Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Werke von Gerd Schmidt Vanhove sind im Sprengel-Museum zu sehen
Nachrichten Kultur Werke von Gerd Schmidt Vanhove sind im Sprengel-Museum zu sehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 18.08.2018
Im Kunstgespräch: Siegfried Neuenhausen, Reinhard Spieler, Gerd Schmidt Vanhove (von links). Quelle: Kutter
Hannover

Eine Holzpuppe fällt herab, ein Krückstoffgriff, ein Klistier, ein kaputtes Kinderspielzeug. Siegfried Neuenhausen lässt lauter Teile zu Boden fallen, die er aus einer großen Kiste fischt. Deren Inhalt stammt von Gerd Schmidt Vanhove. Der sitzt neben dem langjährigen Kunstprofessor an der HBK Braunschweig im dichtbesetzten Calder-Saal des Sprengel-Museums und bringt seine Trouvaillen auf den Begriff: Es sei eben alles „so Klüngelkram“.

Sicher ist: Gerd Schmidt Vanhove, Jahrgang 1950, hat den Souterrain-Raum in der Hainhölzer Kornbrennerei, den er 33 Jahre lang bewohnt hat, dicht mit dem von anderen Weggeworfenen und von ihm Vorgefundenen gefüllt. „Er hat“, sagt Neuenhausen, Jahrgang 1931, über seinen einstigen Schüler, „eine ganze Müllhalde in Kunst verwandelt.“

Das Sprengel-Museum zeigt Skulpturen, Zeichnungen und Assemblagen des hannoverschen Künstlers in einer Kabinettausstellung im Untergeschoss.

Einige Resultate dieser Verwandlung lassen sich jetzt in der neuen Kunstschau des Sprengel-Museums besichtigen. Und die ist Anlass einer Präsentation im Geist von Dada, ergänzt um Elemente von Sechzigerjahre-Happenings, irgendwo zwischen Arte Povera und Niki de Saint Phalle.

Die beginnt mit Neuenhausens performativen Griffen in die Kunstkiste. Und es SIE endet nicht mit dem Auftritt des früheren Sprengelmuseumsdirektors Ulrich Krempel, der einen Text von Gerd Schmidt Vanhove verliest. Der handelt vom morgendlichen Heimweg des Künstlers vom Café Glocksee, wo er nachts jahrelang Gin Tonic ausgeschenkt hat, in seine Hainhölzer Bleibe, wo seine Materialsammlung zur Decke wächst. Dazwischen gibt es, durchaus durchchoreografiert, kurze Auftritte von Wegbegleitern, von einer einstigen Neuenhausen-Assistentin, von früheren Kommilitonen an der HBK und von Künstlerfreunden in Hannover.

Neuenhausen führt ebenso wortgewandt wie wortreich durch den Abend, weshalb dem Künstler selbst wenig zu sagen bleibt. Er erzählt von seiner aus Wesersandstein gefertigten Steingitarre, die er 1983 im Kunstverein sogar zum Klingen gebracht hat. „Das war eine ganz spontane Improvisation.“ Er fragt Neuenhausen, ob er denn die schwarze Punkfahne noch habe, die er seinem Professor einst geschenkt habe. „Nee“, sagt der, „so is das nu.“ Und als die Rede auf das Souterrain-Studio kommt, das Schmidt Vonhove 2016 krankheitshalber aufgeben musste, wirft der Künstler ein „Ich vermisse es“ ein.

Wer Schmidt Vanhoves Kunst sehen will wechselt danach in die kleine Kabinettausstellung, die die Kuratorin Olga Nevzorova mit Sprengelmuseumsdirektor Reinhard Spieler eingerichtet hat. Da ist zwar weder die Steingitarre noch die Punkfahne zu sehen, wohl aber Zeichnungen, Skulpturen, Assemblagen und Objektkästen des Künstlers. Ein Acrylglasquader etwa voller ausgedrückter Klebstofftuben, eine Art Schädel mit Gletscherbrille, der „Maske“ (1980) heißt, ein gülden und silbrig bespraytes Schuhpaar („Die Schuhe des Künstlers“, 1990), rostzersetzte Radpedalen und Ritzel („Rostzeit“, 1991). Und da finden sich Objektkästen, in denen sich Zylinder mit dem Konterfei von Kurt Schwitters drehen („Schwitters“, 1996 bis 2009) und ein ein fellbespanntes Porzellan- und Besteckarrangement, das „Hommage an M.O.“ (1990) heißt.

Schwitters, Dada, Meret Oppenheim – damit wären wir dann ganz in der Avantgarde der Zwanzigerjahre gelandet, die hier freilich nur zitiert wird.

Die letzte Ausstellungsbeteiligung, erzählt Reinhard Spieler am Rande dieses Kunstereignisses, hatte Gerd Schmidt Vanhove vor 15 Jahren bei der Herbstausstellung des Kunstverein. „Hörma“, sagt Siegfried Neuenhausen am Ende des Abends zu dem Künstler. „Jetzt gleich Sprengel-Museum - ist ja eigentlich schön, so von null auf hundert.“ Da brandet wieder Applaus auf.

Gerd Schmidt Vanhove: Skulpturen und Malerei. Bis 7. Oktober im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz.

Von Daniel Alexander Schacht

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf Einladung der FDP-nahen Stiftung zeigen israelische Repräsentanten im Künstlerhaus, was ihr Land zur einer „Startup Nation“ macht

17.08.2018

Free-Jazz als Inspiration eines jungen Schriftstellers: Friedrich Christian Delius kommt am Donnerstag ins Literaturhaus und stellt seine autobiografische Erzählung „Die Zukunft der Schönheit“ vor

13.08.2018

Neue CDs von hannoverschen Musikern: Geigerin Isabelle van Keulen trägt Astor Piazzolla in den Himmel – und Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie vollenden ihr erstes großes CD-Projekt.

16.08.2018