetische Postkarte“ (1975) aus Editionen von Joseph Beuys.

Neben Nikis künstlicher Nähe wird hier also viel echte Distanz aufgeboten. Die Uecker-Zeichnungen und die zwei Beuys-Postkarten bleiben übrigens im Museum - als Ankäufe, die, ebenso wie diese Ausstellung, von der Deutschen Bank gefördert wurden.

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