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Kultur Kyle Abrahams „Live! The Realest MC“
Nachrichten Kultur Kyle Abrahams „Live! The Realest MC“
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00:15 03.09.2018
Der Tänzer Jeremy Jael Neal in „Live! The Realest MC“ von Kyle Abraham. Quelle: Julien Benhamou
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Hannover

Hip-Hop macht ja ganz gern mal auf dicke Hose. Und Pose. Der Körper ist ein Präsentationsobjekt: In schnellen Moves wird seine Agilität vorgeführt, dann wird er wie in Zeitlupe bewegt, damit das Publikum seine Kraft und Schönheit bewundern kann. Hip-Hop in seiner getanzten Form ist auch Körperkult. Insofern passt er ganz gut ins zeitgenössische Tanz(theater): Mit Kyle Abrahams Hip-Hop-Produktion „Live! The Realest MC“ aus dem Jahr 2011 wurde jetzt die 33. Ausgabe des Festivals Tanztheater International in der Orangerie eröffnet.

Sieben Tänzer und Tänzerinnen bewegen sich auf der recht zurückhaltend ausstaffierten Bühne. Dass es sich um sechs dunkelhäutige Tänzerinnen und Tänzer und um einen weißen Tänzer handelt, sollte in einer idealen Welt eigentlich keine Rolle spielen, hier ist es aber doch wichtig. Denn es geht um Hip-Hop als Ausdrucksmittel der Unterdrückten, als Möglichkeit der Befreiung.

In einer Szene bewegen sich ein dunkel- und ein hellhäutiger Tänzer gemeinsam zu den Ansagen eines Hip-Hop-Lehrers aus dem Off. Während der weiße Tänzer alles minutiös nachbuchstabiert, hat es der dunkelhäutige Tänzer einfach drauf. Diese gewissermaßen naturgegebene Ausdruckskraft, diese Coolness, ist einerseits ganz großartig, andererseits aber auch eine rassistische Zuschreibung. Der dunkelhäutige Mensch spürt die Moves, die sich der hellhäutige Mensch erst mühsam aneignen und erarbeiten muss – in diesem (Vor-)Urteil steckt durchaus auch rassistische Überheblichkeit. Interessanter wären vielleicht dunkelhäutige Menschen mit null Körpergefühl, die es sehr wahrscheinlich auch geben dürfte.

Auch das eingespielte Video mit der hellhäutigen Hip-Hop-Tanzlehrerin, die erklärt, wie sich Hip-Hop-Tänzer bodenwärts bewegen müssen, würde in einer idealen Welt gar nicht weiter auffallen. Hier ist es: ein Witz. Aber immerhin ein ganz guter.

Stiftung Niedersachsen: Mehr Geld für Tanztheater International

Das Festival Tanztheater International habe 33 Jahre nach seiner Gründung noch eine Menge zu sagen, meinte Lavinia Francke, die Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen. In ihrer Rede zur Festivaleröffnung regte sie an, dass sich die drei großen Förderer des Festivals, die Stadt Hannover, die Sparkasse, das Lamd Niedersachsen und die Stiftung Niedersachsen, gemeinsam darauf einigen, ihrer Mittel zur Förderung des Festival „deutlich zu erhöhen“. Das Festival, sagte sie, gehöre zu den großen international beachteten Festivals. Sein Rang, seine Qualität und seine Bedeutung sollten nicht auf Spiel gesetzt werden. Zur Zeit erhält das Festival von der Stadt Hannover 135000 , von der Sparkasse Hannover 50000, vom Land 4 000 und Stiftung Niedersachsen 80000 Euro. Mit dem Erlös aus dem Kartenverkauf, kommt das Festival auf ein Gesamtbudget von 350000 Euro. Das Ziel von Lavinia Francke ist es, das um etwa 50 000 Euro im Jahr zu erhöhen.

 Festivalchefin Christiane Winter freute sich über diese Initiative. „Das dürfte unserer Arbeit wirklich nochmal einen Schub geben“, sagte sie.

Choreograph Kyle Abrahams erinnert sein Publikum immer wieder daran, dass wir eben nicht in einer idealen Welt leben. Aber vielleicht ist seine Vermischung von Hip-Hop mit Elementen des klassischen Tanzes schon ein Stück auf dem Weg dorthin. In artistischer Hinsicht (Muskelspiel, Präzision, Gefühl für den Sound) immerhin war die mit einigen Filmchen und vielerlei Ansagen angereicherte Produktion überaus sehenswert. Die vielen Szenen mit drei Tänzern, bei denen einer stets der Ausgegrenzte ist, bewegten sich allerdings innerhalb der Üblichkeiten des Tanztheaters.

So geht Tanztheater International weiter: Am Sonnabend, 1. September, zeigen drei Choreographen ihre Arbeiten im Rahmen des Künstlerresidenzprogramms „Think Big“. Das Programm in der Musikhochschule beginnt um 20 Uhr. Am Sonntag gibt es um 20 Uhr Butoh-Tanz im Ballhof Zwei. Die Commedia Futura präsentiert dort das Zwei-Personen-Stück „Two“. Am Montag, 3. September setzen sich die belgischen Choreographen Koen Augustijnen und Rosalba Torres Guerrero um 20 Uhr in der Orangerie Herrenhausen mit den Bewegungsmustern des Boxsports auseinander.

 

Von Ronald Meyer-Arlt

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