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Kultur Neue Aufnahmen zum Debussy-Jahr
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02:16 06.05.2018
Mario Häring Quelle: Kaupo Kikkas
Hannover

 Musik von Claude Debussy steht 100 Jahre nach seinem Tod derzeit auf vielen Konzertprogrammen. Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei weniger die großen Orchesterstücke oder Opern, sondern Klavierminiaturen: Im Rückblick erscheint seine zweibändige Sammlung der „Préludes“ als das zentrales Werk seines Schaffens.

Der 1989 geborene hannoversche Pianist Mario Häring hat nun eine bemerkenswerte Aufnahme des ersten Teils dieser Stücke und einiger anderer Werke vorgelegt. Häring, der an der Musikhochschule zunächst bei Karl-Heinz Kämmerling und dann bei dessen Nachfolger Lars Vogt studiert hat, verbindet einen scharfen analytischen Blick mit viel Sinn für die wie selbstverständlich gewachsene ganz eigene Klangwelt des Franzosen. Wenn er spielt, kann man sich bei den Tonarabesken und leichthändig verschobenen Harmonien Debussys manchmal an ein Windspiel erinnern, in das ein Lufthauch greift: Es klingt natürlich und exotisch zugleich. 

Auf einem im Konzertbetrieb eher unüblichen Bechstein-Flügel findet Häring einen ebenso plastischen wie transparenten Klang: Die tiefen Töne haben zwar Fülle, aber unterlegen die Musik nicht mit einem unverrückbaren Fundament. Alles bleibt wunderbar leicht, wandelbar, schwebend. So eröffnet Häring eher Assoziationsräume, als dass er die Stücke konkret bebildert. Zu den „Préludes“, deren klangvollen Titel („Die versunkene Kathedrale“, „Das Mädchen mit dem Flachshaar“) als eine Art Nachbemerkung jeweils am Ende des Notentextes stehen, passt das wunderbar. 

Diese besondere Eigenschaft der „Préludes“ mag auch den hannoverschen Komponisten Thorsten Encke zu seinem Klavierzyklus „Aprésludes“ angeregt haben. Mehr noch als in seinen anderen auf berühmte Vorgänger bezogene Stücke lässt sich Encke hier auf den besonderen Tonfall des Komponisten ein. Encke macht sich die Freiheit von Debussys Harmonien, seine luftig weit ausholenden Gesten zu eigen und entwickelt sie auf eine nachvollziehbare, faszinierende Weise zu etwas Neuem. Die ebenfalls in Hannpover ausgebildete Pianistin Julia Bartha präsentiert die sechs Stücke auf ihrer neuen CD als natürliche Fortsetzung der Debussy-„Préludes“, die sie zuvor expressiv zum Klingen bringt.

Ungleich lässiger klingen einige der bekanntesten „Préludes“ dagegen in einer neuen Aufnahme von Manahem Pressler, dem inzwischen 94-jährigen Pianisten und Gründer des Beaux Arts Trios. Für sein spätes Debüt bei der Deutschen Grammophon taucht Pressler Stücke von Debussy (und Ravel und Fauré) in so tiefes Abendrot, dass dem Hörer jenseits aller Kitschbedenken das Herz aufgehen muss: So spielt ein Weiser.

Mario Häring: „...Les Préludes sont des images“ (Ars Produktion), Julia Bartha: „„Préludes/Aprésludes“ (Coiello Contemporary), Menahem Pressler: „Clair de lune“ (Deutsche Grammophon)

Am Freitag, 4. Mai, dirigiert Thorsten Encke bei einem Musica-assoluta-Konzert ein eigenes Janacek-Arrangement und Schumanns Klavierkonzert (mit Claire Huangci) in der Christuskirche.

Von Stefan Arndt

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